Von Moritz Bletzinger
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Ein spezielles Manöver der Piloten rettete wohl viele Menschenleben beim Flugzeugabsturz in Kasachstan. Der Airline-Chef spricht von „Heldentum“ der Crew.
Baku – 38 Menschen starben, 29 haben den Flugzeugabsturz in Kasachstan überlebt – darunter ein Mädchen aus Deutschland . Jetzt kommen immer mehr Details über die letzten Momente von Flug J2-8243 ans Licht, die zeigen: Ohne den Einsatz der Crew hätte die Tragödie der Embraer 190 noch schlimmer enden können.
„Ihr Heldentum wird nie vergessen werden“: Airline-Boss rühmt Besatzung nach Absturz in Kasachstan „Leider verloren zwei unserer erfahrenen Piloten und eine Flugbegleiterin beim Unfall ihr Leben. Ihr Heldentum wird nie vergessen werden“, sagt der Präsident von Azerbaijan Airlines, Samir Rzayev, der aserbaidschanischen Nachrichtenagentur Report . Der Absturz habe der Nation einen schweren Verlust zugefügt, „aber die tapfere Hingabe der Besatzung bis zum letzten Moment und ihre Priorisierung der Menschenleben haben ihre Namen in der Geschichte verewigt.“
Videos kurz vor Flugzeugabsturz zeigen Leistung der Crew in beschädigter Embraer 190 Zwischenzeitlich waren Videos aus der Kabine des Flugzeugs aufgetaucht. Sie zeigen die letzten Momente vor dem Absturz . Zu sehen sind verzweifelte, teils betende Passagiere, aber auch Bordpersonal, das bemerkenswert professionell agiert.
Ein Clip zeigt eine Flugbegleiterin, die die Gäste im schwankenden Flieger beruhigt, womöglich eine Panik verhindert. Dabei soll es sich um die Purserin (ranghöchstes weibliches Besatzungsmitglied) Hokuma Aliyeva gehandelt haben, die beim Absturz ihr Leben verlor.
Zeitgleich fand im Cockpit laut Berichten von Euronews eine fliegerische Meisterleistung statt. Kapitän Igor Kshnyakin und Co-Pilot Aleksandr Kalyaninov schafften es demnach, das beschädigte Flugzeug tatsächlich noch über das Kaspische Meer zu manövrieren. Drei Kilometer vor dem Flughafen Aktau war die Bruchlandung dann aber nicht mehr zu verhindern.
Die Absturzstelle des Flugzeugs in der Nähe von Aktau, Kasachstan.
© Azamat Sarsenbayev/picture alliance/dpa/AP
Flug-Manöver verhinderte wohl noch größere Tragödie bei Absturz in Kasachstan Der Aufprall auf dem kasachischen Festland hätte ohne die Manöver zuvor allerdings deutlich heftiger ausfallen können, heißt es. Der Trick: Sogenannte Phugoid-Bewegungen, die Luftfahrt-Fachleute laut Euronews in Videos von Bord erkannt haben wollen. Das bedeutet: Die Piloten variieren die Geschwindigkeit. Sie beschleunigen durch Senkflug und bremsen durch Steigung. Diese schwingende Flugbahn ermöglicht Kontrolle, auch wenn die Maschine beschädigt ist.
