VonJana Stäbenerschließen
Um Jugendlichen das Thema Finanzen näherzubringen, bietet ein Schulleiter freiwillige Kurse an. Reicht das? Ein Experte macht einen Gegenvorschlag.
Wer in der Rente gut dastehen will, sollte wissen, wie er oder sie die eigenen Finanzen clever anlegt. Schon früh können Eltern den Grundstein dafür legen, indem sie ihren Kindern den richtigen Umgang mit Geld beibringen.
Doch nicht nur die Eltern spielen eine entscheidende Rolle in der Finanzbildung der Kinder, sondern auch die Schule. Das findet zumindest Sven Schumann von der Deutschen Börse. Im Gespräch mit BuzzFeed News Deutschland, sagt er, was sich ändern muss.
„Kinder lernen auf TikTok mehr über Finanzen als in der Schule“
Dass nur rund 20 Prozent aller Deutschen (zum Beispiel für die Rente) in Aktien investieren, stört Schumann. Andere Länder seien bei Rente und Finanzbildung viel besser aufgestellt. Schweden zum Beispiel. Weil dort ein Teil der eigenen Rentenbeiträge gezwungenermaßen in Aktien fließt, handelt dort automatisch jede:r an der Börse.
Ähnlich ist es in den Niederlanden, wo die Königin sogar Schirmherrin des Programms „Money Wise“ ist, eine Initiative, um Finanzbildung zu verbessern. In England wird Finanzbildung als Teil von Staatsbürgerkunde und Mathematik an weiterführenden Schulen unterrichtet.
Schumann will das auch bei uns. Seit 2020 setzt er sich als stellvertretender Vorsitzender des Bündnis Ökonomische Bildung Deutschland für verpflichtende Finanzbildung an deutschen Schulen ein. „Kinder lernen in Deutschland auf TikTok mehr über Finanzen als in der Schule. Das kann nicht sein“, findet er.
Finanzen an deutschen Schulen als Wahlpflichtkurs?
Der Schulleiter und Lehrer Christoph Krüger, der auf YouTube als @Schulgelaber (siehe unten) unterwegs ist, sieht es ähnlich. Er leitet eine Gesamtschule in Hessen und bietet dort seit drei Jahren einen Wahlpflichtkurs zum Thema Finanzen an. Ein Jahr lang können die Neun- und Zehntklässler hier 90 Minuten die Woche über Aktien, Kontogebühren, Steuern und mehr reden.
Warum das Ganze? „Ich finde das einfach wichtig, dass man Jugendlichen das Thema Finanzen beibringt“, sagt der Familienvater im Gespräch mit BuzzFeed News Deutschland. Bei ihm hören die Kinder oft zum ersten Mal, dass man sich an Firmen beteiligen kann. „Und dass man auch ganz schön auf die Nase fallen kann, wenn man all sein Geld in die falsche Firma oder in Krypto investiert.“
In einem großen Börsenspiel können sich die Schüler:innen austoben – am Ende des Jahres wird abgerechnet: Wer hat am meisten Gewinn gemacht? Wer hat am meisten verloren? Am meisten Spaß mache den Jugendlichen der Zinseszins-Effekt. „Dass sie sich quasi reich rechnen und das eigene Geld exponentiell steigern, das finden die natürlich spannend.“
Themen wie Rente (auch hier kann der Zinseszins-Effekt sogar eine Million einbringen), sind für die Schüler:innen eher weit weg. Er versuche, ihnen die Renten-Lücke im Alter spielerisch aufzuzeigen. Wie geht das? Indem die Jugendliche lernen, dass für gewisse Bedürfnisse (Fixkosten) immer Geld da sein muss. Dafür zeige Krüger ihnen das Konzept der Budgetierung, das auch eine Frugalistin als Spartipp nennt. „Ich zeige ihnen, wie man sein Geld so einteilt, dass man am Ende des Monats nicht nur die Fifa-Points, sondern auch genug zu essen hat.“
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Beim Thema Finanzbildung lohnt sich ein Blick in den Süden
Sollte es mehr Lehrer wie Krüger geben? Jein, denn Wahlpflichtkurse reichen nicht, findet Schumann. „Solange die finanzielle Bildung nicht bundesweit fest im Lehrplan verankert wird, entscheidet der Zufall darüber, ob Kinder mal mit Geld umgehen können.“ Sein Bündnis fordere deswegen mindestens 200 Stunden für ökonomische Inhalte in der Sekundarstufe I und eine feste Verankerung im Fächerkanon der gymnasialen Oberstufe.
Beim Thema Finanzbildung lohne sich ein Blick in den Süden, so Schumann: In Bayern gibt es das Fach Wirtschaft und Recht, Baden-Württemberg führte 2016 das Fach Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung ein. Parallel passte das Bundesland auch die Lehrkräfte-Ausbildung an. „Auch das ist wichtig, denn es braucht die richtige Didaktik, um Finanzwissen zu vermitteln“, sagt Schumann BuzzFeed News Deutschland.
Auf die Frage, wie das in Zeiten von Lehrermangel (der mit absurden Werbeplakaten bekämpft wird) gelingen kann, hat Schumann eine Antwort. „Wir müssen nachhaltig darüber nachdenken, wie IT den Unterricht verändern kann: Ein reines Draufschaffen von Wissen halte ich für nicht mehr zeitgemäß.“ Gerade was Finanzen anbelange, reiche auch ein Planspiel am Computer, da brauche es die Lehrkraft eher, um das Gelernte im Nachhinein zu reflektieren.
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