VonMoritz Bletzingerschließen
Santorini droht ein Erdbeben der Stärke 6 – und zwangsläufig einen Tsunami verursachen, prognostiziert der Seismologe Akis Tselentis. Die Besorgnis steigt.
Santorini – Droht Santorini die große Katastrophe? Die derzeitige Erdbebenserie hat bereits über 1100 Erschütterungen erreicht – und ein Ende ist nicht absehbar. Griechische Seismologen vermuten, dass die Erdbeben noch monatelang andauern könnten.
Erdbeben auf Santorini dauern an – Seismologe widerspricht Berichten über Abschwächung
Uneinigkeit herrscht unter Wissenschaftlern darüber, wohin sich die Erdbebenentwicklung in der Ägäis entwickeln könnte. Seismologe Akis Tselentis äußert sich dazu deutlich: „Die Erzählungen, dass sich die Sequenz allmählich abschwächt, stimmen nicht. Das ist etwas, das nur von Politikern und Hoteliers gerne gehört wird.“
Am Dienstag (11. Februar) sorgte Tselentis für Aufsehen, als er seinen Rücktritt aus dem Nationalen Ausschuss für seismische Risikobewertung bekannt gab. Er kritisiert, dass das Komitee durch politisch motivierte, wissenschaftlich unqualifizierte Mitglieder beeinflusst werde. In der ersten Sitzung ohne seine Teilnahme beschloss der Ausschuss strenge Maßnahmen zur Erdbebenvorsorge auf Santorini.
Am folgenden Morgen erläuterte Tselentis in einem ausführlichen Facebook-Beitrag seine Sichtweise zur Situation auf Santorini.
Erdbeben-Experte betont: Santorini-Serie hat Wechselwirkung mit Vulkan
Er widerspricht der Behauptung, die Erdbebenserie stehe in keinem Zusammenhang mit dem Vulkan von Santorini. Seiner Meinung nach gibt es eine Wechselwirkung zwischen dem Kolumbo und den Erdbebenschwärmen. Tselentis erklärt: „Der Grund dafür ist, dass wir nicht von einer bestimmten Verwerfung sprechen, die nach und nach ihr seismisches Potenzial in Form von kleinen Erdbeben verliert, sondern von einem seismischen Raum, der sehr viele kleine Verwerfungen umfasst. Wenn das Magma aufsteigt, drückt es auf die oberen Schichten und aktiviert diese vielen kleinen Verwerfungen.“
Die aktuelle Stärke der Erdbeben unterstützt diese Theorie. Die meisten Erschütterungen liegen zwischen den Magnituden 4 und 5. Das bisher stärkste Beben auf Santorini erreichte eine Stärke von 5,3. Laut Tselentis ergibt sich dieser Rahmen aus der Größe der derzeit aktivierten Verwerfungen.
Erdbeben der Stärke 6 auf Santorini durchaus möglich – Experte erklärt zwei Szenarien
Der Seismologe erklärt: „Auf die Frage, ob wir ein Erdbeben der Stärke 6 haben können, antworte ich mit Ja.“ Er bietet dafür zwei Erklärungsansätze an.
Aktuell endet das seismologische Volumen kurz vor einer etwa 25 Kilometer langen Verwerfung. Tselentis hält es für „sehr wahrscheinlich“, dass diese durch die Schwarmbeben aktiviert werden könnte, was zu einem Erdbeben der Stärke 6 führen könnte.
In einem anderen Szenario, das Tselentis als „das Worst-Case-Szenario“ bezeichnet, würde die große Amorgos-Verwerfung aktiviert. Diese Verwerfung löste 1956 eine Katastrophe auf Santorini aus. Sowohl Tselentis als auch Euthymios Lekkas, der Vorsitzende der Organisation für Erdbebenplanung und -schutz (OASP), halten dieses Worst-Case-Szenario derzeit jedoch für unwahrscheinlich. Die gegenwärtigen Spannungen auf die Amorgos-Verwerfung seien „vernachlässigbar“, so Tselentis. Dennoch: „Das Szenario ist denkbar – und in diesem Fall sprechen wir über ein ziemlich großes Erdbeben.“ Diese Sorge teilen viele Experten für Santorini.
Düstere Erdbeben-Prognose für Santorini: „Beide Szenarien führen zu einem Tsunami“
Tselentis betont, dass auch das scheinbar weniger bedrohliche Szenario ernst genommen werden sollte. Er warnt: „Beide Szenarien führen zu einem Tsunami.“ Israel bereitet sich beispielsweise bereits auf diesen Ernstfall vor.
Ein Erdbeben der Stärke 6 hätte erhebliche Folgen. Es ist wichtig zu beachten, dass die Richterskala exponentiell verläuft. Ein Erdbeben der Stärke 6 setzt etwa 1000 Mal mehr Energie frei als eines der Stärke 4 und etwa 100 Mal mehr als eines der Stärke 5.
Auf Santorini schließt die OASP ein Erdbeben bis zu einer Magnitude von 6,2 nicht aus. Dies wäre jedoch das Extremszenario. Im besten Fall überschreiten die Beben nicht die Stärke von 5,5. (moe)
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