VonMoritz Bletzingerschließen
Tausende Reisende sitzen nach den Vergeltungsschlägen des Iran im Nahen Osten fest. Erste Länder planen eine Massenevakuierung, auch Deutschland wird tätig.
Update vom 2. März, 16:23 Uhr: Während Deutschland zögerte, fliegt Italien seine Landsleute bereits aus. Ein Charterflug mit 127 Italienern an Bord startete von der omanischen Hauptstadt Maskat in Richtung Heimat, wie das Außenministerium in Rom mitteilte. Die Menschen saßen demnach im Oman fest oder waren zuvor mit Unterstützung der italienischen Behörden aus Dubai dorthin gebracht worden. Das Außenministerium teilte weiter mit, Botschaften und Konsulate in der Golfregion arbeiteten daran, weitere Landsleute zu noch erreichbaren Flughäfen zu bringen.
Update vom 2. März, 14:42 Uhr: Jetzt also doch: Nachdem Außenminister Johann Wadephul Evakuierungsflüge deutscher Staatsbürger im Nahen Osten zunächst ausgeschlossen hatte, gibt es jetzt eine Wende. Maschinen, offenbar der Lufthansa, sollen nach Maskat im Oman und in die saudische Hauptstadt Riad geschickt werden. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Die Lufträume seien dort noch offen. „Sicherheit geht bei der Entsendung allerdings vor“, so der CDU-Politiker. Vorrang hätten „vulnerable Gruppen“. Es gehe dabei allerdings zumindest zunächst nur um Kinder, Kranke und Schwangere, so Wadephul.
Update vom 2. März, 10:56 Uhr: Tschechien wird jetzt aktiv. Das deutsche Nachbarland schickt zwei Militärflugzeuge in den Nahen Osten, um Bürger in Sicherheit zu bringen. Die eine Maschine werde in den ägyptischen Küstenort Scharm el Scheich, die andere in die jordanische Hauptstadt Amman fliegen, sagte der tschechische Regierungschef Andrej Babis nach einer Sitzung des nationalen Sicherheitsrats in Prag.
Bei einem Teil der Passagiere soll es sich um tschechische Bürger handeln, die Israel auf dem Landweg verlassen haben. Wie Babis weiter ankündigte, wird die Fluggesellschaft Smartwings mehrere Hundert Touristen aus dem Oman nach Hause bringen. Nach Angaben des Außenministeriums in Prag sind rund 6.500 Tschechen, die sich momentan im Nahen Osten aufhalten, auf einer Krisenvorsorgeliste registriert.
Erstmeldung vom 2. März, 8:55 Uhr: Raketen zischen über Dubai und Explosionen erhellen die Nacht. Tausende Urlauber harren derzeit in ihren Hotelzimmern aus. Die Flughäfen sind geschlossen, die Straßen leer – und die Angst wächst mit jeder Stunde.
Menschen auf der Straße, Rauch über Städten: Bilder der Eskalation im Nahen Osten




Nach den US-Luftangriffen auf Teheran und Irans Vergeltungsschlägen mit Drohnen auf Touristenhochburgen wie Dubai sitzen Reisende fest. Laut dem Deutschen Reiseverband sind 30.000 Menschen betroffen, die ihren Urlaub über deutsche Veranstalter gebucht haben. 10.000 Menschen meldeten sich beim Auswärtigen Amt.
Urlauber wegen Iran-Angriffen gestrandet: Evakuierung für Außenminister Wadephul ausgeschlossen
Hoffnung, schnell aus der Krisenregion zu entkommen, macht Außenminister Johann Wadephul den Betroffenen nicht. „Zum jetzigen Zeitpunkt muss man versuchen, auf dem Landweg ein Nachbarland zu erreichen, wo noch geflogen wird“, so der CDU-Politiker in der ARD-Sendung Caren Miosga. „Ich kann nicht im Ernst vorhersagen, wann all das wieder möglich ist, denn wir alle müssen uns darauf einstellen, dass dieser Konflikt länger dauert.“
Eine Evakuierung deutscher Urlauber und Auswanderer hatte Wadephul bereits zuvor in der Bild ausgeschlossen. Die Lufträume seien schließlich zu. Außerdem verwies er darauf, das Auswärtige Amt habe „seit sechs Wochen gewarnt“, was jeder in den Nachrichten habe verfolgen können. Sprich: Deutschland bleibt vorerst tatenlos.
94.000 Briten im Nahen Osten: Außenministerium arbeitet an gigantischem Rettungsplan
Derweil haben sich auch bereits 94.000 britische Staatsbürger beim dortigen Außenministerium registriert. Die meisten sind Urlauber oder Transitreisende, die nun in der Krisenregion festsitzen. Für sie soll Hilfe über den Landweg kommen.
Premierminister Keir Starmer erklärte: „Es ist meine Pflicht, britische Leben zu schützen.“ Die britische Regierung arbeitet an Notfallplänen für eine Massenevakuierung aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Bahrain, Kuwait und Katar über Land nach Saudi-Arabien. Da die Lufträume weiterhin gesperrt sind, könnte dies die einzige Möglichkeit werden, die gestrandeten Briten in Sicherheit zu bringen. Fast 6.000 Flüge wurden weltweit gestrichen, fast 30.000 weitere verspätet.
Mehr als 50.000 der registrierten Personen befinden sich allein in den VAE. Das Außenministerium habe noch nie eine so große Zahl von Menschen in einer Krisensituation betreut, schreibt das Ministerium in einem Beitrag auf X.
Außenministerin Yvette Cooper leitet jetzt das Projekt und ist laut Berichten in Kontakt mit den zuständigen Botschaftern aus der Region. Die Regierung arbeitet mit regionalen Fluggesellschaften wie Emirates, Qatar und Etihad zusammen, um bei der Evakuierung zu helfen. Der Plan soll in Kraft treten, sobald absehbar wird, dass der Luftraum über längere Zeit gesperrt bleibt.
Wadephul kassiert Kritik für Urlauber-Aussage: „Sollen sich jetzt Touristen um ein Auto prügeln?“
Einen derartigen Notfallplan gibt es in Deutschland offenbar nicht. Und Außenminister Wadephul kassierte bei Caren Miosga bereits deutliche Kritik für seine Aussagen. Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour (Grüne) reagierte fast empört auf das eingespielte Interview. „Sie haben als Bundesregierung einen Eid geschworen, diesen Leuten auch in einer solchen Situation zu helfen. Und da hilft’s nichts, viermal zu sagen: ‚Ich habe euch doch gewarnt, Pech gehabt‘“, tadelte Nouripour. Und fragte rhetorisch: „Sollen sich jetzt die deutschen Touristen mit den russischen Touristen in Dubai darum prügeln, wer welches Auto mieten kann?“ Die Betroffenen werden hoffen, dass es dazu nicht kommen muss. (Verwendete Quellen: Caren Miosga, X, Bild) (moe)
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