Ungewöhnliches Naturschauspiel: Kurz vor der Ostsee springt einem deutschen Seglerpaar mitten im Skagerrak plötzlich ein Schwertwal entgegen. (Symbolbild)
„Magisches Schauspiel”: Deutsche Segler sichten Orca in der Nordsee
Es ist der 15. August, als Daniel und Eva Lütkenhaus von Lysekil in Schweden nach Skagen in Dänemark aufbrechen, wie sie dem Magazin Float berichten. Gegen Mittag frischt der Wind leicht auf. „Vielleicht 8 bis 10 Knoten“, so Daniel Lütkenhaus. Die „Paikja“, ihre zehneinhalb Meter lange Segelyacht, gleitet durch das Meer. Dann, kurz nach 15 Uhr, passiert es. Etwa zehn Meter neben ihrem Boot ragt plötzlich eine riesige Flosse aus dem Wasser. Doch genauso rasch, wie die Flosse aufgetaucht ist, verschwindet sie wieder.
Natur ohne Gnade – Die gefährlichsten Tiere der Welt
Wenige Sekunden später dann taucht das Meerestier erneut auf – auf der anderen Seite des Bootes. Für das Paar, das in diesem Sommer schon Norwegen und Schweden besegelt hat, ist klar: Ein Wal begleitet ihr Boot. Sie wollen den faszinierenden Moment festhalten und notieren ihre Position: 57’52.356 N, 010’56.669 O. Das Glücksgefühl sei überwältigend gewesen, erzählen sie später dem Magazin.
Nachdem wir etwas Abstand zwischen ihn und uns gebracht hatten, war es einfach nur ein magisches Schauspiel.
Die beiden filmen mit den Handys die Wasseroberfläche, in der Hoffnung, der „Wal“ taucht noch einmal auf. Angst, betont Daniel, hatten sie keine. Vielmehr waren sie fasziniert von dem beeindruckenden Naturschauspiel. Plötzlich schießt ein massiver schwarz-weißer Körper aus dem Wasser, springt in die Luft, dreht sich seitlich und landet mit einem Satz zurück im Meer: Es ist ein Wal, aber genauer gesagt ein Orca.
Vorsichtsmaßnahmen beim Durchfahren von Orca-Gebieten
Wenn möglich, Orca-Kontakt und deren Gebiete vermeiden bzw. umfahren
Unbedingt tagesaktuelle Informationen zum Aufenthaltsort der Orcas über entsprechende Telegram-Gruppen (Registrierung über www.orcas.pt) oder eine andere Quelle beschaffen
So dicht wie irgend möglich an der Küste halten, also wo immer es möglich ist in ganz seichtem Wasser fahren, möglichst deutlich jenseits der 20-Meter-Tiefenlinie, besser auf 10–15 Metern Wassertiefe
Thunfischnetze (Almadrabas) an der spanischen Küste, wo immer möglich, auf der Küstenseite umfahren, aktuelle Infos dazu gibt es ebenfalls auf den einschlägigen Telegram-Kanälen
Von vornherein mit Motor fahren bzw. Motorsegeln, das Starten des Motors während der Fahrt lockt die Orcas noch stärker an
Nachtfahrten vermeiden
Fahrten bei schwerer See vermeiden, da die Annäherung der Tiere dann kaum zu sehen ist und das Passieren der Thunfischnetze auf der Landseite gefährlich werden kann
Quelle: trans-ocean.org
Orca-Sichtung in der Nordsee: „Zum Glück haben wir es gefilmt. Das hätte uns sonst niemand geglaubt“
Für einen kurzen Moment können die Segler den Körper des gesamten Schwertwals erblicken: seine charakteristische Flosse, den imposanten Körperbau. „Nachdem wir etwas Abstand zwischen ihn und uns gebracht hatten, war es einfach nur ein magisches Schauspiel“, berichtet Daniel Lütkenhaus in der Yacht.
Als „krass“ und „amazing“ beschreibt er den Augenblick, als der Wal zum Abschied seine Flossen zeigt, bevor er endgültig in den Tiefen des Meeres verschwindet. „Zum Glück“, sagt Lütkenhaus, „haben wir den Schwertwal filmen können. Das hätte uns sonst niemand hier geglaubt.“
„Killerwal“ ist weltweit verbreitet – vereinzelt schon vorher am Skagerrak gesichtet
Grundsätzlich sind Schwertwale, die eng mit Delfinen verwandt sind, weltweit verbreitet – auch in nördlichen Gewässern. Schätzungen von Experten zufolge beläuft sich die globale Population auf etwa 50.000 Individuen. Dennoch sind Orcas in Nordeuropa, insbesondere in der Nordsee, eher selten anzutreffen. Es gab zwar aber bereits vereinzelte Beobachtungen im Skagerrak in der Vergangenheit. Im Januar 2021 wurde im dänischem Fernsehen von fünf Orcas berichtet, die in Küstennähe jagten.
Gefährliche Begegnung: Seit 2020 gab es mehrere Hundert Orca-Attacken auf Schiffe
Ursprünglich leben Schwertwale friedlich in Koexistenz mit Menschen. Erst seit 2020 häufen sich dramatische Zwischenfälle, insbesondere vor der spanischen und portugiesischen Atlantikküste, in der Nähe der Straße von Gibraltar sowie vor der Küste von Bretagne und Marokko. Kleine Gruppen von zwei bis acht Orcas erscheinen plötzlich und bedrängen Segelboote. Sie bringen die Boote gewaltsam zum Stoppen, stoßen und rammen den Rumpf, oder heben die Schiffe sogar einfach aus dem Wasser. Besonders die Ruderblätter der Boote sind das Ziel: Die Orcas beißen gezielt zu und zerstören die Ruder, wodurch die Boote manövrierunfähig werden.
Diese Angriffe, die bis zu einer Stunde dauern können, betreffen hauptsächlich Yachten von 8 bis 15 Metern Länge, meldet der Deutsche Seglerverband. Und rät dazu, die besagten Gebiete zu meiden. Sogar Fischerboote und Crews von Motoryachten berichten von solchen massiven Attacken. Insgesamt wurden seit 2020 zwischen 400 und 500 Angriffe im westeuropäischen Seegebiet von Behörden und der Polizei registriert.
Die meisten der betroffenen Boote konnten an die Küste geschleppt werden, drei Boote sind aber sogar gesunken, darunter zuletzt im Mai 2023 eine Schweizer Yacht in der Nähe von Barbate an der südspanischen Küste. Bisher konnten sich alle Seglerinnen und Segler in Sicherheit bringen und rechtzeitig auf Rettungsinseln oder auf hilfsbereite Boote umsteigen.