VonChristina Denkschließen
Die „Letzte Generation“ hat bislang vorrangig in Großstädten Aktionen durchgeführt. Nun sollen die Proteste offenbar ausgeweitet werden. Unter anderem auf Autobahnen.
Berlin – Straßenblockaden der Klima-Kleber, Baumfällung vor dem Kanzleramt oder festgeklebt am Gerichtstisch: Die „Letzte Generation“ sorgt immer wieder mit neuen Aktionen für Aufmerksamkeit. Nun will die Gruppe ihre Proteste offenbar weiter ausbauen – auch auf die Autobahn.
„Letzte Generation“: Proteste sollen offenbar auf Autobahnen ausgweitet werden
Wie die Welt berichtet, weisen interne Papiere und Beiträge auf Social Media auf die Ausweitung der Aktionen auf die Autobahn hin. Dabei könnten auch Lkws zum Einsatz kommen. Auf Social Media sollen die Aktivisten nach neuen Mitgliedern mit einem Lkw-Führerschein gesucht haben. Eine erste Aktion auf der Autobahn hatte es bereits im Oktober 2022 gegeben. Dabei waren zwei Autos der Klimaaktivisten neben einem Lkw gefahren und hatten so das Tempo auf der gesamten Autobahn ausgebremst.
Damals hieß es laut Welt: „Die Aktionen werden an vielen Orten und so lange durchgeführt, bis die politisch Verantwortlichen entweder die Forderung erfüllen, eine weitere Durchführung unverhältnismäßig oder gar unmöglich erscheint.“ Bei einem Unfall sollte die Aktion unterbrochen werden. Die „Letzte Generation“ fordert unter anderem ein Tempolimit von 100 km/h. Laut den internen Dokumenten soll die „Letzte Generation“ für neue Lkw-Aktionen Berlin als Ort gewählt haben.
„Letzte Generation“: Aktionen finden nicht mehr nur in Großstädten statt
Neben den Lkw-Protesten gibt es offenbar noch weitere Ideen, die Proteste zu intensivieren. Demnach gibt es Überlegungen, dass sich Aktivisten an Gullydeckeln festkleben sollen, um die Loslösung zu erschweren, die häufig von der Polizei mit Speiseöl vollzogen wird. Darüber hinaus sollen die Aktionen auch abseits der Großstädte stattfinden. „Wir sehen die Klimakrise als so dringlich an, dass wir in Zukunft überall protestieren werden – auch auf dem Land“, kündigte ein Aktivist gegenüber dem NDR an. Erste Proteste, wie im 6000-Einwohner-Dorf Barnstorf im Landkreis Diepholz, gab es bereits.
Werden die Aktionen der „Letzten Generation“ radikaler? Psychologe sieht erste Anzeichen
Es scheint, als würden die Aktionen der „Letzten Generation“ zunehmend radikaler. Religionspsychologe Michael Utsch sah im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung Potenzial für eine Radikalisierung. Die Gruppe habe ein Schwarz-Weiß-Denken und „rechtschaffene und intelligente Menschen lassen sich derart in eine apokalyptische Enge treiben, dass sie ihre Ausbildung abbrechen und Straftaten begehen“, sagte er. Für eine Sekte seien die Mitglieder jedoch zu unterschiedlich.
Der Verfassungsschutz sah Ende Januar ebenfalls noch keinen Grund, um von einer Gefährdung zu sprechen. Es gebe keine „hinreichenden Anhaltspunkte für eine Gefährdung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung“, sagte der Präsident Thomas Haldenwang gegenüber dem Deutschlandfunk. Zuletzt hatten in Österreich Klima-Kleber Öl auf einer gesperrten Straße ausgeschüttet. Doch die Aktion wurde einer Aktivistin unvorhergesehen zum Verhängnis. (chd)
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