Overtourism-Index enthüllt „Geheimtipps“: Reiseziele ohne Touristenmassen gelistet
VonBettina Menzel
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In vielen Ländern werden Touristenmassen zur Herausforderung. Ein Index zeigt, welche Reiseziele besonders betroffen sind - und die Alternativen.
Kassel – Viele beliebte Urlaubsländer kämpfen mit den negativen Folgen des Massentourismus. In einigen Regionen regt sich bereits Widerstand: Auf den Kanaren etwa demonstrierten tausende Anwohner kürzlich für ein neues Tourismus-Modell. Um das Phänomen des Übertourismus möglichst objektiv messbar zu machen, entwickelten die Reisebuchungsplattform Evaneos und die Unternehmensberatung Roland Berger den Overtourism-Index. Diese Analyse zeigt nicht nur die am stärksten betroffenen Reiseziele, sondern auch echte Alternativen.
Overtourism-Index: Das sind die am stärksten belasteten Strandziele, europäischen Ziele und Metropolen
Der Index basiert auf Daten von 70 der 100 beliebtesten Reiseziele weltweit. Die Bewertungsskala reicht von eins (geringe Gefährdung) bis fünf (extreme Gefährdung). Als Hauptkriterien wählten die Experten die Anzahl der Reisenden pro Einwohner, Urlauber pro Quadratkilometer, sowie die saisonale Konzentration. Ebenso den sogenannten Nachhaltigkeits-Reifegrad, um auch die sozialen Auswirkungen oder den Effekt auf die Infrastruktur abzubilden.
Bei den Strandzielen zählen demnach Zypern, Mauritius, Griechenland und Kroatien zu den besonders gefährdeten Regionen. Rund 25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) dieser Länder hängt dort vom Tourismus ab. In Europa sind Spanien, Italien, Portugal und Frankreich laut Index besonders stark vom Tourismus betroffen. Bis zu 43 Prozent der Anreisen konzentrieren sich in diesen Ländern auf die Sommermonate, was die Auswirkungen des Tourismus besonders spürbar macht.
In diesen Ländern kann man laut Overtourism-Index Touristenmassen noch entgehen
Laut Overtourism-Index sind Kanada, die USA, Australien und Tansania sogenannte „behütete Reiseziele“, da sich die Touristen dort gleichmäßig über das Jahr verteilen und nicht wie anderswo geballt im Sommer kommen. Allerdings sind die USA seit der zweiten Amtszeit von Präsident Donald Trump und seiner Einwanderungspolitik weniger beliebt. „Seit Trumps Wiederwahl sind die Buchungen auf unserer Plattform für Reisen in die Vereinigten Staaten von Amerika weltweit um elf Prozent zurückgegangen“, erklärt Laurent de Chorivit von Evaneos. Auf dem deutschen Markt haben sich die Buchungen laut de Chorivit sogar halbiert.
Australien: Index 1,5
USA: Index 1,7
Tansania: Index 1,8
Peru: Index 1,8
Argentinien: Index 1,8
Kolumbien: Index 1,9
Iran: Index 2 – Das Auswärtige Amt hat eine Reisewarnung für den Iran ausgegeben
Um den Übertourismus einzudämmen, schlagen die Experten von Evaneos und Roland Berger auch konkrete Maßnahmen vor. Dazu gehören die Einführung von Kapazitätsgrenzen, die Verlagerung des Tourismus in die Nebensaison und mehr Aufklärung bei den Urlaubern. Evaneos hat eigenen Angaben zufolge bereits Konsequenzen gezogen: Ab Sommer 2025 bietet die Plattform in der Hauptsaison keine Reisen mehr nach Mykonos und Santorini an. „Mit einer Bewertung von 4,2 ist Griechenland ein Reiseziel, das im Sommer besonders anfällig für Übertourismus ist“, so die Begründung. Der massive Touristenandrang beeinträchtige die Lebensqualität der einheimischen Bevölkerung und schüre dadurch deren Zorn. Ein Experte forderte im Gespräch mit IPPEN.MEDIA ebenfalls härtere Maßnahmen.