„Pay yourself first“

7 Dinge, die du deinen Kindern über Geld beibringen musst

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Kaum etwas bestimmt unser Leben so sehr wie unser Kontostand. Doch der richtige Umgang mit Finanzen will gelernt sein.

Sparen müssen wir lernen: Das merkst du spätestens dann, wenn du in unserem Sparquiz keine acht Punkte schaffst. Wer möchte, dass die eigenen Kinder den sicheren Umgang mit Geld erlernen, der ihnen später nicht nur bei der Rente, sondern auch in anderen Lebenslagen hilft, muss es ihnen beibringen. Doch wie führt man Kinder am besten an das Thema Finanzen heran?

Natürlich in der Schule – da sind sich Finanzexpert:innen einig. Schulleiter Christoph Krüger und Sven Schumann, stellvertretender Vorsitzender des Bündnis „Ökonomische Bildung Deutschland“, sind Teil eines Gremiums, das Finanzbildung voranbringen will. Es wurde von Bling ins Leben gerufen, einem Anbieter für kindgerechte Prepaidkarten.

Im Gespräch mit BuzzFeed News Deutschland geben die beiden Tipps, worauf Eltern beim Thema Geld achten können:

1. Über Geld spricht man WOHL

Über Geld sprechen ist laut Finanzbildungs-Experten das A und O.

„Gemeinsam mit den Kindern über Geld zu sprechen, ist super wichtig. Sie müssen verstehen, woher das Geld kommt und was sich die eigene Familie damit leisten kann, gerade im Vergleich mit anderen Familien“, sagt Schumann von der Gruppe Deutsche Börse. Er ist Experte für Wirtschafts- und Finanzbildung und befasst sich zudem mit den Rahmenbedingungen für Vermögensaufbau und Altersvorsorge am Kapitalmarkt.

Schulleiter und YouTuber Krüger stimmt zu. „Auf kindlicher Ebene immer wieder über Geld zu sprechen, ist das Wichtigste“, sagt er. Finanzen dürfen in der Familie kein Tabu-Thema sein.

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2. Wenn das Taschengeld weg ist, dann ist es weg

Ups, alles ausgegeben.

Der Taschengeld-Paragraf 110 BGB besagt: Auch beschränkt geschäftsfähige Menschen ab sieben Jahren dürfen rechtswirksame Geschäfte ohne Zustimmung der Eltern abschließen. Sie müssen nur ihre eigenen Mittel verwenden, in der Regel also das Taschengeld. Wie hoch das sein sollte, dafür gibt die Sparkasse zwar Tipps (siehe Tabelle), am Ende ist es aber eine individuelle Entscheidung.

Alter< 6 6789101112131415161718
Taschengeld1 € die Woche1,5 € die Woche2 € die Woche2,5 € die Woche3 € die Woche16 – 18,5 € im Monat18,5 – 21 € im Monat21 – 23,5 € im Monat23,5 – 26 € im Monat26 – 31 € im Monat31 – 39 € im Monat39 – 47 € im Monat47 – 63 € im Monat63 – 79 € im Monat

Wichtig für Eltern sei: „Man muss es auch aushalten können, wenn das Kind mit dem Geld macht, was es will“, sagt Krüger. Auch Schumann betont, wie wichtig die negative Erfahrung sei, die das Kind erlebe, wenn es das Geld am Anfang des Monats schon für Fast Food herauswerfe. „Diese Emotion, die passiert im häuslichen Umfeld. Das kann Schule nicht vermitteln.“

3. Konsumschulden sind keine gute Idee

Klarna ist als Bezahlmethode besonders bei jungen Menschen beliebt.

Einig sind sich beide Experten auch darin, dass Eltern mit ihren Kindern besonders über Konsumschulden sprechen müssen. „Klarna-Schulden ist auf jeden Fall ein Ding“, erzählt Krüger. Der Schulleiter bietet an seiner hessischen Schule seit drei Jahren einen Wahlpflichtkurs zum Thema „Finanzen“ an. Da gehe es häufiger mal um dieses Thema – auch weil ihn Eltern darum bitten, darüber mit seinen Schüler:innen zu sprechen.

