VonMoritz Bletzingerschließen
Robert F. Prevost, ursprünglich ein Außenseiter, wurde im Konklave zu Papst Leo XIV. Was geschah hinter den verschlossenen Türen? Wie stolperte der Favorit?
Rom – Beim „Habemus Papam“ die große Überraschung: Der neue Papst ist US-Amerikaner. Robert Francis Prevost tritt als Leo XIV. die Nachfolge von Papst Franziskus an. Das hatten nur die allerwenigsten kommen sehen.
Einen Papst aus den USA gab es in der katholischen Kirche noch nie und auch diesmal kamen die großen Favoriten überwiegend aus Italien. Vor allem der ehemalige Staatssekretär von Franziskus, Kardinal Pietro Parolin, soll den anderen Papst-Kandidaten voraus gewesen sein, da waren sich zahlreiche Experten vor Konklave-Start einig.
Prevost setzte sich gegen großen Favoriten durch – wie siegte Papst Leo XIV. im Konklave?
Parolin ging als absoluter Favorit in die Papstwahl, setzte sich aber nicht durch. Wie kam Prevost an ihm vorbei? Zum einen bestätigt sich hier das alte Vatikan-Sprichwort: „Chi entra papa ner conclave, ne risorte cardinale“ (deutsch: Wer als Papst ins Konklave hineingeht, kommt als Kardinal heraus). Favoriten haben es traditionell schwer, bei der Wahl hinter verschlossenen Türen.
Machte Papst-Favorit einen Rückzieher? „So konnte es nicht enden“
Zum anderen könnte Parolin durchaus zu seinem eigenen Sturz beigetragen haben, vermuten italienische Medien. Der Italiener hatte demnach rund 40 Stimmen auf seiner Seite, noch bevor das Konklave überhaupt begonnen hatte. Das setzte ihn aber auch unter Druck: Parolin müsse sich schnell durchsetzen, wenn er die Papstwahl gewinnen will, urteilte unter anderem Vatikan-Experte Andreas Englisch.
Schließlich kam es anders. Offensichtlich konnte Parolin als Kandidat die Spaltung zwischen konservativem und liberalem Lager nicht überwinden, wackelte wohl nach den ersten Wahlgängen. „So konnte es nicht enden“, schreibt der Corriere della Sera und ist überzeugt: „Der erste, der das nicht wollte, war Parolin selbst.“
Der neue Papst müsse ein „Brückenbauer“ sein, hatten die Kardinäle nach ihren Treffen im Vatikan öffentlich kommuniziert. Jetzt scheint es, als könne Parolin deshalb einen Rückzieher im Konklave gemacht haben. Für ein harmonisches Ergebnis, für Robert F. Prevost.
Manche Medien behaupten sogar, Parolin habe sich noch vor dem ersten Wahlgang am Mittwoch (7. Mai) selbst aus dem Rennen genommen, deshalb die große Verzögerung beim ersten Rauch. Das sind allerdings Spekulationen, die sich nicht überprüfen lassen, für die Kardinäle gilt Schweigepflicht.
„Kampf im Untergrund“ bestimmte Papstwahl: Leo XIV. soll Brücken bauen
Prevost, jetzt Papst Leo XIV., gilt als zurückhaltender, aber überzeugender Mann. Die Zeitung La Repubblica beschreibt ihn als „harten Arbeiter, guten Zuhörer und Teamplayer“. Man könne vermuten, dass es im Konklave „einige Unruhen“ gegeben habe, aber dann ging es schnell. Leo XIV. benötigte sogar weniger Wahlgänge als Franziskus.
Er steht jetzt vor der großen Aufgabe, die Zerrissenheit der katholischen Kirche, die sich auch aus dem modernen Weg von Franziskus ergeben hat, zu flicken. Ein „Kampf im Untergrund“ tobe vor allem zwischen Kardinälen aus Süd- und Nordamerika und zog mit ins Konklave ein, schreibt der Corriere della Sera.
Als ein „Brückenbauer“ auf dem amerikanischen Kontinent ist Prevost beinahe prädestiniert, auch wenn sein Lebenslauf nicht unbefleckt ist. Er stammt aus Chicago in den USA, war 20 Jahre lang als Missionar in Peru (wo er Papst Franziskus kennenlernte). Der „Kampf im Untergrund“ schob Prevost im Konklave womöglich an Favorit Parolin vorbei, jetzt soll er als Papst Leo XIV. die Grabenkämpfe beenden. (moe)
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