VonJana Stäbenerschließen
Eine Lehrerin aus Nordrhein-Westfalen erzählt BuzzFeed News Deutschland, was Bildungsgerechtigkeit in Deutschland im Weg steht. „Ich will es besser machen“, sagt sie.
Bildungsgerechtigkeit in Deutschland gibt es nicht, findet Theresa Wolf. Sie ist Lehrerin an einer Gesamtschule in Nordrhein-Westfalen, weil sie „echte Erziehungsarbeit“ leisten und für ihre „Schüler und Schülerinnen da sein“ will. Aus diesem Grund hat sie auch einen TikTok-Account (siehe unten). Auf der Social-Media-Plattform ist die 29-Jährige als @frau__wolf unterwegs. Sie macht lustige Videos, klärt über Rassismus auf und gibt Lerntipps fürs Abi.
Warum das Ganze? Weil Kinder eben nicht alles in der Schule lernen würden, was sie brauchen. Und eben nicht alle die gleichen Voraussetzungen haben und sich Nachhilfe leisten können. „Meine Mutter war alleinerziehend, das Geld war knapp. Mir hat man damals in der Schule gesagt, dass aus mir nichts werden könne, wenn man schaut, woher ich komme“, sagt sie BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA.
Weil sie so behandelt wurde, hätte sie nie gedacht, dass sie ihr Abitur überhaupt schaffe. „So ein Klassismus in der Schule verletzt unfassbar“, sagt Wolf. Erst im Master habe sich bei ihr ein Schalter umgelegt. Sie habe verstanden, dass sie eben doch etwas drauf habe.
@frau__wolf Ist doch alles ganz gut gelaufen 🌝
♬ Originalton - Abu Intellektueller
Was Bildungsgerechtigkeit in Deutschland im Weg steht
Nicht nur Klassismus, sondern auch Rassismus stehe der Bildungsgerechtigkeit in Deutschland im Weg, findet Wolf. Sie verweist auf die Max und Murat-Studie von 2018, die belegt, dass Kinder durch ihren ausländischen Namen Bildungsungerechtigkeit erfahren. „Auch Kinder, die kein gutes Deutsch sprechen, erleben in der Schule ständig Rassismus.“ Ebenso wie ihre Eltern. Aus diesem Grund übersetzte sie Teile einer Präsentation für einen Elternabend.
Für diese Aktion bekam die 29-Jährige auf TikTok einige negative Kommentare. Das zeige nur noch einmal mehr: „Rassismus gibt es überall.“ Auch an ihren früheren Schulen habe das Thema „deutsche Sprache“ regelmäßig für Diskussionen gesorgt. Klassischer Linguizismus, meint Wolf. Also eine spezifische Abwertung von Menschen aufgrund ihres Dialekts oder ihrer geringeren Sprachkenntnisse.
Zudem seien dort im Kollegium Worte wie „Kopftuchmädchen“ oder das „N-Wort“ gefallen, das für Schwarze Menschen „unglaublich schmerzhaft“ ist. „Wenn man da als junge Lehrerin steht, die rassismuskritisch ist, kann man das nicht glauben“, sagt Wolf. In den ersten vier Jahren als Lehrerin „war sie regelmäßig schockiert“, erzählt sie.
Lehrerin: „Gibt in Deutschland keine Schule ohne Rassismus“
Heute ist Wolf an einer Schule, die sehr viel weltoffener sei. Sie trägt das Siegel „Schule ohne Rassismus“. Wolf findet den Namen unpassend. Rassismuskritische Projekte seien gut und wichtig, aber die Formulierung erwecke die Idee, dass es wirklich Schulen gebe, an denen Rassismus nicht existiere. Und das sei nicht der Fall, denn Rassismus sei tief in unserer Gesellschaft verwurzelt. „Es gibt in Deutschland keine Schule ohne Rassismus“, sagt Wolf BuzzFeed News Deutschland. Und keine Schule ohne Klassismus.
„Als ich Lehrerin geworden bin, habe ich gemerkt, dass ich es besser machen will. Ich will für Schülerinnen und Schüler die eine Person sein, die an sie glaubt“, sagt sie. „Wenn ich nur einem Schüler nachts um drei beim Scrollen das Gefühl geben kann, dass er etwas wert ist, dass es auch rassismuskritische Lehrer gibt und dass seine Erfahrungen valide sind – dann hat sich das alles schon gelohnt.“
Rubriklistenbild: © Screenshot @frau__wolf TikTok

