VonMoritz Bletzingerschließen
Seit einem gewaltigen Felssturz ist der Plöckenpass nicht mehr befahrbar. Die Folgen für die Grenzregion sind verheerend und eine Lösung ist nicht absehbar.
Kötschach-Mauthen – Seit Dezember 2023 herrscht auf dem Plöckenpass in Oberkärnten kompletter Stillstand. Die Alpen-Route zwischen Österreich und Italien ist immer noch gesperrt. Mit verheerenden Folgen für die auf Urlauber und Grenzverkehr angewiesene Region. Die Sorgen wachsen.
Felssturz beschädigt Plöckenpass in Österreich: Italien-Route den ganzen Sommer gesperrt
Im Winter hat ein massiver Felssturz die wichtige Verbindungsroute stark beschädigt. 40.000 Kubikmeter Gestein haben die Straße auf der italienischen Seite buchstäblich weggerissen. Die italienische Straßenbaubehörde ANAS kommentierte damals: „Das Gesicht des Berges hat sich für immer verändert“.
Im März kam dann die niederschmetternde Nachricht: Der Plöckenpass bleibt auch über den Sommer geschlossen. Der FPÖ-Landtagsabgeordnete Christoph Staudacher schimpfte im Gailtal-Journal: „Ein Schlag ins Gesicht der Bevölkerung und aller Unternehmer im Oberen Gailtal sowie in den Osttiroler Regionen“. Er fügte hinzu: „Dass hier über die touristisch wichtigen Sommermonate hinweg nichts geschehen soll, ist inakzeptabel.“
„Sperre bedeutet existenzielle Krise“: Bürger fordern schnelle Wiedereröffnung von Plöckenpass
Seit dem Frühjahr setzt sich eine Bürgerinitiative für eine Lösung ein und übt Druck auf die Behörden in Kärnten und der autonomen Region Friuli-Venezia Giulia aus. „Für die Menschen dies- und jenseits der Karnischen Alpen stellt der Grenzübergang seit tausenden Jahren eine Über-/Lebensader dar und die monatelange Sperre bedeutet eine existenzielle Krise in allen Bereichen des Alltags“, schreiben sie in der Petition zur Wiedereröffnung des Plöckenpass. „Wir fordern den unverzüglichen Bau einer Notstraße unter besonderer Berücksichtigung des Themas Sicherheit.“
Trotz aller Appelle ist bisher nichts passiert. Und mittlerweile zeichnen sich die schweren Folgen für die Region ab. Der Bürgermeister der Grenzgemeinde Kötschach-Mauthen berichtet der Nachrichtenagentur APA von Umsatzeinbußen, die vergleichbar mit denen während der Coronazeit sind. Besonders der Tourismus und der Handel leiden unter der fehlenden Urlaubsroute und den großen Umwegen, die nun gefahren werden müssen. Dies stellt insbesondere für den Holzhandel mit Italien auf der österreichischen Seite ein großes Problem dar.
Ersetzt ein Maut-Tunnel den Alpen-Pass? Lösungssuche für Urlaubsroute nach Italien stockt
Eine Expertengruppe konnte sich bisher nicht auf eine Lösung einigen. Drei Vorschläge stehen zur Debatte, die laut APA zwischen 100 und 700 Millionen Euro kosten würden. Eine langfristige Lösung könnte ein Tunnel mit Mautstraße sein. Es bleibt jedoch fraglich, ob Italien bereit ist, sich an einem so kostspieligen Projekt zu beteiligen. Laut der Verkehrsbeauftragten der Region Friuli-Venezia Giulia sollen die Kosten für das Projekt, welches auch immer es sein wird, von der Region Friuli-Venezia Giulia, Kärnten, dem italienischen Staat und der EU getragen werden.
Die Suche nach einer Lösung gestaltet sich jedoch schwierig. Kurzfristige Ansätze scheitern an der hohen Erdbebengefahr, die in neuen Studien festgestellt wurde. Eine schnelle Reparatur könnte zudem durch weitere Felsstürze, die fast überall in den Alpen zunehmen, schnell wieder zunichtegemacht werden.
Auch die Idee eines großen Tunnels könnte sich als nicht umsetzbar erweisen. Laut Informationen der APA wurde bei hydrologischen Untersuchungen eine große Menge Wasser im Berg Monte Croce Carnico (1357 Meter) festgestellt, was einen Tunnelbau erschwert.
„Zu einem Sackgassen-Tal geworden“: Italien-Region leidet massiv unter Plöckenpass-Sperrung
Im September soll die Expertengruppe eine Entscheidung treffen. Was genau entschieden wird, ist noch unklar – und für viele Menschen in der Region letztlich auch nebensächlich. Wichtig ist, dass eine Lösung gefunden wird.
Die Befürchtung wächst, dass eine Wiedereröffnung bis zum Sommer 2025 auf sich warten lassen könnte. Italienische Gasthöfe bangen um die nächste Urlaubssaison. „Uns fehlen die vielen Urlauber aus Österreich, Deutschland und den Niederlanden, die auf der Durchfahrt in den Süden bei uns angehalten haben“, sagt der Bürgermeister von Paluzza, Luca Scrignano, der APA. „Wir hoffen, dass die Straße so bald wie möglich wieder geöffnet wird. Der Gedanke, dass wir zu einem Sackgassen-Tal geworden sind, ist bedrückend.“ (moe)
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