Erziehung

Ein einfacher Test zeigt, ob Ihr Kind sehr sensibel ist

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In einem Raum fassen sie alles an und spielen mit allen Kuscheltieren: Ein Experte erklärt, was sich hinter sogenannten „Löwenzahn-Kindern“ verbirgt.

Wenn Eltern hochsensible Kinder, sogenannte Orchideen-Kinder, erziehen, müssen sie einige Dinge beachten, sagt der Entwicklungspsychologe Professor Michael Pluess BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. Er lehrt an der Queen Mary University of London und beschäftigt sich seit 15 Jahren mit Hochsensibilität.

Gemeinsam mit seinem Team hat er herausgefunden, dass Sensibilität „relativ normalverteilt“ ist. Bedeutet: Die meisten Menschen (etwa 40 Prozent) sind Tulpen, also irgendwo in der Mitte. Etwa 30 Prozent sind sehr empfindlich wie eine Orchidee oder sehr widerstandsfähig wie Löwenzahn. Wie sollten Eltern mit diesen Löwenzahn-Kindern umgehen?

Löwenzahn-Kinder sind weniger empfindlich. (Symbolbild)

Löwenzahn-Kinder können weniger gut Emotionen von Erwachsenen lesen

Gemeinsam mit seinem Team hat Pluess Tests entwickelt, mit denen Eltern und pädagogische Fachkräfte herausfinden können, ob ihr Kind eher ein Orchideen-Kind oder ein Löwenzahn-Kind ist. Diese Begriffe haben 2005 die Wissenschaftler Thomas Boyce und Bruce Ellis geprägt. Sie gehen auf die schwedischen Worte „orkidebarn“ und „maskrosbarn“ zurück. 

„Bei Löwenzahn-Kindern spielt das Umfeld eine kleinere Rolle für das psychische Wohlbefinden“, sagt Pluess BuzzFeed News Deutschland. Während hochsensible Kinder auf viele Dinge stärker reagieren würden, auch auf psychologische Interventionen wie Therapie, seien Löwenzahn-Kinder einfach von Natur aus resilienter und kämen mit Bestrafung oder Strenge der Eltern und ungewohnten Situationen besser klar.

Würden Kinder mit unterschiedlicher Sensibilität für ein Experiment in einen Raum mit vielen unbekannten Spielsachen geschickt, dann würden Orchideen-Kinder alles erst einmal aus der Distanz anschauen und sich erst dann intensiv mit einzelnen Dingen beschäftigen. „Löwenzahn-Kindern tendieren dazu, alles anzufassen und sofort mit allem zu spielen. Dafür beschäftigen sie sich nicht in der Tiefe mit den verschiedenen Spielzeugen“, sagt der Entwicklungspsychologe.

Als bei dem Experiment ein fremder Mann in den Raum kam, habe dies die weniger sensiblen Löwenzahn-Kinder weniger beeinflusst als die Hochsensiblen. „Spannend ist auch, dass Löwenzahn-Kindern weniger gut Emotionen von Erwachsenen an den Augen ablesen können als Orchideen-Kinder. Sie machen eher Fehler und sind impulsiver, wenn sie sich an eine Reihe von Lichtern erinnern müssen“, sagt Pluess.

Der Begriff „Löwenzahn-Kind“ kommt vom schwedischen Wort „maskrosbarn“. (Symbolbild)

Was Löwenzahn-Kinder von Orchideen-Kindern unterscheidet

Zur Intelligenz von Orchideen- und Löwenzahn-Kindern gebe es nicht viel Forschung. „Wir wissen jedoch, dass Hochsensible eine höhere Kreativität haben“, sagt Pluess BuzzFeed News Deutschland. Ein paar Studien würden einen Zusammenhang zu besseren Schulnoten herstellen. „Aber das sind nur Vermutungen. Was wir wissen ist: Sowohl das Löwenzahn-Kind, als auch das Orchideen-Kind können hochintelligent sein: Was sie unterscheidet ist, wie viel Unterstützung sie brauchen, um ihr Potenzial zu entfalten.“

Für alle Abschlepper-Eltern oder Rasenmäher-Eltern und Leuchtturm-Eltern bedeutet das, ihre Erziehungsmethode auf die Sensibilität des Kindes auszurichten. Diese kann sich im Laufe des Lebens noch verändern. Sensibilität sei nur zu etwa 50 Prozent durch die Gene bestimmt. Neben Einflüsse während der Schwangerschaft hätten auch die ersten Jahre der Kindheit großen Einfluss auf die Sensibilität. „Sowohl negative als auch positive Erfahrungen können zu einer höheren Sensibilität führen“, sagt Pluess. Ein Löwenzahn-Kind kann also auch zum Tulpenkind heranwachsen.

Rubriklistenbild: © peopleimages.com/IMAGO

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