Deutsche Bahn

Drohen nochmal neue Bahnstreiks? Der aktuelle Stand

  • schließen

Nach dem Streik Ende Januar verhandeln Bahn und GDL wieder. Bis zum 3. März herrscht Friedenspflicht. Ohne Einigung könnte es danach neue Streiks geben.

Köln – Die Deutsche Bahn und die Lokführergewerkschaft GDL verhandeln wieder. Diese Nachricht lässt seit einigen Tagen nicht nur Berufspendler aufatmen. Am 5. Februar haben beide Seiten im festgefahrenen Tarifkonflikt die Gespräche wieder aufgenommen. Der Annäherung war zuvor Ende Januar ein knapp fünftägiger Bahnstreik der GDL vorausgegangen. Bundesweit und auch in NRW waren tagelang die meisten Züge ausgefallen. Der Frust bei Bahnreisenden war groß. Jetzt ist endlich Ruhe eingekehrt – zumindest vorübergehend. Ist die Streik-Gefahr damit gebannt? Der aktuelle Stand im Überblick.

Wird es bald den nächsten Bahnstreik der GDL geben?

Klar ist auf jeden Fall: Bis einschließlich 3. März wird es keine weiteren Streiks geben. Im Rahmen der aktuellen Verhandlungen haben Bahn und GDL eine sogenannte Friedenspflicht bis zum 3. März vereinbart. Bis dahin können Bahnreisende also beruhigt sein. Sollten die Gespräche aber zu keiner Einigung führen, dann könnte die GDL nach dem 3. März mit weiteren Streiks erneut Druck auf die Arbeitgeberseite ausüben.

GDL-Chef Claus Weselsky fordert für die Beschäftigten unter anderem eine Absenkung der Wochenarbeitszeit von 38 auf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich (IDZRNRW-Montage).

Drohen auch längere Streiks?

Dass die GDL auch vor längeren Streiks nicht zurückschreckt, hat die Gewerkschaft in dieser Tarifrunde bereits mehrfach bewiesen. Es gab in der aktuellen Tarifrunde bereits vier GDL-Streiks, zwei davon über mehrere Tage (knapp drei und fünf Tage). Theoretisch wäre sogar ein unbefristeter Streik der GDL möglich. Im Dezember hatte die Gewerkschaft mit einer Urabstimmung die Weichen dafür gestellt. Bislang wollte GDL-Chef Weselsky diese Option aber noch nicht ziehen.

Wie können weitere Bahnstreiks verhindert werden?

Sollten die derzeit stattfindenden Gespräche zwischen Bahn und GDL zu einer Einigung führen, wären weitere Streiks sofort vom Tisch.

GDL einigt sich mit mehreren Bahnunternehmen

Die GDL hatte zuletzt mehrere Abschlüsse mit kleineren Bahnunternehmen erzielt, darunter beispielsweise mit der Eurobahn oder der vor allem in Hessen aktiven Cantus Verkehrsgesellschaft. Teil der Einigungen ist neben Lohnerhöhungen jeweils auch eine Absenkung der Wochenarbeitszeit.

Wie wahrscheinlich ist eine Einigung zwischen Bahn und GDL?

Das lässt sich derzeit kaum abschätzen, weil beide Seiten betont haben, die Verhandlungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu führen. Zwischenstände werden nicht mitgeteilt. Bislang lagen Bahn und GDL aber vor allem im Hinblick auf die Kernforderung der GDL bei diesen Tarifverhandlungen, die Senkung der Wochenarbeitszeit für Schichtarbeiter von 38 auf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich, noch weit auseinander. Die Bahn hatte zuletzt öffentlich eine Absenkung auf 37 Stunden angeboten, was von der GDL im Januar abgeschmettert und mit dem fünftägigen Streik quittiert wurde.

Vor den nun stattfindenden Verhandlungen äußerte sich Weselsky aber optimistischer: „Insbesondere die Verhandlungsbereitschaft der DB zur Arbeitszeitabsenkung für Schichtarbeiter ist zentral bedeutsam.“ Es besteht also Hoffnung, dass sich beide Seiten ausreichend annähern können. Die Bahn hat in Person von DB-Chef Richard Lutz am Sonntag (11. Februar) nochmal ihre Verhandlungsbereitschaft betont. Das Angebot des Konzerns wäre finanziell das höchste, das es je gegeben habe. „Insofern brauchen wir uns da, glaube ich, nicht zu verstecken“, sagte Lutz der Bild am Sonntag. Ihm sei wichtig, gute Kompromisse und Tarifverträge zu finden, die für Sicherheit für Fahrgäste und Güterkunden sorgten.

Was fordert die GDL von der Deutschen Bahn?

Die Tarifverhandlungen zwischen Bahn und GDL laufen bereits seit November. Schon während der zweiten Gesprächsrunde hatte die GDL die Verhandlungen für gescheitert erklärt. Es folgten mehrere Streiks und die Situation eskalierte immer weiter. Erst seit Ende Januar gibt es wieder eine Annäherung.

Die GDL fordert in der aktuellen Tarifrunde von der Deutschen Bahn neben mehr Lohn und einer Inflationsausgleichsprämie vor allem eine Senkung der Wochenarbeitszeit für Schichtarbeiter von 38 auf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich. Mit mehreren anderen Bahnunternehmen in Deutschland, darunter auch Transdev, dem zweitgrößten Arbeitgeber in der Branche nach der Deutschen Bahn, konnte sich die GDL bereits einigen und ihre Forderungen durchsetzen. Ob das jetzt auch mit der Bahn klappt, wird sich voraussichtlich bis Anfang März zeigen.

Parallel macht auch ein Tarifstreit im ÖPNV Pendlern zu schaffen. Die Gewerkschaft Verdi verhandelt mit den kommunalen Arbeitgebern über einen neuen Manteltarifvertrag und bessere Arbeitsbedingungen. Im Februar standen wegen Warnstreiks schon zweimal Busse und Bahnen im Nahverkehr in NRW vielerorts still. Hier scheinen beide Seiten ebenfalls noch weit von einer Einigung entfernt zu sein. Neue Streiks hatte Verdi erst am 16. Februar ausdrücklich nicht ausgeschlossen. (bs)

Rubriklistenbild: © snapshot/Imago & Martin Wagner/Imago

Kommentare