„Hätte uns sonst niemand geglaubt“ 

Ungewöhnliche Orca-Begegnung: Deutsche Segler erleben „magisches Schauspiel“ in der Nordsee

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Ungewöhnliche Begegnung in der Nordsee: Einem deutschen Seglerpaar springt plötzlich ein Orca entgegen. Dann taucht der Wal erneut auf.

Skagen – Seit einiger Zeit häufen sich die Meldungen über Angriffe von Schwertwalen auf Schiffe. Vor allem Segler fürchten darum eine Begegnung mit den auch als Killerwalen bezeichneten Orcas. Im Mai attackierten mehrere Orcas ein Segelboot, die Seenotrettung barg die Crew. Mitte August wehrte sich eine Segel-Crew mit Schüssen auf die Tiere. Die Vorfälle ereigneten sich aber vor allem vor der Atlantikküste von Frankreich, Spanien, Portugal und Marokko. Nun berichtet ein deutsches Seglerpaar von einer atemberaubenden, zum Glück glimpflich verlaufenen, Orca-Sichtung – mitten in der Nordsee.

Ungewöhnliches Naturschauspiel: Kurz vor der Ostsee springt einem deutschen Seglerpaar mitten im Skagerrak plötzlich ein Schwertwal entgegen. (Symbolbild)

„Magisches Schauspiel”: Deutsche Segler sichten Orca in der Nordsee

Es ist der 15. August, als Daniel und Eva Lütkenhaus von Lysekil in Schweden nach Skagen in Dänemark aufbrechen, wie sie dem Magazin Float berichten. Gegen Mittag frischt der Wind leicht auf. „Vielleicht 8 bis 10 Knoten“, so Daniel Lütkenhaus. Die „Paikja“, ihre zehneinhalb Meter lange Segelyacht, gleitet durch das Meer. Dann, kurz nach 15 Uhr, passiert es. Etwa zehn Meter neben ihrem Boot ragt plötzlich eine riesige Flosse aus dem Wasser. Doch genauso rasch, wie die Flosse aufgetaucht ist, verschwindet sie wieder.

