Krebsforschung

Wie sich Sport auf das Überleben bei Brustkrebs auswirken kann

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Sport wirkt sich positiv auf die Überlebensrate bei Brustkrebs aus – so das Ergebnis einer neuen Studie. Dabei muss es nicht einmal viel sein, schon leichte, dafür regelmäßige Bewegung reicht aus, wie die Forscherinnen ermittelten.

Olso/Boston/Bremen – Sport wird ja grundsätzlich aus vielerlei Gründen als eine gute Sache angesehen. Nicht selten heißt der gute Ratschlag von Medizinerinnen und Medizinern daher auch „Mehr Bewegung, bitte“. Die gesundheitsfördernde Wirkung von Sport erstreckt sich auf diverse Bereiche, vor allem zur Prävention von Krankheiten. So kann, wer sich regelmäßig sportlich betätigt, das Risiko für sogenannte Volkskrankheiten wie Herzinfarkt, Diabetes oder Demenz erwiesenermaßen absenken.

Auch auf andere, weit verbreitete Leiden wie Rückenschmerzen wirkt sich regelmäßiges Training positiv aus. Doch Sport kann noch mehr: In einer Langzeitstudie zeigte sich, dass die Überlebenschancen bei Brustkrebs sich durch regelmäßige Bewegung signifikant erhöhen. Das gilt auch, wenn die Patientinnen erst nach der Diagnose angefangen haben, Sport zu treiben.

Heilung bei Brustkrebs verbessern: Überlebenschancen steigen schon bei moderater Bewegung

Dass körperliche Aktivität den Verlauf von Krebserkrankungen im Allgemeinen günstig beeinflussen kann, wurde bereits in verschiedenen internationalen Untersuchungen gezeigt, vor allem bei Darmkrebs und Brustkrebs zeigten sich positive Effekte. Doch bislang blieb unklar, wie viel Sport tatsächlich notwendig ist, um den eigenen Krankheitsverlauf günstig zu beeinflussen.

Auch welche Art der Aktivität besonders geeignet ist und ob das für alle Betroffenen in gleicher Weise gilt. Ein Forscherinnenteam vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und der Harvard-Universität hat diese Zusammenhänge nun genauer untersucht. Dabei zeigte sich: Bereits bei moderater Aktivität tritt dieser positive Effekt auf. Brustkrebspatientinnen, die etwa drei Stunden pro Woche flott spazieren gingen, hatten eine signifikant niedrigere Sterblichkeit als Betroffene, die kaum aktiv waren.

Heilung bei Brustkrebs: Je aktiver die Frauen nach der Diagnose waren, desto besser war ihr Verlauf

Je aktiver die Frauen nach ihrer Diagnose waren, desto günstiger verlief ihre Erkrankung. Doch schon bei drei Stunden moderater Bewegung sank die Gesamtsterblichkeit um etwa 27 Prozent. Für die Untersuchung griffen die Wissenschaftlerinnen auf Daten aus der Nurses Health Studie zurück, die bereits im Jahr 1976 gestartet ist und bei der es sich mit 240.000 Teilnehmerinnen um eines der weltweit größten Forschungsvorhaben zu Krankheitsrisikofaktoren bei Frauen handelt. Das Team um die Wissenschaftlerinnen Renée T. Fortner vom DKFZ und dem Norwegisches Krebsregister sowie Heather Eliassen von der Harvard-Universität beobachtete über einen langen Zeitraum hinweg insgesamt 13.371 Frauen, bei denen im Verlauf der Studie Brustkrebs diagnostiziert wurde. 9.308 Frauen gaben dafür alle zwei Jahre Auskunft über Dauer und Art ihrer sportlichen Aktivitäten nach der Krebsdiagnose.

Brustkrebs-Verlauf beeinflussen: moderate Bewegung kann helfen

Die Studienergebnisse zeigten deutlich, „welches Potenzial schon vergleichsweise moderate körperliche Aktivität hat. Frauen müssen keinen Marathon laufen oder sich nicht im Fitnessstudio völlig verausgaben“, so die federführende Autorin Fortner. „Sie profitieren schon von Trainingseinheiten, die jede in ihren Alltag einbauen kann.“ Die Forscherinnen glichen die Ergebnisse außerdem mit dem Body-Mass-Index der Teilnehmerinnen ab und stellten dabei fest, dass die günstigen Effekte der körperlichen Aktivität nicht allein durch das Körpergewicht zu erklären sind.

