„Absurd“

„Ich bin nicht kurzfristig verfügbar“: Junge Frau wird für Antwort auf unverschämte Job-Mail gefeiert

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Eine Autorin ärgert sich bei Instagram über eine berufliche Anfrage. BuzzFeed News erklärt sie, was hinter ihrer „Anti-Work“-Haltung steckt.

„Nein, ich bin nicht kurzfristig verfügbar. Nie“, antwortet Bianca Jankovska wütend auf eine berufliche Anfrage. In der E-Mail wurde die Selbstständige um eine Antwort innerhalb weniger als einem Tag gebeten. „Ich lese meine Mails einmal die Woche.“ Sie macht den Performance-Druck in ihrem Beruf öffentlich, indem sie die E-Mail auf Instagram teilt.

Ihre Follower reagieren in den Kommentaren mit Applaus und feiern sie für die Wutrede per E-Mail. „Viele sagten, ich sei ‚mutig‘, das öffentlich zu machen“, erzählt Jankovska BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. Die Autorin schreibt immer wieder über Leistungsdruck auf dem Arbeitsmarkt und sogenannte Bullshitjobs – auch auf ihrem Blog Groschenphilosophin und ihren gleichnamigen Social-Media-Kanälen.

Solche E-Mail-Anfragen mit so einer knappen Frist kämen regelmäßig, sagt die Österreicherin. In diesem Fall sei es „witzigerweise“ um einen journalistischen Beitrag über „Low Performer“ in Unternehmen gegangen. Sie finde es „absurd“, dass selbst Redaktionen, die solche Arbeitsmarkt-Trends kritisch beleuchteten, „ständige Verfügbarkeit“ erwarten würden. Damit würden sie „Präsentismus, Null-Flexibilität und permanente Performance“ in der Arbeitswelt nur weiter bestärken statt zu kritisieren.

Die österreichische Autorin und Bloggerin Bianca Jankovska schreibt über die Arbeitswelt, Bullshitjobs und vor allem darüber, wie sie sich für alle Beteiligten verbessern könnte.

E-Mails nur einmal die Woche lesen: Was hinter Anti-Work wirklich steckt

Jankovska ist 1991 geboren und damit Generation Millennial. Sie berät Menschen, die ihre Jobs kündigen wollen, sagt, sie würde sich selbst als Anti-Work-Influencerin für all diejenigen bezeichnen, die keinen Sinn mehr in ihrer Arbeit sehen. Sie stellt klar, dass „Anti-Work“ nicht bedeute, gar nicht zu arbeiten, sondern sich vom schlechten Gewissen der Nicht-Produktivität zu lösen. Es sei das „bewusste Infragestellen von Lohnarbeit und Leistungsethos“.

Zum Beispiel zu kündigen, wenn die mentale und physische Gesundheit gefährdet seien, die „Lüge vom Traumjob zu verlernen“ und das ständige Streben nach mehr zu kritisieren. „Anti-Work bedeutet mehr Faulheit für alle – und nicht nur für das obere ein Prozent. Es bedeutet schlicht und einfach: seine Mails auch mal eine Woche nicht zu lesen.“

Sie habe in den vergangenen fünf Jahre gemerkt, dass konstantes E-Mails checken „extrem schlecht“ für sie gewesen sei. „Das sage nicht nur ich, das sagt auch die Wissenschaft. Es macht krank, dauernd online zu sein. Und da ich selbstständig bin, habe ich dem einen Riegel vorgeschoben“, sagt sie BuzzFeed News Deutschland über die neue Work-Life-Balance. „Wer nicht mit mir zusammenarbeiten will, weil ich nicht 24/7 erreichbar bin, hat vielleicht eher ein Problem mit seinen eigenen Grenzen, als mit meinen.“

In dieser E-Mail lässt die Autorin Bianca Jankovska ihrer Wut über knappe Fristen und 24/7 Verfügbarkeit in der Arbeitswelt – besonders in der Medienbranche – freien Lauf.

Anti-Work-Influencerin: „Was viele Boomer aufregt“

Als BuzzFeed News Deutschland die Millennial-Autorin fragt, inwiefern Boomer ihre Arbeits-Einstellung ärgern könnte, sagt sie: „Ich glaube, was viele Boomer aufregt, ist nicht nur die Anti-Work-Haltung selbst, sondern die Selbstverständlichkeit, mit der viele aus der Gen Z und Millennials heute Arbeit und Leistung hinterfragen“, sagt sie.

„Es gibt weniger Scheu, ‚Nein‘ zu sagen, Grenzen zu ziehen, mentale Gesundheit zu priorisieren.“ Für viele in der älteren Generation wirke das wie „Undankbarkeit oder Faulheit, weil sie selbst nie die Möglichkeit hatten, Arbeitsverhältnisse so kritisch zu reflektieren“, glaubt die Autorin aus Wien.

Oft würden sie auch vergessen, dass es bei ihnen andere Zeiten waren und Immobilien sowie sichere Jobs mit Aufstiegsperspektive noch greifbar. Heute seien junge Menschen mit „befristeten Verträgen, explodierenden Mieten und der Klimakrise“ konfrontiert. „Die Gen Z hat nicht plötzlich ‚die Lust am Arbeiten‘ verloren – sie hat nie die Chance auf ein lebenswertes Leben gehabt, wie Boomer das aus den Achtzigern und Neunzigern kannten“, sagt sie.

Rubriklistenbild: © Screenshot @groschenphilosophin

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