Natur ohne Gnade – Die gefährlichsten Tiere der Welt

Sandrasselotter, die tödlichste Schlange der Welt, 1.6.2020
Die Sand-Rasselotter lebt in Zentralasien, Indien und im Nahen Osten und ist eine sehr aggressive Schlangenart. Sie verübt mehr tödliche Angriffe als jede andere Schlangengattung. Diese kleinen, aber aggressive Vipern sind allein für schätzungsweise 5000 Todesfälle jährlich verantwortlich. © Capital Pictures/IMAGO
Blaugeringelte Krake
Die blaugeringelte Krake hat ihren Namen von ihrer royal-blauen Zeichnung auf ihren Tentakeln, doch das Meereslebewesen kann viel mehr als nur schön aussehen. Wenn die Krake sich bedroht fühlt, beißt sie. Der Biss ist schmerzlos und wird vom Menschen kaum bemerkt. Das Gift wirkt dann allerdings so schnell, dass eine Rettung unwahrscheinlich ist – zumal es kein Gegengift gibt. © Imago
 Zecke auf Haut in Nahaufname Zecke krabbelt über menschliche Haut Berlin Berlin Deutschland , 9.6.2019
Die Zecke ist das gefährlichste Tier in Deutschland. Die kleinen, unauffälligen Blutsauger können die Lyme-Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen. Jedes Jahr kommt es zu Hunderten Infektionen – und das macht die Zecke gefährlicher als jedes andere Wildtier in Deutschland.  © Andreas Gora/IMAGO
Eine Asiatische Riesenhornisse (hier: Vespa mandarinia japonica) aufgenommen am 21.10.2012 in Ibigawa, Gifu, Japan. P
Die asiatische Riesenhornisse ist mit ihrer beeindruckenden Größe von über fünf Zentimetern und ihrem 7 Millimeter langen Stachel nicht nur für Bienen, sondern auch für den Menschen eine ernste Bedrohung. Sie injizieren ein Neurotoxin, das dem Gift von Kugelfischen ähnelt und zu anhaltenden Schmerzen und Schwellungen führen kann. In Japan sterben im Jahr durchschnittlich 40 Menschen durch eine allergische Reaktion auf die Stiche ihrer größten Unterart, der Japanischen Riesenhornisse. © Alpsdake/picture alliance / dpa
Ein gefleckter Kugelfisch, Diodon hystrix, Hawaii, 3.2.2022
Der Kugelfisch verfügt über Giftzellen im ganzen Körper. Wer Kugelfisch essen will, muss bei der Zubereitung extrem aufpassen. Eine Vergiftung durch das Toxin des Fisches führt zu Lähmungserscheinungen und kann unbehandelt zum Tod führen. © David FleethamStockTrek Images/IMAGO
Weißer Hai, 5.9.2019
Die gefürchteten Jäger der Meere sind gar nicht so tödlich, wie viele annehmen. Theoretisch kann zwar fast jeder Hai, der größer als zwei Meter ist, einen Menschen ernsthaft verletzen. In der Regel sind die Tiere aber nicht an Menschen interessiert. Laut der Haiangriff-Datenbank „International Shark Attack File“ (ISAF) gibt es weltweit rund 80 Unfälle pro Jahr mit Haien. Nur fünf bis zehn davon enden tödlich. Dabei gibt es die meisten Haiunfälle mit dem Weißen Hai, dem Tigerhai und dem Bullenhai. © Mark Conlin/UIG/IMAGO
Eine schwarze Mamba zeigt ihre Zunge, 1.1.2011
Die Schwarze Mamba kommt in den Savannen und Hügeln im östlichen und südlichen Afrika vor. Sie ist mit ihren 4,2 Metern die längste Giftschlange des Kontinents. Von Natur aus ist die schwarze Schlange zurückhaltend. Wird sie aber bedroht, schlägt sie zu. Ihr Biss kann innerhalb von 20 Minuten tödlich sein. © Maik Dobiey /Avalon.red/IMAGO
Würfelqualle
Die Würfelqualle wurde von der National Oceanic and Atmospheric Administration als das giftigste Meerestier der Welt gekennzeichnet. Ihr würfelförmiger Körper und die Tentakel von bis zu drei Metern haben zahlreiche Stachelzellen, deren Gift beim Menschen Herz, Nerven und Haut angreift. Es gibt zwar Gegengifte, allerdings wirkt das Gift so stark und schnell, dass es meist zum Tod kommt. Zwischen 1884 und 1996 kam es an australischen Stränden zu 63 tödlichen Unfällen. © dpa
