Hitzewelle in Europa

Rekord vor Kroatien-Küste: Wassertemperatur steigt immer weiter – enorme Folgen für Urlauber

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Am Strand von Dubvrovnik ist das Wasser so warm, wie noch nie in ganz Kroatien.
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Die Hitze in Südeuropa sorgt für einen neuen Rekord: An der kroatischen Adria werden knapp 30 Grad im Wasser gemessen. Das hat nicht nur für Menschen drastische Folgen.

Dubrovnik – Der ganze Mittelmeerraum ächzt derzeit unter einer Hitzewelle, während in Mitteleuropa ein On-Off-Sommer die Nerven der Menschen strapaziert. Vor allem die Balkanhalbinsel ist von Temperaturen bis an die 40 Grad in Griechenland betroffen. Auch Kroatien hat mit einer endlosen Hitzewelle zu kämpfen. Das Meer wird dabei ebenfalls erhitzt, wie noch nie: Am Montag (15. Juli) wurde vor der historischen Stadt Dubrovnik im Süden des Landes ein neuer Rekord für die Meerestemperatur verzeichnet.

Das Staatliche Meteorologische Institut (DHMZ) maß um 17 Uhr eine Meerestemperatur von 29,7 Grad Celsius. Damit wurde der bisherige kroatische Rekord von 29,5 Grad im Meer nahe der Insel Rab aus dem Jahr 2015 übertroffen. Auch im Rest Kroatiens brachte ein Bad im Meer nur wenig Erfrischung: Nirgends fielen die Meerestemperaturen unter 26 Grad.

Nirgendwo in Kroatien ist das Wasser kühler als 26 Grad

Vor der Mittelmeerküste der Türkei wurde die 30-Grad-Marke schon geknackt. Schon voriges Jahr waren solche Wassertemperaturen in Italien zwischen Sizilien und Neapel gemessen worden, das sind vier Grad über dem Normalwert. Bis in den November hatte das Meer Badetemperaturen, die Sommersaison begann dieses Jahr schon im Februar.

Der Grund für hohen Wassertemperaturen ist wenig überraschend: „Die Hauptursache für die Zunahme der Hitzewellen im Meer ist zweifellos der globale Klimawandel, der zu einer Erwärmung der Ozeane führt“, so Katrin Schroeder, Ozeanografin beim italienischen Marineforschungsinstitut (ISMAR) gegenüber der Deutschen Welle. 

Der Sauerstoff wird für viele Lebewesen knapp – doch die Algen blühen

Das Problem: In wärmerem Wasser können sich weniger Gase wie Sauerstoff und Kohlendioxid lösen. Wird der Sauerstoff knapp, wird es aber für viele Meeresorganismen schwieriger, zu atmen. „Gerade in wärmerem Wasser aber müssten sie sogar mehr atmen, weil die höheren Temperaturen ihren Stoffwechsel beschleunigten“, erklärte Diego Kersting vom spanischen National Research Council (CSIC) dem Sender. Das aber werde durch die geringere Sauerstoffkonzentration im Wasser immer schwieriger.

Vielen Meeresbewohnern drohe durch die höheren Temperaturen auch der Hungertod. „Der Temperaturanstieg beschleunigt den Stoffwechsel, und die Organismen brauchen mehr Nahrung, um diese Stoffwechselrate aufrechtzuerhalten“, sagte Kersting. Zudem komme es bei hohen Temperaturen häufig zu einer Blüte von Mikroalgen, bei der Giftstoffe in die Luft freigesetzt werden können. Der Algenschleim schreckt zurzeit auch die Urlauber an der oberen Adria vor Slowenien, Kroatien und Italien vorm Baden ab.

In Lerici bei La Spezia aalten sich die Einheimischen im Februar mitten im Winter am Strand in der Sonne.

Viele Korallenarten, Muscheln, Seesterne, Seeigel, Schwämme sowie Seegräser leiden unter dem warmen Wasser. Sie können nicht einfach in kühlere Gebiete abwandern, wie Fische. „Wir hatten sehr komplexe Ökosysteme, die eine hohe Artenvielfalt beherbergten, und jetzt verlieren wir sie, zumindest in den flachen Gewässern“, sagte Joaquim Garrabou, leitender Wissenschaftler am Institute for Marine Sciences (ICM) der CSIC in Kalifornien (USA) zur Deutschen Welle. Bereits 2022 habe man ein Massensterben unter den Bodenorganismen an tausenden Kilometern der Küstenlinie beobachtet  

Quallen und giftige exotische Fische profitieren vom warmen Mittelmeer

Dagegen sind Quallen die Profiteure der Meereserwärmung, sie kommen mit dem warmen Wasser zurecht, profitieren auch von Nährstoffen, die über Kanalisation und Landwirtschaft in die Meere gelangen, gleichzeitig werden die Fische als Fressfeinde weniger.

Der tropische, eingeschleppte Rotfeuerfisch macht sich im Mittelmeer breit.

Statt den heimischen Fischen machen sich Exoten breit: Eingeschleppte tropische Arten wie Rotfeuerfische oder Kugelfische wurden schon in der Adria gesichtet, berichtet das Ozean- und Fischerei-Institut in Split dem National-Geografic-Magazin. Der aus dem Indischen Ozean über das Rote Meer und den Suezkanal eingewanderte Rotfeuerfisch hat Gift in seinen Strahlenflossen, das für den Menschen sehr schmerzhaft ist. Der giftige, ebenfalls aus dem Roten Meer eingewanderte Hasenkopf-Kugelfisch bereitet schon seit Jahren türkischen Fischern große Probleme. Der Kugelfisch frisst den Fischern Shrimps, Oktopusse, andere Fische und Krabben weg.

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