„In den Kopf geprügelt“

Schule „einfach nur kaputt“: Vater einer 12-Jährigen fordert drastischen Schritt

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Ein Unternehmer aus Ludwigshafen schimpft über den „massivem Workload“ seiner Tochter. „Ganz viele Kinder leiden darunter“, kritisiert er.

„Meine Kinder lernen alles zum Thema Quadratwurzel und Winkelfunktion. Aber nichts übers Leben“, beschwert sich Daniel Schwertner auf LinkedIn. Der 45-jährige Vater ist „tierisch genervt“, dass seine zwölfjährige Tochter nichts über Steuern, Bankkonten und Versicherungen lerne. „Das deutsche Schulsystem ist einfach nur kaputt“, sagt der Geschäftsführer aus Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz).

Stattdessen leide die Sechstklässlerin „aktuell mit massivem Workload, zwei Fremdsprachen und Trompete. Das ist alles so weit weg von der Realität“, sagt Schwertner BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. Er versuche, seiner Tochter beizubringen, wie sie „später mal überleben soll“, hat ihr zum Beispiel ein Konto und ein Aktiendepot eröffnet. Er spreche zu Hause „offen über Geld“ und Sparsamkeit mit ihr.

„In der Schule werden die Dinge stupide in den Kopf geprügelt. Das ist ein massives Auswendiglernen. Und ganz viele Kinder leiden darunter“, findet ein Vater aus Ludwigshafen. (Archivbild)

„Kinder lernen auf TikTok mehr über Finanzen als in der Schule“

Eine aktuelle Studie des Zahlungsdienstleisters Mastercard zeigt, dass es nur der Hälfte (49 Prozent) aller Eltern leicht fällt, das Thema Finanzen kindgerecht zu vermitteln. Ein Viertel (26 Prozent) aller Eltern hat damit sogar Schwierigkeiten. Umso wichtiger ist die Finanzbildung in Schulen, findet Sven Schumann, stellvertretender Vorsitzender des Bündnis „Ökonomische Bildung Deutschland“.

„Kinder lernen in Deutschland auf TikTok mehr über Finanzen als in der Schule. Das kann nicht sein“, sagt Schumann BuzzFeed News Deutschland. Seit 2020 setzt er sich für verpflichtende Finanzbildung an deutschen Schulen ein. Wahlpflichtkurse zum Thema Finanzen reichten nicht, findet er. Sein Bündnis fordert mindestens 200 Stunden für ökonomische Inhalte in der Sekundarstufe I und eine bundesweit feste Verankerung im Fächerkanon der gymnasialen Oberstufe.

In Bayern gebe es das Fach Wirtschaft und Recht, Baden-Württemberg führte 2016 das Fach Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung (WBS) ein. Schwertner würde das wohl nicht reichen: Er würde Mathematik- und Deutschstunden zwar nicht reduzieren – Kunst-, Religion- und Musikstunden jedoch schon. Die könnten auch mal drei bis vier Monate im Schuljahr Platz für andere Fächer machen. Kinder sollten lieber lernen, wie sie später wichtige Papiere ablegten, wie sie sich selbst verwalten, welche Vorräte sie haben sollten und wie sie mit Steuern, Banken und Versicherungen umgehen. Auch ein Schulfach, dass sich mit dem späteren Glück, der eigenen „Lebensvision“ nach der Schule beschäftige, findet er sinnvoll.

Vater kritisiert Schule: „Ganz viele Kinder leiden darunter“

Bleibt die Frage, wer die neuen Fächer unterrichtet. Für den Vater aus Ludwigshafen ist ganz klar: „Dem Personalmangel an deutschen Schulen kann man nur entgegentreten, wenn der Lehrplan grundlegend überarbeitet und ausgedünnt wird“, sagt er BuzzFeed News Deutschland. Steuern, Bankkonten und Versicherungen könnten auch von Krankenkassen-Mitarbeitern unterrichtet werden.

Da stimmt auch der Schulleiter Helmut Klemm aus Bayern zu: „Schule wird nicht nur von Lehrern gemacht“, sagte er BuzzFeed News Deutschland. Er kann sich solche Fächer gut Nachmittags an einer Ganztagesschule vorstellen. Von dem Argument, dass Kinder in der Schule lernen zu lernen und sich doch später alles selbst beibringen könnten, hält Schwertner nichts. „In der Schule werden die Dinge stupide in den Kopf geprügelt. Das ist ein massives Auswendiglernen. Und ganz viele Kinder leiden darunter.“

*Transparenzhinweis: In einer früheren Version haben wir Ludwigshafen versehentlich im Ländle verortet. Das ist falsch. Wir haben den Fehler korrigiert.

Rubriklistenbild: © McPHOTO/IMAGO

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