Auch Schumann betont, wie problematisch Konsum auf Kredit sei. In der Black Week habe er mal wieder gemerkt, wie viel Werbung die Kinder auf Social Media angezeigt bekommen. „Da kamen auch meine Kinder auf mich zu. Ich habe dann mit ihnen darüber diskutiert, dass man sich die Playstation nicht auf Pump holen kann, nur weil es sie gerade im Sonderangebot gibt. Geld, das man nicht hat, sollte man nicht ausgeben.“

4. Auch Kartenzahlung kostet Geld

Bargeldloses Bezahlen ist für die Generation Z unersetzlich. 41 Prozent wünschen sich mehr digitale Bezahloptionen.

Wichtig findet Krüger, gerade bei seinen eigenen Kindern, dass sie den digitalen Umgang mit Geld lernen. Ähnlich wie dieser Vater, der seinem Kleinkind ein Smartphone schenkt. „Ich zahle schließlich auch überall wo es geht digital, deswegen sollen meine Kinder das auch lernen“, sagt Krüger. Nur, weil die Münze nicht aus dem Geldbeutel verschwindet, heißt das ja nicht, dass der Euro nicht abgebucht wird. Auch Kartenzahlung kostet schließlich Geld.

Und wie könnten Kinder das bargeldlose Bezahlen besser lernen, als wenn man ihnen schon früh eine Karte aushändigt? Seine Tochter (2. Klasse) habe eine Bling-Card, erzählt Krüger, also eine Kinder-Giro-Karte. Bei der könne er einstellen, wofür sie diese benutzen könne. So lerne sie, ihre Ausgaben in einer Finanz-App zu kontrollieren – eine Fähigkeit, die auch der Rente zugutekommen kann.

5. „Pay yourself first“

Am Anfang des Monats gleich ein paar Euros zur Seite legen – das sollten auch Kinder schon lernen.

Bevor wir das eigene Geld für etwas anderes ausgeben, sollten wir uns lieber selbst bezahlen, also quasi einen gewissen Betrag auf ein eigenes Konto (oder eben in ein kindgerechtes Sparschwein) stecken. Diese Spar-Methode ist uralt und heißt „Pay yourself first“. Sie sollten Kinder von ihren Eltern auf jeden Fall beigebracht bekommen, findet Schumann.

6. Die Börse ist nicht „böse“

Kinder sollten lernen, dass Angst vor der Börse unbegründet ist, so Schumann.

In Deutschland investieren nur etwa 20 Prozent aller Menschen in den Kapitalmarkt. Eine Zahl, die sich laut Schumann seit den 2000ern nicht wirklich verändert habe (auch wenn die Gen Z für die Rente besser investiert, als ihre Vorgänger:innen). Laut Schumann, der seit 20 Jahren an der Deutschen Börse arbeitet, werde dieselbe von vielen immer noch als „böse“ angesehen, weil manche sie nicht verstehen.

Dabei seien Aktien und ETFs, mit denen du in der Theorie sogar eine Million für deine Rente ansparen kannst, durchaus beherrschbar. „Nur weil ich etwas nicht sofort verstehe, muss es mir keine Angst machen“, sagt Schumann. Schließlich seien Sparbücher viel riskanter, denn bei ihnen sei klar, dass man Verlust mache. Am Kapitalmarkt habe man zumindest eine Chance, das Inflationsrisiko zu umgehen.

7. Aktien sind nicht „nur was für reiche Leute“

Auch für deine Rente kannst du in Aktienfonds investieren.

Glaubenssätze wie diesen solltest du schleunigst hinterfragen, findet Schumann. Früher sei das noch gerechtfertigt gewesen, wo Anlegen am Aktienmarkt erst ab vielen tausend Euro möglich war. Aber heute? Da gehe das schon ab einem Euro. Gerade wer wenig verdiene, müsse das Geld ja möglichst clever für die Rente anlegen – das gehe auch mit Aktien, wenn man gewisse Dinge beachte.

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