Geringelte Mordwanze, Geringelte Raubwanze Rhynocoris annulatus, Rhinocoris annulatus, sitzt an einer Pflanze, Deutschland, 15.2.2024
Die Raubwanze ist winzig, aber tödlich. Diese blutsaugende Wanze ist gefährlich, weil sie durch ihren Kot die tödliche Chagas-Krankheit überträgt. Diese verursacht neurologische Störungen, es kann zu Demenz und zu Schäden am Herzen kommen. Jährlich sterben etwa 10.000 bis 12.000 Menschen an der Krankheit. © W. Willner/blickwinkel/IMAGO
Zwei Elefanten in Kenia, Masai Mara
Elefanten sind grundsätzlich eher friedliche Tiere, können jedoch auch aggressiv werden. Wildtierexperten zufolge nimmt das aggressive Verhalten von Elefanten aufgrund des zunehmenden Drucks auf ihre Lebensräume und Herden zu. Laut dem International Fund für Animal Welfare sterben in Indien jährlich 400 Menschen an den Folgen von Konflikten mit den grauen Riesen. © Canvan Images/IMAGO
Brasilianische Wanderspinne
Die brasilianische Wanderspinne lebt in Mittel- und Südamerika und hat einen giftigen Biss, der für Menschen tödlich enden kann. Sie verstecken sich gern in dunklen Ecken und beißen auch zu, wenn sie nicht provoziert werden. Das Gift verursacht neben Fieber und Erbrechen auch Lungenversagen.  © Imago
Trichternetzspinne, die giftigste Spinne der Welt, 25.1.2023
Das Männchen der Trichternetzspinne gilt als die giftigste Spinne der Welt. Das Guinness-Buch der Rekorde führt sie zusammen mit der brasilianischen Wanderspinne an der Spitze der Giftspinnen. Sie kommt in Ost- und Südaustralien vor. Ihr Netz, das die Form eines Trichters hat, baut die Spinne in geschützten Ecken. Bis zu 40 Menschen werden jedes Jahr gebissen, allerdings sind insgesamt nur 13 Todesfälle bekannt. Seit der Verbreitung eines Gegengifts im Jahr 1981 endete keiner der Bisse mehr tödlich. © Ken Griffiths/Depositphotos/IMAGO
Finnish Lapphund rennt, Tucson, Arizona, USA
Hunde töten zwar selten direkt Menschen, trotzdem gehören sie zu den tödlichsten Tieren der Welt. Dabei ist nicht der Biss an sich tödlich – in Deutschland sterben gerade einmal drei bis vier Menschen jährlich an der Folge von Bissverletzungen. Es sind die Krankheitserreger, die durch Hundebisse übertragen werden, allen voran Tollwut. Ohne schnelle Hilfe verläuft diese Krankheit fast immer tödlich. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben weltweit jährlich rund 60.000 Menschen an Tollwut, die überwiegend durch Hunde übertragen wird. © IMAGO/Cavan Images/IMAGO
Löwe sitzt auf einer Wiese, 29.11.2024
Löwen jagen nachts und in der Dämmerung. Auch wenn auf dem Speiseplan der Großkatzen eher Antilopen, Gazellen, Gnus oder Zebras stehen, gibt es durchaus tödliche Angriffe auf Menschen. Laut GEO sterben jährlich etwa 50 Menschen durch die Könige des Tierreichs. © Nick Dale/Panthermedia/IMAGO
Ein gut getarnter Papua-Drachenkopf (Scorpaenopsis papuensis), der sich an die felsige Unterwasserumgebung anpasst, Tauchplatz Prapat, Penypangan, Bali, Indonesien
Der Steinfisch ist einer der giftigsten Fische überhaupt und so gefährlich, weil er kaum zu sehen ist. Wie der Name schon sagt, sieht er aus wie ein Stein, kann aber genug Nervengift verspritzen, um einen Menschen innerhalb einer Stunde zu töten. Zum Glück gibt es ein Gegengift. Wer gestochen wird, sollte die Wunde so heiß ausspülen wie möglich, um Zeit zu schinden. © Rolf von Riedmatten/imagebroker/IMAGO
Der älteste dokumentierte Grizzly Bär im Grand Teton National Park in Moose, Wyoming, USA, 16.5.2023
Grizzly-Bären können allein wegen ihrer Größe von zwei Metern und ihrem Gewicht von 270 Kilo gefährlich für den Menschen sein. Wenn man dann noch die scharfen Krallen an den Pranken bedenkt, sollte man sich lieber fernhalten. Ihren Lebensraum haben Grizzlys hauptsächlich in Nordamerika. © C.J. Adams/ZUMA Press/IMAGO
