„Grotesk“

„Massiver Druck“: Vater rechnet nach Berufsberatung mit Arbeitsagentur ab

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Sein Sohn habe drei Monate nach der Berufsberatung eine „ernüchternde“ E-Mail mit zwei Links bekommen, die in jeder Google-Suche ganz oben auftauchen würden.

Frankfurt – Es begann mit einem ersten Berufsberatungsgespräch im Frühjahr: „Freundlich, interessiert, mit Notizen“, erzählt Sascha Baumann in einem LinkedIn-Beitrag vom 16. September. Am Ende sagte die Arbeitsagentur-Beraterin, dass sie seinem Sohn die passenden Informationen zu seinen Möglichkeiten im IT-Bereich zuschicken würde.

Was drei Monate später ankam, waren „zwei Links. So allgemein, dass sie in jeder Google-Suche als Ersttreffer auftauchen“, schreibt der Vater aus Baden-Württemberg. „Ernüchternd bis grotesk.“ So sehe also „individuelle Beratung“ aus: Jugendliche, die für ihre Ausbildung Orientierung suchten, bekämen Copy-Paste-Antworten. „Ein Schlag ins Gesicht“, sagt er BuzzFeed News Deutschland von Ippen.Media. „Am schlimmsten ist diese Diskrepanz: Im Gespräch Interesse vortäuschen, im Nachgang Standard-Bausteine verschicken. Jugendliche merken das sofort.“

Nachdem er sich bei der Agentur für Arbeit (BA) beschwerte, sei ein Einladungsschreiben für ein Beratungsgespräch am zweiten Schultag nach den sechswöchigen Sommerferien (in denen es gut gepasst hätte) gekommen. Also nicht wahrnehmbar für einen Schüler.

Berufsberatung an deutschen Schulen: Drei Monate auf zwei Links warten

Ein Vater erzählt, dass die Berufsberatung der Arbeitsagentur für seinen Sohn letztlich „verschwendete Zeit“ war und warum das so „gefährlich“ ist. (Symbolbild)

Sein Sohn habe entsprechend „enttäuscht“ reagiert, erzählt Baumann BuzzFeed News Deutschland. „Das ist das eigentlich Gefährliche: Wer Jugendliche an diesem Punkt verliert, weil er sie nicht ernst nimmt, verspielt Vertrauen in ein ganzes System.“ Sein Sohn habe gesagt, dass die Berufsberatung für ihn letztlich „verschwendete Zeit“ gewesen sei. Für einen jungen Menschen wie seinen Sohn, der „nur“ Orientierung suche, sei das zwar ärgerlich, aber er wolle sich gar nicht ausmalen, wie sich Jugendliche fühlen, die wirklich auf die Berufsberatung angewiesen sind. „Da kann so ein Erlebnis entscheidend sein – und das im negativsten Sinne.“

Wie viele Eltern stehe er „unter massivem Druck“, was die Berufswahl seines Kindes anbelange. Ausbildung und Beruf seien entscheidende Weichenstellungen und die Arbeitswelt verändere sich – unter anderem durch KI – rasant. „.Eltern können das gar nicht alles allein überblicken“, sagt er. Nicht alle Eltern hätten die Ressourcen, so viel bei der Berufswahl zu unterstützen, wie er. „Wenn die öffentliche Beratung bei denen nichts taugt, ist das nicht nur ein Defizit, sondern ein echtes Risiko.“

Ein Vater erzählt, dass die Berufsberatung der Arbeitsagentur für seinen Sohn letztlich „verschwendete Zeit“ war und warum das so „gefährlich“ ist. (Archivbild)

Vater erwartet von Bundesarbeitsagentur mehr Qualität

Da Schulen und Arbeitsagentur offiziell kooperierten, erwarte Baumann Qualität. „Berufsberatung, die aus Standard-Links und nachträglichen Briefen besteht, ist den Namen nicht wert“, sagt er. „Nichts ist schlimmer, als wenn junge Menschen ihre ersten Erfahrungen mit einer Behörde machen und denken: ‚Die taugt nichts.‘“ Er sei überzeugt, dass die schlechte Berufsberatung bei seinem Sohn kein Einzelfall sei, und sich hier ein „strukturelles Defizit“ offenbare.

Ein Sprecher der Arbeitsagentur sagt BuzzFeed News Deutschland, dass noch während der Sommerferien die Kolleginnen mehrfach versucht hätten, Baumanns Sohn telefonisch zu erreichen, um einen Termin für eine individuelle, vertiefende Beratung zu vereinbaren – leider ohne Erfolg. Dass die Einladung zu einem weiteren Termin vor Ort, die Familie nicht rechtzeitig erreicht habe, sei nicht absehbar gewesen und bedauerlich. „Wir verstehen gut, wie frustrierend und enttäuschend eine solche Situation sein kann“, sagt er.

Normalerweise seien Teilnehmende der Berufsberatung zufrieden, bewerteten ihre Erfahrungen im Schnitt gut, also mit der Schulnote 1,9. Aber: „Rückmeldungen wie die von Sascha Baumann helfen uns, gezielt nachzusteuern.“ (Quellen: Linkedin, eigene Recherche)

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