Traurige Gewissheit

Vermisster Deutscher in Österreich tot: Wanderer rief noch selbst den Notruf

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Trotz schlechten Wetters wagte sich ein deutscher Wanderer in die Tiroler Alpen. Die Einsatzkräfte konnten den jungen Mann nicht mehr lebend bergen.

Update vom 05. Oktober 2024, 08.46 Uhr: Zwei Tage nachdem ein deutscher Wanderer in Österreich verschwand, herrscht traurige Gewissheit: Der 21-Jährige ist tot. Am Tag nach seinem Verschwinden gelang es Einsatzkräften, seinen letzten Notruf zu orten und mit einem Polizeihubschrauber anzufliegen. Vorher konnte der Einsatz aufgrund der Wetterverhältnisse nicht gestartet werden. „Es herrschten Schnee, Nebel und Wind“, sagte ein Spre­cher der Polizei am Samstagmorgen.

Wie die Tiroler Tageszeitung berichtet, fanden die Einsatzkräfte eine leblose Person am Ostgipfel der Hohen Munde in Tirol. Der junge Mann aus Deutschland soll nicht erfahren im Bergsteigen gewesen sein und unterschätzte die Gefahr auf den Gipfeln offenbar. Immer wieder wird das für Wanderer zum Verhängnis, die Rettungsteams sind wegen unbedachter Bergsteiger im Dauerbetrieb. Kürzlich gab es sogar einen Großeinsatz in Österreich, weil Touristen in Sommerkleidung beim Wandern vom Unwetter überrascht wurden.

Die Bergrettung dokumentierte auf ihrer Facebook-Seite die Suche nach dem vermissten Deutschen. Am späten Abend zwang das Wetter sie zum Abbruch. Das Schicksal des 21-Jährigen ist ungewiss. (Screenshot/Collage)

Großangelegte Suchaktion im Gange: Deutscher Bergsteiger in Alpen vermisst – Rief selbst noch um Hilfe

Erstmeldung vom 04. Oktober 2024, 22.40 Uhr: Tirol – Obwohl es heftig zu schneien begann, soll ein Bergsteiger aus Deutschland seine Tour in den Tiroler Alpen (Österreich) fortgesetzt haben. Wie der österreichische Rundfunk ORF berichtet, wird seit Donnerstagabend (3. Oktober) ein 21-Jähriger vermisst. Der Mann soll sogar selbst noch um Hilfe gerufen haben. Nach einer ersten erfolglosen Suchaktion riss auch der Telefonkontakt zu ihm ab.

Trotz plötzlichem Schneefall: Deutscher Bergsteiger geht weiter und wird nun vermisst

Vom Parkplatz der Rauth-Hütte ist der junge Bergsteiger mit einem Begleiter Richtung Munde-Gipfel gestartet. Als am frühen Nachmittag schwerer Schneefall einsetzte, habe der Begleiter die Tour abgebrochen. Der 21-Jährige sei aber weitergegangen, heißt es beim ORF.

Winter-Einbruch in Alpen-Ländern: Fotos zeigen Ausmaß in Österreich und der Schweiz

Österreich, Kals am Grosglockner: Die verschneite Landschaft rund um einen Bergbauernhof in Osttirol auf 1.735 Metern Höhe. Die Lage in Tirol ist weiterhin ruhig. Schnee ist bis in tiefere Lagen möglich. Oberhalb von 1.500 Metern Seehöhe kann es bis zu einem Meter Neuschnee geben.
Österreich, Kals am Grosglockner: Die verschneite Landschaft rund um einen Bergbauernhof in Osttirol auf 1.735 Metern Höhe. Die Lage in Tirol ist weiterhin ruhig. Schnee ist bis in tiefere Lagen möglich. Oberhalb von 1.500 Metern Seehöhe kann es bis zu einem Meter Neuschnee geben.  © Expa/Johann Groder/APA/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Österreich, Kals am Grosglockner: Wanderer im verschneiten Kalser Ködnitztal. Die Lage in Tirol ist weiterhin ruhig. Schnee ist bis in tiefere Lagen möglich. Oberhalb von 1.500 Metern Seehöhe kann es bis zu einem Meter Neuschnee geben.
Österreich, Kals am Grosglockner: Wanderer im verschneiten Kalser Ködnitztal. Die Lage in Tirol ist weiterhin ruhig. Schnee ist bis in tiefere Lagen möglich. Oberhalb von 1.500 Metern Seehöhe kann es bis zu einem Meter Neuschnee geben.  © Expa/Johann Groder/APA/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Auch in Österreich schneit es – sogar bis in Tallagen, wie hier im Gasteinertal.
Auch in Österreich schneit es – sogar bis in Tallagen, wie hier im Gasteinertal. © Matthias Markel/X
Eine zugeschneite Straße in Bad Gastein.
Eine zugeschneite Straße in Bad Gastein. © Alexander Haselmayer/X
Auch in der österreichischen Gemeinde Gargellen ist der erste Schnee gefallen.
Auch in der österreichischen Gemeinde Gargellen ist der erste Schnee gefallen. © Gargellen/X
Einen Wintereinbruch gibt es auch auf dem Grimselpass in der Schweiz.
Einen Wintereinbruch gibt es auch auf dem Grimselpass in der Schweiz. © IMAGO/Anton Geisser
Wintereinbruch auf dem Grimselpass in der Schweiz.
Wintereinbruch auf dem Grimselpass in der Schweiz.  © IMAGO/Anton Geisser