Salzwasserkrokodil oder Leistenkrokodil, auch Saltie Crocodylus porosus an der Furt Cahill Crossing durch den East Alligator River, Kakadu Nationalpark, Northern Territory, Australien, Ozeanien
Von allen Krokodilarten ist das Salzwasserkrokodil wohl das gefährlichste. Es ist im Vergleich zu anderen Arten besonders reizbar und aggressiv und hat kein Problem damit, auch Menschen anzufallen. Die Tiere leben im Nordosten von Australien, können mehr als eine Tonne wiegen und töten jedes Jahr Hunderte von Menschen – mehr als Haie. © Matthias Graben/imagebroker/IMAGO
Inland Taipan of Western Queensland Australia
Der Inland-Taipan gilt als die giftigste Schlange der Welt. Mit einem Biss gibt sie so viel Gift ab, dass sie damit theoretisch bis zu 250 Menschen töten könnte. Glücklicherweise lebt die Schlange abgeschieden im trockenen und menschenleeren Outback in Australien. © Ken Griffiths/depsositphotos/MAGO
Nilpferd, Hippopotamus im Fluss Khwai, Okavango Delta, Botswana, Africa, 6.12.2023
Nilpferde erscheinen in Tierdokus oft langsam und schwerfällig, können aber ziemlich schnell und gefährlich werden, wenn sie sich bedroht fühlen. Sie haben 44 scharfe Zähne und eine Beißkraft doppelt so stark wie ein Löwe. Sie kommen vor allem in Afrika, der Sahara und Kolumbien vor und töten jährlich mehrere hundert Menschen. © Robertharding/IMAGO
Kegelschnecke
Die Kegelschnecke ist ein Unterwasserlebewesen, das in Korallenriffen zu Hause ist. Sie sieht aus wie eine Muschel, hat aber scharfe Zähne, die ein Nervengift verspritzen können. Ein Gegengift gibt es nicht. Bei einem Menschen sorgt es innerhalb von Minuten für Lähmungen. Auch tödliche Atemlähmungen sind möglich. © Imago
Gelber Mittelmeerskorpion
Der gelbe Mittelmeerskorpion ist einer der giftigsten Skorpione weltweit und kann mit seinem Stachel problemlos einen Menschen töten. Er kommt hauptsächlich in der Türkei, Nordafrika und der arabischen Halbinsel vor. © Imago
Kaffernbüffel
Der Kaffernbüffel ist ganz friedlich, solange er sich nicht bedroht fühlt. Wenn man ihm aber zu nahe kommt oder sein Kalb bedroht, wird er aggressiv und kann mit seinem Gewicht von einer Tonne bis zu 60 km/h schnell rennen. Er lebt in Afrika und kann dort auch schon mal Touristen-Fahrzeuge angreifen. Laut Schätzungen sterben jährlich rund 200 Menschen bei Büffelangriffen. © Imago
Tsetsefliege
Die Tsetsefliege ist mit ihren 17 Millimetern nicht groß, verbreitet mit einem Biss aber den Erreger für die Afrikanische Schlafkrankheit. Diese sorgt erst für neuronale Ausfälle und Schlafstörungen und kann unbehandelt zum Tod führen. Schätzungen zufolge sterben jährlich etwa 50.000 Menschen an den Folgen der Krankheit. © Imago
Schrecklicher Pfeilgiftfrosch
Die Pfeilgiftfrösche sind eine ganze Familie von Froscharten, die giftig für den Menschen sind. Der Goldene Pfeilgiftfrosch verfügt über ein so starkes Gift, dass er zehn Erwachsene innerhalb von kurzer Zeit töten könnte. Allein eine Berührung des Tieres, das in pazifischen Regenwäldern lebt, kann gefährlich sein. © Imago
Gemeine Stechmücke Culex pipiens, Weibchen der Menschen bevorzugenden Unterart Culex pipiens molestus, sticht einen Menschen und saugt Blut, Baden-Württemberg, Deutschland, Europa
Es mag verrückt klingen, aber die Stechmücke gilt als das gefährlichste Tier der Welt. Sie ist der Hauptüberträger für viele Krankheiten wie Malaria, Dengue-Fieber oder das Zika-Virus. Laut dem Tropeninstitut sind 2021 allein an Malaria 619.000 Menschen gestorben. © Heinz Krimmer/imagebroker/IMAGO

