Premierminister reagiert

Santorini-Erdbeben: „Sprechen jetzt von beispiellosem Phänomen“ – Magma-Stoß registriert

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Die Erdbeben auf Santorini flachen ab, die Risiken bleiben jedoch unverändert. Magma tritt nun nahe dem Vulkan Kolumbo aus.

Santorini – Weiterhin Alarmzustand auf Santorini. Dennoch eine gute Nachricht vorweg: Die Erdbeben in der Ägäis haben an Wucht verloren. Seit Samstag (15. Februar) überstieg nur eines eine Stärke von 3 (3,3 am 16. Februar um 8.19 Uhr). Die allermeisten Erschütterungen bewegten sich nur knapp oberhalb einer Magnitude von 2 – kaum vergleichbar mit dem bislang stärksten Beben der Serie.

Erdbeben-Serie auf Santorini dauert an: „Wir haben noch einen langen Weg vor uns“

Seismologe Akis Tselentis betont trotzdem: Für eine Entwarnung auf Santorini reicht das lange nicht. „Wir haben noch einen langen Weg vor uns“, schreibt Tselentis in einem Facebook-Beitrag. Fachleute sollten sich hüten vor „Ankündigungen wie ‚wir haben die Krise überstanden und Touristen können kommen.‘“

Magma-Stoß am Vulkan Kolumbo registriert – Seismologe erklärt aktuelle Erdbeben-Entwicklung in der Ägäis

Die Erdbeben haben zwar an Intensität verloren, sind aber eben nach wie vor vorhanden. Außerdem hat Tselentis einen Magma-Stoß am Krater des Vulkans Kolumbo registriert. Aktuell ist allerdings noch unklar, ob das Magma aus einem neuen Gebiet in der Nähe von Anidro oder aus dem Kolumbo selbst stammt.

Der rote Pfeil zeigt den Hauptkrater des Kolumbo, der rote Kreis den Bereich, in dem seismische Schwingungen registriert wurden.

In jedem Fall führt der Aufstieg zu Erdbeben. Der Seismologe erklärt: „Wenn das Magma aufsteigt, erhöht sich der Druck auf das Gestein. Durch diese Aufwärtsbewegung kommt es zu Brüchen im Gestein, also zu rein vulkanischen Mikroerdbeben. Gleichzeitig kommt es zu einem Spannungsanstieg in der Erdkruste, wodurch Mikrorisse aktiviert und rein tektonische Erdbeben verursacht werden.“ Eine Wechselwirkung zwischen Vulkanen und Plattentektonik, die im schlimmsten Fall einen Vulkanausbruch auslösen oder die Amorgos-Verwerfung aktivieren könnte – beides verheerende Szenarien für Santorini.

Schweres Erdbeben nicht ausgeschlossen – Griechenlands Premierminister in Alarmbereitschaft

Ein schweres Erdbeben der Stärke 6 oder höher ist nach wie vor nicht ausgeschlossen. Auch Griechenlands Premierminister Kyriakos Mitsotakis ist in „Alarmbereitschaft“, wie er in seinem wöchentlichen Bericht erklärt. „Die Bewohner der Insel müssen sich weiterhin an die Anweisungen halten“, fordert er. Auf Santorini wurden strikte Erdbeben-Maßnahmen verhängt.

Erdbeben-Maßnahmen auf Santorini, Ios, Anafi und Amorgos

Eine davon wird jetzt verlängert: Die Schulen bleiben bis zum 21. Februar geschlossen – auch auf Ios, Anafi und Amorgos. Außerdem können Unternehmen in der Region die Arbeitsverträge ihrer Angestellten vom 1. Februar bis zum 3. März aussetzen. Angestellte erhalten dann eine Sonderzwecksentschädigung in Höhe von 534 Euro pro Monat.

Der Ausnahmezustand auf den griechischen Inseln ist lange nicht vorbei, befürchten Forschende. „Wissenschaftler sprechen jetzt von einem beispiellosen Phänomen, mit Schwankungen in seiner Dynamik, die noch keine sichere Einschätzung der Entwicklung ermöglichen“, berichtet Mitsotakis. Aktuell sind viele verschiedene Szenarien für Santorini denkbar – ein deutsches Krisenteam hat ganze sechs Erdbeben-Hypothesen ausgemacht. (moe)

Rubriklistenbild: © Zoonar/Imago/Tselentis

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