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Während der Hochsaison ereignete sich in den Dolomiten ein tödlicher Basejumping-Unfall. Der Verunglückte sprang aus 2911 Meter Höhe in den Tod.
Corvara - Die Dolomiten im Norden Itailens an der Schnittstelle der Provinzen Trient, Südtirol und Belluno (Veneto) sind einer der faszinierendsten Gebirgsstöcke der Alpen. Jedes Jahr ziehen die bizarren Felsgipfel aus bleichem rötlichen Kalk die Urlauber in Scharen an. Jetzt in den Sommerferien herrscht dort Hochsaison. In der Berggruppe des Sellajochs ereignete sich dort am Dienstagvormittag (6. August) ein Fallschirm-Drama. Im Gadertal am Fuße der Sella ist ein Basejumper tödlich verunglückt.
Der 36-Jährige aus der Lombardei stürzte beim Flug vom Piz da Lech (deutsch: Boeseekofel, 2911 Meter) oberhalb vom Mittagstal in eine steile, eisige Rinne ab. Laut ladige.it war Raian K. ein aus der lombardischen Stadt Brescia stammender Filmemacher, „der adrenalingeladene Erlebnisse liebte“. Er hat auf Instagram seine Flüge dokumentiert. Raian K. sei sofort tot gewesen, als er gegen einen Felsen stürzte.
Basejumper stirbt in Italien: Freunde des Abgestürzten warteten auf einer Wiese vergeblich
Der Unfall ereignete sich auf rund 2300 Meter Meereshöhe. Die fünf Begleiter setzten einen Notruf ab, als ihr Freund nicht am vereinbarten Treffpunkt erschien – einer Wiese im Raum des Ortes Kolfuschg. Ein Freund war schon vorausgeflogen und sicher gelandet, berichtet rainews.it. Retter überflogen mit dem Hubschrauber des Rettungsdienstes Aiut Alpin das Gebiet. Die Leiche wurde in einer mit Firnschnee gefüllten Schlucht auf 2400 Metern Höhe gefunden, laut ladige.it in einem unzugänglichen Gebiet. Für das Bergungsteam war es daher schwierig, den Ort zur erreichen und den Toten für den Abtransport per Hubschrauber bereitzumachen.
Die Absprungstelle ist über die Boè-Seilbahn, den Vallon-Sessellift und auf den letzten knapp 400 Höhenmetern über einen Klettersteig oder über Stufen und Kiesleisten und einen steilen Fels zu erreichen. Die Carabinieri haben Ermittlungen aufgenommen. Die Fans des Verunglückten trauern auf seiner Instagram-Seite: „Rest in peace ragazzo“, schreibt ein User, „RIP, du geflügelter Bursche“, ein anderer. Eine Frau wünscht ihm einfach „blauen Himmel für immer“.
Erst im Vorjahr ist an derselben Stelle ein Basejumper aus Finnland in den Tod gestürzt. Drei Jahre zuvor war an der Stelle, wo die Rettungskräfte 2023 den Leichnam des Mannes fanden, bereits die Basejumperin Simone R. (33) aus Seveso bei Mailand in den Tod gestürzt. Fabian Oberbacher von der Bergrettung Abtei erklärt gegenüber der Südtiroler Tageszeitung, dass die Route, die beide fliegen wollte, bei Base-Jumpern sehr beliebt sei. Zahlreiche Videos in den sozialen Netzwerken belegen das.
Der Spot an der Sella ist bei Basejumpern sehr beliebt - und sehr gefährlich
Allerdings gebe es einen Abschnitt, an dem Felsen umkurvt werden müssen. Vermutlich sei genau diese Stelle damals dem jungen Finnen zum Verhängnis geworden. Auch dieses Mal könnte sich der Unfall so ereignet haben. Laut rainews.it flog Raian K., als er die Kostnerscharte überfliegen wollte, schon zu tief. Er konnte keine Höhe mehr gewinnen und prallte gegen den Felsen, anschließend stürzte er rund 25 Meter ins Mittagstal ab.
Basejumping ist ein gefährlicher Sport: Nach dem Absprung fliegen die Sportler mit einer Geschwindigkeit zwischen 180 und 210 Stundenkilometer in die Tiefe, bevor sie ihren Fallschirm öffnen. Mit ihrem Wingsuit können nach dem Sprung die Flugbahn bis zu einem gewissen Grad lenken, doch sie können keine Höhe gewinnen, jeder kleinste Fehler kann ihnen zum Verhängnis werden. Es gibt viele Unfälle: Im Februar dieses Jahres etwa stürzte am Comer See ein Basejumper in den Tod.
Ein gefährliches Hobby mit sechs Jahren Lebenserwartung: Der Tod fliegt mit
Zwei Monate später ereilte eine Frau, die mit ihrem Wingsuit nahe des Gardasees von einem Felsen gesprungen war, dasselbe Schicksal. Im Oktober 2022 Jahren verunglückte ein in Holland lebender Mann aus der Ukraine am Sassongher bei Corvara. Das seit den 1980er Jahren in Mode gekommene Base-Jumping ist eine lebensgefährliche Sportart: Eine seit 1981 geführte Liste im Internet zählt weltweit bis 1. August 484 Todesopfer auf. „Die Statistik weist aus, dass Baser eine Lebenserwartung von sechs Jahren haben. Aber das ist die Statistik. Es gibt Baser, die sind schon seit 20 Jahren aktiv“, sagt der Detmolder Basejumper Tobias Pradel zu lz.de
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