Segler sichten Orca im Skagerrak

Wenige Sekunden später dann taucht das Meerestier erneut auf – auf der anderen Seite des Bootes. Für das Paar, das in diesem Sommer schon Norwegen und Schweden besegelt hat, ist klar: Ein Wal begleitet ihr Boot. Sie wollen den faszinierenden Moment festhalten und notieren ihre Position: 57’52.356 N, 010’56.669 O. Das Glücksgefühl sei überwältigend gewesen, erzählen sie später dem Magazin.

Nachdem wir etwas Abstand zwischen ihn und uns gebracht hatten, war es einfach nur ein magisches Schauspiel.

Daniel Lütkenhaus zu „Yacht“

Die beiden filmen mit den Handys die Wasseroberfläche, in der Hoffnung, der „Wal“ taucht noch einmal auf. Angst, betont Daniel, hatten sie keine. Vielmehr waren sie fasziniert von dem beeindruckenden Naturschauspiel. Plötzlich schießt ein massiver schwarz-weißer Körper aus dem Wasser, springt in die Luft, dreht sich seitlich und landet mit einem Satz zurück im Meer: Es ist ein Wal, aber genauer gesagt ein Orca.

Vorsichtsmaßnahmen beim Durchfahren von Orca-Gebieten

  • Wenn möglich, Orca-Kontakt und deren Gebiete vermeiden bzw. umfahren
  • Unbedingt tagesaktuelle Informationen zum Aufenthaltsort der Orcas über entsprechende Telegram-Gruppen (Registrierung über www.orcas.pt) oder eine andere Quelle beschaffen
  • So dicht wie irgend möglich an der Küste halten, also wo immer es möglich ist in ganz seichtem Wasser fahren, möglichst deutlich jenseits der 20-Meter-Tiefenlinie, besser auf 10–15 Metern Wassertiefe
  • Thunfischnetze (Almadrabas) an der spanischen Küste, wo immer möglich, auf der Küstenseite umfahren, aktuelle Infos dazu gibt es ebenfalls auf den einschlägigen Telegram-Kanälen
  • Von vornherein mit Motor fahren bzw. Motorsegeln, das Starten des Motors während der Fahrt lockt die Orcas noch stärker an
  • Nachtfahrten vermeiden
  • Fahrten bei schwerer See vermeiden, da die Annäherung der Tiere dann kaum zu sehen ist und das Passieren der Thunfischnetze auf der Landseite gefährlich werden kann
  • Quelle: trans-ocean.org

Orca-Sichtung in der Nordsee: „Zum Glück haben wir es gefilmt. Das hätte uns sonst niemand geglaubt“ 

Für einen kurzen Moment können die Segler den Körper des gesamten Schwertwals erblicken: seine charakteristische Flosse, den imposanten Körperbau. „Nachdem wir etwas Abstand zwischen ihn und uns gebracht hatten, war es einfach nur ein magisches Schauspiel“, berichtet Daniel Lütkenhaus in der Yacht.

Als „krass“ und „amazing“ beschreibt er den Augenblick, als der Wal zum Abschied seine Flossen zeigt, bevor er endgültig in den Tiefen des Meeres verschwindet. „Zum Glück“, sagt Lütkenhaus, „haben wir den Schwertwal filmen können. Das hätte uns sonst niemand hier geglaubt.“ 

„Killerwal“ ist weltweit verbreitet – vereinzelt schon vorher am Skagerrak gesichtet

Grundsätzlich sind Schwertwale, die eng mit Delfinen verwandt sind, weltweit verbreitet – auch in nördlichen Gewässern. Schätzungen von Experten zufolge beläuft sich die globale Population auf etwa 50.000 Individuen. Dennoch sind Orcas in Nordeuropa, insbesondere in der Nordsee, eher selten anzutreffen. Es gab zwar aber bereits vereinzelte Beobachtungen im Skagerrak in der Vergangenheit. Im Januar 2021 wurde im dänischem Fernsehen von fünf Orcas berichtet, die in Küstennähe jagten.

Gefährliche Begegnung: Seit 2020 gab es mehrere Hundert Orca-Attacken auf Schiffe

Ursprünglich leben Schwertwale friedlich in Koexistenz mit Menschen. Erst seit 2020 häufen sich dramatische Zwischenfälle, insbesondere vor der spanischen und portugiesischen Atlantikküste, in der Nähe der Straße von Gibraltar sowie vor der Küste von Bretagne und Marokko. Kleine Gruppen von zwei bis acht Orcas erscheinen plötzlich und bedrängen Segelboote. Sie bringen die Boote gewaltsam zum Stoppen, stoßen und rammen den Rumpf, oder heben die Schiffe sogar einfach aus dem Wasser. Besonders die Ruderblätter der Boote sind das Ziel: Die Orcas beißen gezielt zu und zerstören die Ruder, wodurch die Boote manövrierunfähig werden.

Diese Angriffe, die bis zu einer Stunde dauern können, betreffen hauptsächlich Yachten von 8 bis 15 Metern Länge, meldet der Deutsche Seglerverband. Und rät dazu, die besagten Gebiete zu meiden. Sogar Fischerboote und Crews von Motoryachten berichten von solchen massiven Attacken. Insgesamt wurden seit 2020 zwischen 400 und 500 Angriffe im westeuropäischen Seegebiet von Behörden und der Polizei registriert.

Die meisten der betroffenen Boote konnten an die Küste geschleppt werden, drei Boote sind aber sogar gesunken, darunter zuletzt im Mai 2023 eine Schweizer Yacht in der Nähe von Barbate an der südspanischen Küste. Bisher konnten sich alle Seglerinnen und Segler in Sicherheit bringen und rechtzeitig auf Rettungsinseln oder auf hilfsbereite Boote umsteigen.

Rubriklistenbild: © imago

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