Top-Favorit wackelt nach ersten Konklave-Wahlgängen – Papst-Pakt und ein Versprechen sollen ihn retten
VonHelmi Krappitz
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Ein Konklave-Favorit: Pietro Parolin. In den ersten Wahlgängen hat es für ihn nicht gereicht. Ein Bündnis mit einem konservativen Kardinal soll das ändern.
Schon im Vorfeld wurde viel spekuliert, wer das neue katholische Kirchenoberhaupt wird. Ein Favorit: Pietro Parolin, der Kardinalstaatssekretär und enger Vertrauter des verstorbenen Papstes. Er gilt als mächtigster Kardinal und wird von vielen Experten als nächster Papst gehandelt. Doch für die ersten Wahlgänge hat es nicht gereicht – das ist üblich. Ein Bündnis mit Kardinal Péter Erdő soll weiterhelfen.
„Sprungbrett für das Papstamt“: Kardinal Parolin wird als Favorit gehandelt
„Als traditionell aussichtsreicher Kandidat gilt Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, der als Nummer zwei im Vatikan eine zentrale Rolle einnimmt. Historisch gesehen wurde dieses Amt häufig zum Sprungbrett für das Papstamt“, erklärte der Journalist und Buchautor Andreas Englisch gegenüber t-online. Er schreibt seit 40 Jahren über den Vatikan. Parolin gilt als pragmatischer Stratege, das dürfte ihm bei der Papstwahl helfen.
Auch im Vatikan wird Parolin als Favorit gesehen. Die italienische Zeitung Il Messaggero teilte einen Ausschnitt der Messe zum Start des Konklaves auf Instagram. Demnach wandte sich Kardinaldekan Giovanni Battista Re beim Austausch des Friedensgrußes an Parolin: „Alles Gute, doppelte Grüße.“ Laut Zeitung klinge der Satz nach dem Wunsch, dass Parolin gewählt werde. Der 91-jährige Re nimmt selbst nicht an der Papstwahl teil.
Konklave: Parolin könnte sein Amt als Kardinalstaatssekretär gegen Zweidrittelmehrheit tauschen
Um sicherzugehen, dass Parolin in das Papstamt gewählt wird, braucht es oft mehr als den Favoritentitel. Schließlich gibt es die Redewendung: Wer als Papst in das Konklave geht, kommt als einfacher Kardinal wieder raus. Um das zu verhindern, könnte der Italiener zu einem Zweckbündnis tendieren – so spekulieren italienische und ungarische Medien sowie Vatikanexperten. Um die Zweidrittelmehrheit zu erreichen, braucht es möglicherweise Diplomatie, einen Deal.
Parolin könnte mit seinem bisherigen Amt als Kardinalstaatssekretär handeln. Wenn er zum Papst gewählt wird, gibt den Posten ab – womöglich an den Kardinal, der ihm dazu verholfen hat. Das soll nach Medienberichten der Mann sein, der ihm zu Stimmen der konservativen Kardinäle verhelfen könnte: der ungarische Kardinal Péter Erdő.
Laut dem Portal OSV News solle Parolin im Gegenzug für das Papstamt bestimmte „kontroverse Merkmale“ von Papst Franziskus‘ Zeit als Oberhaupt aufheben. Unklar bleibt, um welche Entscheidungen es sich dabei handeln soll. Kardinal Erdő, der ebenfalls als möglicher Nachfolger von Papst Franziskus gilt, steht für eine strikt lehramtstreue Linie und verteidigt die traditionellen Positionen der Kirche etwa in Fragen von Abtreibung und gleichgeschlechtlichen Ehen.
Bündnis zwischen Parolin und Erdő: Ungarischer Vatikan-Botschafter dementiert Deal
Die Strategie hinter einem möglichen Bündnis der beiden Kardinäle: Parolin steht für Erfahrung, Erdő für Ausgleich. Gemeinsam könnten sie eine Brücke zwischen den zerstrittenen Lagern von Reformern und Konservativen schlagen. Bei dem Konklave geht es weniger um charismatische Hoffnungsträger, sondern um einen Kompromiss und Stabilität der katholischen Kirche.
Erdős enge Verbindung zu Parolin gilt als unbestritten – er kennt die Abläufe im Vatikan bestens. Laut der italienischen Zeitung Il Tempo seien die Spekulationen um den Deal höchst brisant. Ein Anzeichen: sein Name musste sogar öffentlich dementiert werden – und das ausgerechnet von Ungarns Vatikan-Botschafter Eduard Habsburg: „Alle Spekulationen über ein Abkommen vor dem Konklave zwischen dem ungarischen Kardinal Péter Erdő und dem ehemaligen Staatssekretär des Vatikans, Kardinal Pietro Parolin, sind völlig falsch. Kardinal Erdő hat sich nicht an solchen Diskussionen beteiligt“, schrieb er auf der Plattform X. Diese Informationen habe er direkt vom Kardinal.
"Any speculation of a pre-conclave deal between Hungarian Cardinal Péter Erdö and former Vatican Secretary of State Cardinal Pietro Parolin is totally false. Cardinal Erdö has engaged in no such discussions." pic.twitter.com/Bdbae9txHd
„Nach dem ersten Wahlgang, beginnt das eigentliche Spiel“: Abgeschottet und geheimes Konklave befeuert Gerüchte
Unklar ist, ob es den besagten Deal wirklich gibt. Unrealistisch sei das aber nicht: „In einem Kollegium, in dem keine der großen Gruppen – weder die Reformer noch die Konservativen – eine eigene Mehrheit hat, könnte ein Konsenskandidat eine Lösung darstellen. Und das geht meist nur über strategische Bündnisse“, erklärte Vatikanexperte Nino Galetti im Gespräch mit t-online. Er leitet seit 2020 das Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Rom.
Bilder zu Konklave-Favoriten als Papst-Nachfolger – drei neue Namen kursieren und ein Deutscher
Offiziell würden die meisten Kardinäle offiziell nur über Profile und Herausforderungen reden, aber keine Namen nennen – aus Respekt und Strategie. „Doch nach dem ersten Wahlgang, beginnt das eigentliche Spiel“, erklärte Galetti weiter. Man solle trotzdem nicht alle Gerüchte glauben. Denn selbst ein Spaziergang zweier Kardinäle könne direkt zu neuen Spekulationen führen. „Letztlich zählt, was am Ende wirklich Sinn ergibt.“ Der abgeschottete Prozess des Konklaves bleibe erstmal geheim. „Was sich hinter den Mauern tatsächlich abspielt, werden wir vielleicht irgendwann erfahren – aber sicher nicht, während es noch läuft.“