„Wie bei einem Gewitter“

Felssturz rauscht knapp an Österreich–Almhütte vorbei – Schnaps für die Nerven geschockter Urlauber

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Vor den Augen einer Radfahrer-Gruppe ist im Salzburger Land ein Felssturz knapp an einer Almhütte vorbeigedonnert. Der Wirt griff zu altbewährten Mitteln, um die Urlauber zu beruhigen.

Neukirchen am Großvenediger – Der Nationalpark Hohe Tauern mit seinen Dreitausendern, Gletschern und Wasserfällen ist ein Dorado für Österreich-Urlauber – im Sommer wie im Winter. Die Betten im Süden des Salzburger Landes, Osttirols und Kärntens sind im Schatten von Großglockner und Großvenediger derzeit ausgebucht. Zu Fuß, mit dem Rad oder der Gondel stürmen die Urlauber Almen und Berge.

Umso größer war der Schreck, als am Mittwochabend (24. Juli) in der Nähe von Neukirchen am Großvenediger ein riesiger Felssturz ins Tal donnerte. „Es war wie bei einem Gewitter“, schildert der Wirt der Stockeralm Gotthard Kaiser dem Portal Salzburg24. Er habe nachsehen wollen, was gerade passiert sei, da eine riesige Staubwolke die Hütte eingehüllt habe. Es sei plötzlich dunkel geworden.

Almwirt hört lautes Donnern und auf einmal wird es dunkel

Zu diesem Zeitpunkt war die örtliche Feuerwehr gerade bei ihrer routinemäßigen Löschübung, als sie Neukirchens Andreas Schweinberger um 20:38 Uhr anrief und über den Felssturz im Untersulzbachtal nahe der Stockeralm informierte. Eine Anruferin hatte sich an den Ortschef gewandt und ihm von dem Felssturz sowie der unklaren Lage berichtet. Die Felsmassen waren nur knapp an der Alm vorbeigedonnert.

Da nicht klar war, ob Menschen betroffen waren, eilte die Feuerwehr zum Ort des Geschehens. „Vor Ort konnte nach Rücksprache mit dem Betreiber der Stockeralm Entwarnung gegeben werden“, heißt es bei der Feuerwehr. Die Stockeralm sowie die dort befindlichen Gäste seien lediglich „eingestaubt“ worden.

Fahrradfahrer sind geschockt, als sie von Felsenstaub eingehüllt werden

Eine Gruppe von geschätzt acht Radfahrern sei zum Zeitpunkt des Felssturzes gerade auf der Alm gewesen, berichtet Hüttenwirt Kaiser. „Für die war das sicher etwas, dass sie nicht so oft sehen.“ Alle seien in die Hütte gegangen und hätten abgewartet. „Dann hab‘ ich mal ein Schnapserl her getan und dann hat das wieder gepasst“, lacht der Wirt. Solange niemandem etwas passiert, könne man in den Bergen schon verkraften, dass mal wo „ein Stein herunterbricht“, meint er gegenüberS24.

Das Gestein liege jetzt beim Felsen, wo es abgebrochen ist. Es sei nicht das erste Mal, dass nahe der Stockeralm Gestein wegbrach. Vor etwa acht Jahren habe es fast an derselben Stelle schon einmal einen Felssturz gegeben. „Die Natur hat uns eben wieder einmal gezeigt, wer der Chef ist“, so Neukirchens Ortsfeuerwehrkommandant Thomas Scheuerer. Es sei aber glücklicherweise alles glimpflich ausgegangen: Niemand wurde verletzt, keine Gebäude beschädigt. Unklar sei die Ursache für den Felssturz, vermutlich sei der Klimawandel schuld.

Tatsächlich mehren sich in den vergangenen Jahren die Felssturzereignisse in den Alpen. Vorige Woche wurde erst eine Zufahrstraße zu einem Berggasthaus in den Dolomiten verschüttet. Zuvor hatte ein Unwetter für heftige Schäden in Ortschaften entlang der Brennerautobahn gesorgt. In Österreich waren sogar Urlauber von Muren eingeschlossen worden. An der Silvretta blockieren Felsstürze und Muren für Monate die Straße aus dem Montafon auf die Bielerhöhe.

Rubriklistenbild: © Feuerwehr Neukirchen am Großvenediger

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