Am Flughafen in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku wurde jetzt eine Gedenktafel für die tragischen Helden und Heldinnen von Flug J2-8243 errichtet. „Wir werden die geliebten Menschen, die wir beim Absturz des Flugzeugs Embraer 190 verloren haben, nie vergessen“, schreibt Azerbaijan Arlines in einer Mitteilung. „Dieser Verlust hat eine tiefe Wunde im Herzen unserer Gemeinschaft hinterlassen.“
38 Tote, Rätsel um Ursache, Russland-Verdacht: Bilder zum Flugzeugabsturz in Kasachstan Trümmerfeld in Kasachstan: Hier stürzte am 25. Dezember ein Passagierflugzeug ab. Zahlreiche Menschen kamen ums Leben. © dpa/AP | Uncredited Die Maschine aus Aserbaidschan befand sich auf dem Weg in Richtung Tschetschenien. Über Kasachstan stürzte die Maschine dann ab, explodierte am Boden. 38 Menschen kamen dabei ums Leben. © dpa/AP | Azamat Sarsenbayev Die undatierte Aufnahme aus Google Earth zeigt den Flughafen von Aktau am Kaspischen Meer. In der Nähe des Flughafens ist das Passagierflugzeug von Azerbaijan Airlines abgestürzt. © dpa/Google 2024/Airbus | - Insgesamt befanden sich 67 Personen in der Passagiermaschine, als diese abstürzte. 38 Menschen starben, die anderen Insassen überlebten. Das Auswärtige Amt meldete, dass auch zwei Menschen mit Wohnsitz in Deutschland an Bord waren und überlebten. © dpa/XinHua | Isa Tazhenbayev Das Wrack des Flugzeugs vom Typ Embraer 190 liegt auf einer Grünfläche. Der vordere Teil der Maschine wurde bei dem Aufprall stark zerstört. Das Wrack des Flugzeugs vom Typ Embraer 190 liegt auf einer Grünfläche. Der vordere Teil der Maschine wurde bei dem Aufprall stark zerstört. © dpa/The Administration of Mangystau Region/AP | Uncredited Einsatzkräfte eilten sofort zum Absturzort, fanden dort ein gigantisches Trümmerfeld vor. Zahlreiche Überlebende wurden dennoch aus dem Wrack geholt und medizinisch versorgt. Einsatzkräfte eilten sofort zum Absturzort, fanden dort ein gigantisches Trümmerfeld vor. Zahlreiche Überlebende wurden dennoch aus dem Wrack geholt und medizinisch versorgt. © Azamat Sarsenbayev / dpa / AP Die Suche nach der Absturzursache läuft. Brisant: Auf diesem Foto sind kleine, runde Beschädigungen am Heck zu sehen. Die Suche nach der Absturzursache läuft. Brisant: Auf diesem Foto sind kleine, runde Beschädigungen am Heck zu sehen. Aus Aserbaidschan vermutet man mittlerweile „Einwirkung von außen“ als Ursache für den Absturz. Es wird spekuliert, ob Teile einer russischen Rakete das Flugzeug trafen. © dpa/The Administration of Mangystau Region/AP | Uncredited Das Flugzeug aus Aserbaidschan wurde bei dem Absturz nahezu komplett zerstört. Das Flugzeug aus Aserbaidschan wurde bei dem Absturz nahezu komplett zerstört. Der Verdacht, dass Russland etwas mit dem Absturz zu tun haben könnte, kam später auf. Aus Russland verwies man lediglich darauf, dass die Maschine wegen angeblichen Drohnenbeschusses aus der Ukraine nicht am eigentlichen Zielort Grosny landen konnte. © dpa/The Administration of Mangystau Region/AP | Uncredited Nach dem Absturz der Maschine äußerten sich auch Experten zur möglichen Absturzursache. Nach dem Absturz der Maschine äußerten sich auch Experten zur möglichen Absturzursache. Offensichtlich hätten Geschosse in Form würfelförmiger Schrapnelle das Flugzeug durchlöchert, sagte etwa Oberst Markus Reisner, Ukraine-Experte des österreichischen Bundesheers, im ORF-Radio. © dpa/AP | Azamat Sarsenbayev Eine Nahaufnahme zeigt die zahlreichen Löcher, die sich in den Teilen des abgestürzten Flugzeuges befinden. Wegen dieser Löcher kam etwa auch der Verdacht auf, Teile einer russischen Rakete könnten das Flugzeug getroffen und zum Absturz gebracht haben. Eine Nahaufnahme zeigt die zahlreichen Löcher, die sich in den Teilen des abgestürzten Flugzeuges befinden. Wegen