„Eskalation der Gewalt“

Sicherheitsproblem in Touristen-Hochburg Südtirol? Bei Bozens Wirten liegen Nerven blank

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In Südtirol knirscht es. Ausgerechnet im idyllischen Bozen verzweifeln Gastronomen. Brennpunkt ist die historische Altstadt.

Bozen – Traumhaftes Bergpanorama, Weinberge und kristallklare Seen – Bozen steht bei vielen Italien-Urlaubern ganz oben auf der Liste. Die Landeshauptstadt Südtirol liegt in den italienischen Alpen. Das Leben pulsiert in der historischen Altstadt, heißt es auf einschlägige Tourismusseiten. Doch jetzt berichten Wirte über eine „Eskalation der Gewalt“ im Bozner Stadtzentrum. Nach einigen Vorfällen fordern sie drastische Maßnahmen von Polizei und Politik.

Beliebtes Urlaubsziel in Südtirol: Bozen mit seiner historischen Altstadt, wie hier der Waltherplatz.

„Wir brauchen eine langfristige Lösung“ – Wirte in Bozen (Italien) verzweifelt

„Es reicht nicht aus, das Sicherheitsproblem zu diskutieren – wir brauchen glaubwürdige und langfristige Lösungen“, appelliert Kurt Unterkofler, Präsident der Gastronomie im Tourismusverband (Unione commercio turismo servizi Alto Adige) in einer Pressemitteilung.

Gastronomen, insbesondere rund um die Piazza Walther, die Piazza Domenicani und die Piazza delle Erbe, berichten demnach über eine deutliche Zunahme von Gewalt. Ständige Schlägereien und Übergriffen würden Gäste und Mitarbeiter verängstigen. In den letzten Wochen habe sich die Gewalteskalation beschleunigt. Die Besitzer der Lokale fordern mehr Überwachungskameras, bessere Beleuchtung, verstärkte Polizeikontrollen und -präsenz, entschlossenes Eingreifen und schnellere Gerichtsverfahren bei Gewalttätern.

Beliebtes Urlaubsziel in Südtirol: Bozen mit seiner historischen Altstadt, wie hier der Waltherplatz.

„Bozen verliert seinen Charme“

„Unsere Mitarbeiter und Gäste müssen sich sicher fühlen können. Nur so können wir unsere Tätigkeit fortführen und das kulturelle und gesellschaftliche Leben in der Innenstadt fördern“, so Unterkofler. Und warnt: „Bozen ist eine wunderbare Stadt mit einer reichen Geschichte, die jedoch, wenn die Entscheidungsträger nicht entsprechend eingreifen, weiterhin ihren Charme verlieren wird“. Dabei toben schon einige Südtiroler über Alpen-Touristen.

Angst nach Schlägereien in der Altstadt Bozen

Die italienische Zeitung Alto Adige berichtet von verschiedenen Massenschlägerei. Auf der Piazza Erbe ging eine Gruppe von Menschen am 1. Juli gegen 22 Uhr mit Flaschen und Stöcken aufeinander los. Flaschen flogen und trafen auch einen Kunden. Ähnliche Vorfälle ereigneten sich Ende Juni am Waltherplatz und zuvor am Obstmarkt. Betroffenen Gastronomen vermuten, dass sich die Kriminalität vom Bahnhofsgelände, das inzwischen stärker kontrolliert wird, auf die Altstadt verlagert hat.

Bozen in Südtirol ist ein beliebtes Urlaubsziel. Im Zentrum der historischen Altstadt klagen Gastronomen über zunehmende Gewalt (Archivfoto).

Italien: Bozener Solidarverein wettert gegen Sicherheits-Debatte

Südtirol hat nach Übergriffen in Bussen bereits strikte Maßnahmen zur Sicherheit ergriffen. Bus-Kontrolleure in Bozen sind nun mit Bodycams ausgestattet. Die Kameras sollen Beweise für Gewalt, Diebstähle oder Sachbeschädigungen liefern und auch Eskalationen vermeiden. Den Gastronomen reicht das jedoch nicht aus.

Der Bozener Solidarverein (L‘associazione Bozen solidale), eine offenbar gemeinnützige Organisation, mischt sich in die Debatte um mehr Sicherheit ein. „Was passiert, wenn man ständig Sicherheit (wahrgenommen), Ordnung, Legalität, Militarisierung des Gebiets und allgegenwärtige Präsenz der Ordnungskräfte verspricht?“, zitiert rainews.it aus einer Mitteilung des Solidarvereins. „Diejenigen, die am Rande stehen und in schwierigen und schwierigen Situationen leben, zahlen die Kosten, sie machen weiter.“

Laut Bozen Solidale würden Stadtplätze zu überwachten Zonen werden, in denen jede als „anomale“ betrachtete Bewegung untersucht und möglicherweise kriminalisiert wird. Fragen, ob Menschen in der teuersten Stadt Italiens Probleme haben, über die Runden zu kommen oder eine Unterkunft zu finden, stelle sich keiner.

Im Frühjahr sorgten schlaflose Nächte in der Bozener Altstadt für Schlagzeilen. Der „Alptraum für Anwohner“ brachte die Südtiroler zur Weißglut. Ein Tier löste dagegen Unruhen an einem Südtiroler Badesee aus, nicht ein Mensch. (ml)

Rubriklistenbild: © Matteo Groppo/dpa

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