Auch Neapel zunehmend betroffen

Schwarmbeben am Supervulkan wird immer stärker – Italien richtet Krisenstab und Auffangzentren ein

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Die Situation am Supervulkan der Phlegräischen Felder eskaliert. Die ganze Nacht von Sonntag auf Montag wackelte die Erde. Bis Dienstagmorgen setzte sich der Bebenschwarm unvermindert fort

Update vom 18. Februar, 9.31 Uhr: Das Schwarmbeben in den Phlegräischen Feldern hat sich mit weiteren Erdstößen in der Nacht fortgesetzt: das stärkste Beben mit einer Magnitude von 3,1 wurde um 3.22 Uhr registriert. Der Leiter des Nationalen Zivilschutzes, Fabio Ciciliano, wird sich am Dienstagnachmittag (18. Februar) in Pozzuoli bei einem Informationstreffen den Fragen der Bürger stellen. Mehrere Gemeinden haben in der Nacht Notunterkünfte in Turnhallen bereitgestellt. Es gibt kleinere Gebäudeschäden – Fensterscheiben gingen zu Bruch, Fassadenteile fielen zu Boden.

Ursprungsmeldung vom 17. Februar, 05.23 Uhr: Pozzuoli – Seit einer Woche jagt eine Erdbebenserie die andere am Supervulkan der Phlegräischen Felder bei Neapel im Süden Italiens. Bis Samstag waren die Erdstöße moderat und erreichten maximal eine Magnitude von 2,6. Am Samstagnachmittag (15. Februar) gab es dann um 15.30 Uhr ein Beben der Stärke 3,9. Dazu muss man wissen: Die Erhöhung um eine Stufe entspricht einer Energieerhöhung um den Faktor 10. Ein Beben der Stärke 4 ist also zehn Mal stärker als ein Beben der Stärke 3.

Kurz vor Mitternacht ereigneten sich zwei weitere Beben der Stärke 3, begleitet von einem heftigen Dröhnen – und die ganze Nacht hindurch donnerte der Vulkan weiter: Bis 10 Uhr wurden 33 Beben der Stärke 1 gezählt, das stärkste um 0.19 Uhr mit einer Magnitude von 3,9. Die Menschen verbrachten die Nacht auf der Straße. Sie schliefen in Autos oder standen um kleine Lagerfeuer. Nachts ist es in Pozzuoli derzeit fünf Grad kalt, tagsüber erreicht das Thermometer 14 Grad.

Supervulkan bebt: In Neapel fallen Trümmer von Häusern auf die Straße – auch im Touristenviertel zu spüren

Am Morgen gab es dann wieder um 8:11 Uhr einen Erdstoß der Stärke 3,2. Insgesamt wurden innerhalb von 24 Studen 438 Erdstöße registriert, viele davon kaum spürbar. Derzeit liegen keine Berichte über Personen- oder Sachschäden vor, abgesehen von einigen herabfallenden Trümmern in der Via Michele Kerbaker in Vomero, einem hügeligen Viertel von Neapel. Auch im spanischen Viertel von Neapel, ein Anlaufpunkt für viele Menschen in ihrem Italien-Urlaub, waren die Beben deutlich zu spüren.

Diese Karte zeigt die aktuellen Erdbeben am Supervulkan, die roten sind die der letzten 24 Stunden am Montag (17. Februar) um 12 Uhr.

Um 1.30 Uhr schaltete sich die Regierung in Rom in das Geschehen ein. Der Abteilungsleiter für den Zivilschutz des Innenministeriums Fabio Ciciliano rief der Nachrichtenagentur Kronos zufolge um 1.30 Uhr einen Krisenstab ein, der per Videoverbindung mit den Kommunen im Gebiet verbunden war.

Kommunen in Italien richten Auffangzentren für die Bevölkerung ein, die auf die Straße geflüchtet ist

Während des Treffens wurde angesichts der Zahl der Bürger, die auf die Straße strömten, die Aktivierung von Freiwilligen des Zivilschutzes und die Öffnung von Empfangs- und Wartebereichen für die Bürger der Gemeinden Pozzuoli, Bacoli und Neapel angeordnet. „Das Ministerium wird die Entwicklung der Situation weiterhin beobachten und mit den örtlichen Katastrophenschutzbehörden in Kontakt bleiben“, heißt es weiter.

Die Menschen verbrachten die Nacht in Pozzuoli auf der Straße

Die Gemeinde Pozzuoli öffnete laut fanpage.it das Palatrincone, eine Mehrzweckhalle mit Schwimmbad, wo im Laufe der Nacht neun Familien unterkamen. Der Präfekt von Neapel, Michele Di Bari, sagte dem Portal: „In Pozzuoli verbrachten etwa 500 Menschen die Nacht auf ausgestatteten Parkplätzen, wo Grundbedürfnisse, darunter Wärmedecken, verteilt wurden.“

Die Schulen bleiben im Vulkan-Krisengebiet vorerst geschlossen – Statik wird überprüft

In Pozzuoli bleiben am Montag alle Schulen geschlossen. „Aus Vorsichtsgründen wird der Unterricht an öffentlichen und privaten Schulen aller Stufen ab dem 17.02.2025 bis auf Widerruf ausgesetzt, um Inspektionen durch technisches Personal der Gemeinde zu ermöglichen, die das Vorhandensein etwaiger Schäden infolge der verschiedenen Erdbeben und insbesondere des Ereignisses der Stärke 3,9 feststellen sollen“, heißt es auf der Website der Gemeinde Pozzuoli.

Die Beben haben mittlerweile fast wieder die Häufigkeit und Intensität des vorigen Jahres erreicht, als einen Erdstoß der Stärke 4,4 gab. Forscher hatten in einer Studie eine Zunahme des Schwefelgasausstoßes in den Phlegräischen Feldern festgestellt. Auch vor der griechischen Insel Santorini wird ein Vulkanausbruch befürchtet. Auf der spanischen Ferieninsel Teneriffa könnte dieses Szenario ebenfalls in absehbarer Zeit eintreten. Am Ätna sorgt eine Eruption derzeit dagegen für fantastische Bilder.

Rubriklistenbild: © Antonio Balasco/Imago/INGV

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