dieser Löcher kam etwa auch der Verdacht auf, Teile einer russischen Rakete könnten das Flugzeug getroffen und zum Absturz gebracht haben. © IMAGO xx 266457 x eyepress125299 Auf diesem vom Pressedienst des kasachischen Katastrophenschutzministeriums zur Verfügung gestellten Foto arbeiten Rettungskräfte am Wrack der Embraer 190 der Azerbaijan Airlines in der Nähe des Flughafens von Aktau. Auf diesem vom Pressedienst des kasachischen Katastrophenschutzministeriums zur Verfügung gestellten Foto arbeiten Rettungskräfte am Wrack der Embraer 190 der Azerbaijan Airlines in der Nähe des Flughafens von Aktau. © dpa/Kazakhstan‘s Emergency Ministry/AP | Uncredited Rettungskräfte im Großeinsatz. Nach dem Flugzeubasturz in Kasachstan blieb von einem Großteil der Maschine nur noch Schutt und Asche übrig. Zahlreiche Menschen verloren ihr Leben. Rettungskräfte im Großeinsatz. Nach dem Flugzeubasturz in Kasachstan blieb von einem Großteil der Maschine nur noch Schutt und Asche übrig. Zahlreiche Menschen verloren ihr Leben. © IMAGO / SNA Auch bis tief in die Nacht gingen die Untersuchungen an der Absturzstelle weiter. Hier untersuchen Einsatzkräfte das Heck des Flugzeuges, an dem sich zahlreiche kleine Löcher befanden. Diese nährten den Verdacht, der Absturz sei durch äußere Einflüsse herbeigeführt worden. Auch bis tief in die Nacht gingen die Untersuchungen an der Absturzstelle weiter. Hier untersuchen Einsatzkräfte das Heck des Flugzeuges, an dem sich zahlreiche kleine Löcher befanden. Diese nährten den Verdacht, der Absturz sei durch äußere Einflüsse herbeigeführt worden. © dpa/Kazakhstan‘s Emergency Ministry/AP | Uncredited Dramatischer Einblick: Ein Videostandbild zeigt, wie sich eine Rettungskraft durch den nicht explodierten Teil der abgestürzten Passagiermaschine kämpft. Dramatischer Einblick: Ein Videostandbild zeigt, wie sich eine Rettungskraft durch den nicht explodierten Teil der abgestürzten Passagiermaschine kämpft. © IMAGO / SNA Mitglieder einer Untersuchungskommission und örtliche Beamte verschafften sich einen Überblick an der Absturzstelle, während die Suche nach der Ursache des Dramas läuft. Mitglieder einer Untersuchungskommission und örtliche Beamte verschafften sich einen Überblick an der Absturzstelle, während die Suche nach der Ursache des Dramas läuft. © dpa/The Administration of Mangystau Region/AP | Uncredited Auch der Pressedienst des russischen Katastrophenschutzministeriums stellte Aufnahmen vom Unglücksort zur Verfügung. Hier tragen Rettungskräfte eine verletzte Person in ein Flugzeug. Auch der Pressedienst des russischen Katastrophenschutzministeriums stellte Aufnahmen vom Unglücksort zur Verfügung. Hier tragen Rettungskräfte eine verletzte Person in ein Flugzeug. © dpa/Russian Emergency Ministry Press Service/AP | Uncredited Unter den Insassen der abgestürzten Maschine befanden sich auch zahlreiche russische Staatsbürger. Hier warten Rettungswagen am internationalen Flughafen Rusland-Schukowski darauf, ausgeflogene Verletzte zu versorgen und in Krankenhäuser zu bringen. Unter den Insassen der abgestürzten Maschine befanden sich auch zahlreiche russische Staatsbürger. Hier warten Rettungswagen am internationalen Flughafen Rusland-Schukowski darauf, ausgeflogene Verletzte zu versorgen und in Krankenhäuser zu bringen. © IMAGO/Alexei Shtokal/ ITAR-TASS Nach dem Absturz der Maschine aus Aserbaidschan in Kasachstan machten sich Helfer sofort an die Rettungsmaßnahmen. Zahlreiche Menschen konnten verletzt geborgen und medizinisch versorgt werden. Nach dem Absturz der Maschine aus Aserbaidschan in Kasachstan machten sich Helfer sofort an die Rettungsmaßnahmen. Zahlreiche Menschen konnten verletzt geborgen und medizinisch versorgt werden. © dpa/Russian Emergency Ministry Press Service/AP | Uncredited Blick