Santorini-Erdbeben: Neue Gefahr auf Insel entsteht – „Alarmstufe Rot“ in mehreren Gebieten
VonMarcus Giebel
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Heftige Erschütterungen sind auf Santorini in der nahen Zukunft nicht zu erwarten. Aber für fünf Zonen ist eine Entwarnung absolut nicht möglich.
Fira – Die gute Nachricht vorweg: Santorini hat das Schlimmste anscheinend hinter sich. Und das war mit rund 550 Erdbeben nahe der griechischen Inselgruppe, die einen Großteil der Bewohner in die Flucht geschlagen haben, heftig genug.
Nun sagte Costas Papazachos, Professor für Geophysik und Seismologie, laut der Athener Zeitung Kathimerini, ein stärkeres Erdbeben sei nicht auszuschließen, doch: „Die Szenarien scheinen besser zu sein, da das verbleibende Gebiet kleiner ist und wir uns auf ein günstigeres Szenario zubewegen.“
Erdbeben auf Santorini: Mitsotakis „heute optimistischer als gestern“
Dem Experten zufolge sollen sich die Menschen auf der Insel möglichst ruhig verhalten. Das unterstreicht demnach auch Evi Nomikou, Professorin im Fachbereich Geologie und Geoenvironment der Universität Athen: „Wir wissen sehr genau, was passiert. Wir erstellen tektonische Karten, die bestätigen, dass die aktuellen Epizentren viel weiter vom Epizentrum von 1956 entfernt sind.“ Damals musste infolge eines Seebebens und mehrerer Nachbeben ein Dorf vorübergehend aufgegeben werden.
Über die aktuelle Lage knapp 70 Jahre später ließ sich auch Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis im Ministerium für Klimakrise und Katastrophenschutz unterrichten. Danach betonte der Regierungschef: „Ich bleibe bei der etwas ermutigenden Aussage von Professor Papazachos, dass wir heute optimistischer sind als gestern.“ Allerdings könne er keinerlei Vorhersagen machen.
Erdbeben zermürben Santorini: Jetzt steigt Erdrutschgefahr – „Alarmstufe Rot“ für fünf Gebiete
Für eine komplette Entwarnung ist es ohnehin noch zu früh, wie Efthymios Lekkas, Präsident der Organisation für erdbebensichere Planung und Absicherung (OASP), im TV-Sender Skai bekanntgab.
Außerdem leidet die Insel unter den ständigen Erdbeben – und dadurch hat sich die Gefahr für Erdrutsche mancherorts mittlerweile enorm erhöht. „Alarmstufe Rot“ gilt jetzt für fünf Bereiche. Sie wurden als gefährdet eingestuft, sofortige Maßnahmen seien erforderlich.
Dabei handelt es sich um den alten Hafen der Hauptstadt Fira, den Hafen von Athinios im Südwesten, das Straßennetz in Ormos, Oia im Norden mit Schwerpunkt auf den Gebieten von Ammoudi und Armeni sowie die westlich gelegene Insel Thirasia. Bei letzterer geht es um die Siedlung Korfos und den stromaufwärts gelegenen Teil.
Erdbeben-Gefahr auf Santorini: Experte verweist auch auf große Anzahl an Menschen
Lekkas nannte Santorini den „vielleicht schönsten Ort der Erde“. Dies erklärte er mit der acht mal elf Kilometer umfassenden Caldera – einer kesselförmigen Struktur vulkanischen Ursprungs –, einem Vulkanausbruch vor 3500 Jahren, der sich parallel zu den Prozessen des Vulkans entwickelnden Kultur und der einzigartigen natürlichen und bewohnbaren Umgebung. Die Insel sei durch geodynamische Gefahren geprägt.
550 Erdbeben, flüchtende Urlauber und Angst vor dem Hauptbeben – dramatische Bilder aus Santorini
Es sei daher wichtig, sich mit dem Risiko von Erdrutschen zu befassen, „das die einzigartigen Hänge der Caldera ständig prägt. Das Risiko ist fast auf der gesamten Länge der Hänge der Caldera von Santorini hoch, aber das Risiko ist auch hoch, da sich an diesen Orten mindestens acht Monate im Jahr eine große Anzahl von Menschen aufhält.“ Laut Lekkas ist sich die wissenschaftliche Gemeinschaft hier einig. (mg)