Frauen, die regelmäßig aktiv sind, haben deutlich verbesserte Überlebenschancen nach einer Brustkrebs-Diagnose.

Auch wiesen sie auf einen weiteren, ermutigenden Aspekt hin: Die verbesserten Überlebenschancen zeigten sich unabhängig davon, wie hoch das Niveau der Aktivität vor der Diagnose gewesen ist. Entscheidend für die Verbesserung war lediglich, ob die Frauen überhaupt anfingen, sich regelmäßig körperlich zu betätigen.

Sportlich aktive Frauen rauchen seltener – auch das wirkt sich positiv bei Brustkrebs aus

Aus den Studiendaten konnten die Wissenschaftlerinnen noch eine weitere wichtige Erkenntnis ableiten: So zeigte sich, dass sportlich aktive Frauen häufiger Nichtraucherinnen waren. Rauchen – egal ob aktiv oder passiv – ist ein entscheidender Faktor im Hinblick auf das Risiko für viele Krebserkrankungen. Denn Tabakrauch enthält viele Stoffe, welche die Gefahr, an Krebs zu erkranken, deutlich erhöhen. Der Verzicht auf Tabakkonsum ist daher auch einer der häufigsten Ratschläge von Medizinerinnen und Medizinern, um das persönliche Krebsrisiko möglichst gering zu halten.

Besonders ausgeprägt war der Zusammenhang zwischen sportlicher Aktivität und verbesserten Überlebenschancen beim sogenannten „rezeptor-positiven“ Brustkrebs, oder auch HER2-positiver Brustkrebs. Das Charakteristische bei dieser Art ist, dass die Krebszellen auf weibliche Geschlechtshormone reagieren. In Deutschland sind etwa Dreiviertel aller Patientinnen von dieser Unterart von Brustkrebs betroffen. Forschende aus den USA arbeiten bereits seit etwa 20 Jahren an einer wirksamen Impfung gegen diese Art von Krebs. In einer klinischen Studie konnten sie kürzlich erste vielversprechende Ergebnisse erzielen. Doch auch auf Fälle von Brustkrebs, die erst nach den Wechseljahren diagnostiziert wurden, wenn der Östrogenspiegel bei Frauen niedriger ist, wirkt sich körperliche Aktivität günstig aus, wie die aktuelle Untersuchung zeigt.

„Bewegt Euch!“ – Rat an Frauen mit Brustkrebs, um ihre Überlebenschancen zu verbessern

Der Rat der Studienleiterinnen Fortner und Eliassen an Frauen mit einer Brustkrebs-Erkrankung lautet daher: „Bewegt Euch!“. Dabei müsse keine Frau zur Extremsportlerin werden, um von der positiven Wirkung von Sport zu profitieren, betonen sie. „Wandern oder Radfahren, Tanzen oder Krafttraining: Jede Frau kann auswählen, was ihr am meisten liegt und damit ihre eigene Erkrankung günstig beeinflussen“.

Daneben kann man noch viele andere Dinge im Alltag tun, um das persönliche Risiko für Krebs zu senken. So spielt beispielsweise eine gesunde Ernährung eine sehr wichtige Rolle, nicht nur um Hinblick auf Krebs, sondern auch zur Vermeidung vieler anderer Krankheiten. Bei Demenz konnten Untersuchungen zeigen, dass sich ein ungesunder Lebensstil mit salz- und fettreicher Kost und vielen Fertigprodukten ungünstig auf den Verlauf auswirkt. Eine Ernährung mit wenig Zucker und Fleisch soll hingegen der Schlüssel zu einem langen Leben sein. Der Verzicht auf Alkohol wirkt sich ebenfalls positiv auf die Gesundheit aus.

Rubriklistenbild: © Panthermedia/IMAGO

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