in ein Flugzeug des russischen Katastrophenschutzministeriums. Blick in ein Flugzeug des russischen Katastrophenschutzministeriums. Mit diesem Flugzeug sollen verletzte russische Staatsbürger nach dem Absturz der Maschine in Kasachstan nach Russland gebracht worden sein. © IMAGO/Russia Emergency Ministry Verwundete Passagiere des in der Nähe der kasachischen Stadt Aktau abgestürzten Passagierflugzeugs der aserbaidschanischen Fluggesellschaft werden auf dem internationalen Flughafen Heydar Aliyev außerhalb von Baku, Aserbaidschan, aus einem medizinisch ausgerüsteten Flugzeug transportiert. Verwundete Passagiere des in der Nähe der kasachischen Stadt Aktau abgestürzten Passagierflugzeugs der aserbaidschanischen Fluggesellschaft werden auf dem internationalen Flughafen Heydar Aliyev außerhalb von Baku, Aserbaidschan, aus einem medizinisch ausgerüsteten Flugzeug transportiert. © dpa/AP | Uncredited Arbeiter tragen auf dem internationalen Flughafen Heydar Aliyev außerhalb von Baku, Aserbaidschan, einen Sarg mit der Leiche eines Opfers aus einem medizinisch ausgerüsteten Flugzeug. Arbeiter tragen auf dem internationalen Flughafen Heydar Aliyev außerhalb von Baku, Aserbaidschan, einen Sarg mit der Leiche eines Opfers aus einem medizinisch ausgerüsteten Flugzeug. © dpa/AP | Uncredited Szenen der Trauer in Aserbaidschan. Dieses Videostandbild entstand bei Trauerfeierlichkeiten für ein Todesopfer des Flugzeugabsturzes. Männer begraben einen 26-Jährigen, der bei dem Absturz ums Leben kam. Szenen der Trauer in Aserbaidschan. Dieses Videostandbild entstand bei Trauerfeierlichkeiten für ein Todesopfer des Flugzeugabsturzes. Männer begraben einen 26-Jährigen, der bei dem Absturz ums Leben kam. © dpa/ITV/AP | Uncredited Die aserbaidschanische Nationalflagge weht auf Halbmast zum Gedenken an die Opfer der Embraer 190 der Azerbaijan Airlines, die in der Nähe des kasachischen Flughafens Aktau abgestürzt ist. Die aserbaidschanische Nationalflagge weht auf Halbmast zum Gedenken an die Opfer der Embraer 190 der Azerbaijan Airlines, die in der Nähe des kasachischen Flughafens Aktau abgestürzt ist. © dpa/AP | Aziz Karimov Die öffentlichen Anteilnahme am Absturz-Drama der aserbaidschanischen Maschine in Kasachstan ist gigantisch. In Kasachstans Hauptstadt Astana etwa wurde eine Gedenkstätte an die Opfer vor der aserbaidschanischen Botschaft eingerichtet. Zahlreiche Personen legten Blumen nieder. Die öffentlichen Anteilnahme am Absturz-Drama der aserbaidschanischen Maschine in Kasachstan ist gigantisch. In Kasachstans Hauptstadt Astana etwa wurde eine Gedenkstätte an die Opfer vor der aserbaidschanischen Botschaft eingerichtet. Zahlreiche Personen legten Blumen nieder. © IMAGO/Andrei Gryaznov/ ITAR-TASS Auch in Russland trauert man nach dem Absturz. Auch in Russland trauert man nach dem Absturz. Hier eine Szene aus St. Petersburg. Menschen legen Blumen nieder und trauern vor Bildern von Personen, die beim Flugzeugabsturz in Kasachstan ihr Leben verloren. © dpa/AP | Dmitri Lovetsky Der Gouverneur von St. Petersburg, Alexander Beglow, legt am Konsulat von Aserbaidschan einen Blumenstrauß zum Gedenken an die Opfer des Flugzeug-Dramas nieder. Der Gouverneur von St. Petersburg, Alexander Beglow, legt am Konsulat von Aserbaidschan einen Blumenstrauß zum Gedenken an die Opfer des Flugzeug-Dramas nieder. © dpa/AP | Dmitri Lovetsky Bericht: Aserbaidschan macht Russland für Flugzeugabsturz verantwortlich Die Ursache für den Absturz in Kasachstan ist derweil noch nicht lückenlos geklärt. Doch die Anzeichen verdichten sich, dass eine russische Boden-Luft-Rakete das Flugzeug getroffen hat . Aserbaidschanische Regierungsquellen sollen das Euronews mittlerweile exklusiv bestätigt haben. (moe)
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