Gegen 16 Uhr habe er den Ostgipfel erreicht, doch umgehend per Sprachnachricht seinen Freund um Hilfe gebeten. Er solle einen Notruf absetzen. Doch die schlechten Wetterbedingungen erlaubten es den Rettungskräften nicht, mit einem Helikopter aufzusteigen. Zu Fuß habe sich ein 27-köpfiges Einsatzteam der Tiroler-Bergrettung auf die Suche nach ihm gemacht.

Anfangs noch Telefon-Kontakt – Vermisster deutscher Bergsteiger ist wohl verletzt

Anfangs habe noch telefonischer Kontakt zu dem Mann bestanden. Mittlerweile war er dem Bericht zufolge auch in eine körperliche Not geraten. Über das Telefon informierte er die Rettungskräfte darüber, dass er verletzt sei, nachdem er in dem Schnee-Chaos abgerutscht und etwa 70 bis 100 Meter tief gestürzt sei.

Auf rund 2.500 Meter, wo er vermutet worden war, fand das Rettungsteam den Mann nicht. Gegen 21 Uhr mussten sie die Suche aufgrund der Wetterverhältnisse einstellen, heißt es. Zwar nahmen die Bergretter die Suche am Freitag wieder auf, doch Telefonkontakt konnte nicht mehr aufgebaut werden. Auch eine Suche aus der Luft ließen die Bedingungen immer noch nicht zu. Schließlich mussten die Rettungskräfte die Aktion erneut erfolglos abbrechen.

Erst kürzlich waren Bergsteiger in den Alpen verunglückt, nachdem sie vom Schnee überrascht worden waren. Sie selbst hatten eine Lawine ausgelöst, ein Mann kam ums Leben.

Gefahr der Unterkühlung: Vermisster seit über einem Tag hilflos im Schnee

Woher der junge Mann kommt, ist ebenso unbekannt, wie dessen Erfahrungsstand im Bergsteigen. Laut einer Auswertung des Deutschen Alpenvereins (DAV) aus dem März 2024 geraten mehr als ein Drittel der Hilfe suchenden Bergsteiger wegen Überforderung in Not. Acht Prozent würden vom Wetter überrascht.

Es ist möglich, dass der Mann aufgrund des dichten Schnees die Orientierung verloren hat. Wie der DAV schreibt, sei das ursächlich für jeden Zweiten, der einen Notruf absetzt. So oder so: für den Vermissten beginnt allmählich ein Kampf gegen die Uhr. Denn mit jedem weiteren Tag sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Rettung. Vor allem das Wetter kann dem 21-Jährigen gefährlich werden.

„Wind oder nasse Klamotten führen schnell zur Auskühlung“, schreibt der DAV in einem Info-Artikel über das ernstzunehmende Problem der Unterkühlung. „Ausreichend Kleidung, Erste-Hilfe-Sets mit Rettungsdecke und ein leichter Biwaksack können dann lebensrettend sein.“ Über die Ausrüstung des Mannes ist nichts bekannt. Anfang September kostete eine Verkettung von Unglücken vier Urlaubern aus Deutschland in Österreich das Leben. (rku)

Rubriklistenbild: © Facebook/Bergrettung Leutasch

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