Bei Strandspaziergang mit Hunden

„Uff, wie genial ist das denn bitte?“: Frau präsentiert spektakulären „Ostseefund“ – aber Diskussion entbrennt

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Eine Strandbesucherin teilt einen mutmaßlichen Sensationsfund an der Ostsee im Internet. Das Fossil gehöre dort aber nicht hin, entgegnen manche Nutzer.

Bremen – Die Tiefen des Meeres bergen so manche Mysterien, die mit etwas Glück früher oder später an den Strand gespült werden. Auch an der Küste der Ostsee werden immer wieder spektakuläre Funde zutage gefördert. Die erbeuteten Fundstücke präsentieren Sammler und glückliche Strandbesucher gerne auch anderen Menschen im Internet. So auch eine Facebook-Nutzerin, die wohl ein beeindruckendes Fossil gefunden haben dürfte. Doch am Fund werden Zweifel laut.

Den Fund eines spektakulären Urzeitfossils teilte die glückliche Finderin auf Facebook. User zweifeln jedoch am Fundort des Relikts.

Millionen Jahre alter Ostsee-Fund sorgt für Aufsehen

Auf blauem Grund präsentiert Rita W. ein urzeitliches Fossil. „An der Ostsee gefunden“, lautet die Zusatzinformation der Userin. Das gut erhaltene Relikt aus längst vergangenen Zeiten erinnert an ein Meerestier mit Tentakeln. Mehr als 1300 andere Nutzer reagierten binnen zwei Tagen schon auf den Beitrag, der in der Gruppe „Strandfunde Seeglas, Fossilien, Steine und Meer“ geteilt wurde. Fast 100 Kommentare finden sich unter dem Foto. Viele beglückwünschen die glückliche Finderin. „Sensationell“, schreibt eine Userin. Eine andere kommentiert: „Uffff, wie genial ist das bitte.“

Zahlreiche Nutzer stellen Vermutungen an, worum es sich bei dem versteinerten Meerestier handeln könnte. Einige User gehen davon aus, dass es sich bei dem Fossil um einen Oktopus oder Tintenfisch handelt: „Ich dachte gleich an Tentakel, von vielleicht einem Oktopus“, vermutet eine Frau. Doch mehrere offenbar versierte Gruppenmitglieder kommen zum Schluss, dass es nur eine Seelilie (Encrinus liliiformis) sein könne. Anders, als der Name vermuten lässt, handelt es sich dabei nicht um eine Pflanze, sondern tatsächlich um ein Tier.

Seelilie (Encrinus liliiformis)

Die Encrinus liliiformis wurde 2019 von der Paläontologischen Gesellschaft zum Fossil des Jahres gekürt. Das Aussehen der Seelilie erinnert mit ihrem langen Stiel und ihrer Krone an eine Blütenpflanze. Bei Encrinus liliiformis handelt es sich jedoch um ein Tier, das vor rund 230 Millionen Jahren das germanische Muschelkalkmeer bevölkerte.

Quelle: mineralienatlas.de

Zweifel an Fundort des Fossils an der Ostsee werden laut

Weit weniger Einigkeit gab es bei Nutzern jedoch in der Frage, ob dieser Fund an der Ostsee überhaupt möglich sei. Mehrere Personen meldeten Zweifel an: „Sowas kommt dort nicht vor“, schreibt einer. Eine andere schließt sich der skeptischen Kommentare an: „An der Ostsee auf einem Flohmarkt, oder wo genau wurde das gefunden? Hier sind zum Glück viele echte Experten, die sofort erkennen, ob der Fundort Ostsee stimmen kann.“

Aufgrund etlicher entsprechender Nachfragen präzisiert die Beitragserstellerin, wo genau sie das Fossil aufgestöbert haben soll: „Gefunden habe ich diese Seelilie auf Rügen und zwar in Altefähr, gegenüber Stralsund, da bin ich mit meinen Hunden letzten Sommer gewesen.“ Ein User meint, dieser Fund sei „für Rügen nicht ganz auszuschließen“, aber diese seien „sehr klein und extrem selten.“ Sein Fazit: „Sehr, sehr fishy das Ganze, Zweifel sind mehr als berechtigt.“

Die versteinerte Seelilie ist kaum größer als drei Finger breit. Dennoch sorgt der Fossilienfund auf Facebook für Aufsehen.

Strandbesucherin findet Fossil an der Ostsee: „Hätte nichts davon, euch anzulügen“

Die Finderin des Seelilien-Fossils stellt klar: „Es ist ja legitim, Zweifel anzumelden, aber ich hätte ja absolut nichts davon, euch anzulügen.“ Eine Nutzerin, die wohl auf der Fossiliensuche fündig geworden war, pflichtet ihr bei: „Schöner Fund. Man sagt auch, dass man auf Rügen keine Trilobiten findet. Fazit: Ich habe dort einen gefunden. Genieße es.“ Auf welchem Weg die versteinerte Seelilie zum Fundort gekommen ist, lässt sich wohl nicht zweifelsfrei klären. Der Finderin dürfte es indes aber wohl egal sein.

Einen möglichen Sensationsfund hat auch eine andere Frau an der Ostsee gelandet. Und wie im Falle der versteinerten Seelilie sind sich auch andere Finder nicht direkt sicher, welches Fundstück sie wohl aufgespürt haben. (jm)

Rubriklistenbild: © Karina Hessland/Imago Rita Wegner Facebook

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