Studie warnt: Hohe Strompreise gefährden Hälfte der Arbeitsplätze
VonLeon Kaiser
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Kleine und mittlere Unternehmen leiden unter hohen Strompreisen. Eine Studie kritisiert die Politik der Bundesregierung und macht einen Vorschlag.
Berlin – Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind von den Kosten der Energiewende massiv betroffen. Das zeigt eine Studie der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). Die Betriebe ächzen den Autoren zufolge vor allem unter den steigenden Stromkosten. Das berichtet die Welt, der die Studie exklusiv vorliegt.
Kosten der Energiewende: Welche Unternehmen belasten die Strompreise am meisten?
Denn: 99,4 Prozent der deutschen Unternehmen zählen zu den KMU. Besonders belastet seien Betriebe, die auf energieintensive Vorprodukte angewiesen sind, heißt es in der DIHK-Studie weiter. Dazu gehören vor allem die Lebensmittelindustrie, Konsumgüterindustrie und der mittelständisch geprägte Maschinenbau sowie die Elektrotechnik.
Im Gewerbe und Handel könnten sich die Stromnetzentgelte, die bereits jetzt etwa ein Drittel des Preises ausmachen, bis 2045 um 63 Prozent erhöhen. Noch deutlicher schießen der Studie zufolge die Netzentgelte für Gas in die Höhe: „Im Gewerbesektor steigen sie von 1,6 Cent pro Kilowattstunde auf 4,3 Cent im Jahr 2040.“ Denn durch die im Zuge der Energiewende geringer werdende Zahl an Gaskunden verteilten sich die Netzentgeltkosten auf immer weniger Betriebe. Dadurch steige für die Einzelnen der Preis.
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Nur wenige Betriebe profitieren von Energie-Politik
Um dem entgegenzuwirken, fordern die Experten, dass die Bundesregierung die Stromsteuer für alle senkt. Das hatten CDU und SPD in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt, sich aber letztlich darauf geeinigt, sie nur für Industrieunternehmen sowie die Land- und Forstwirtschaft zu senken. Von der Steuersenkung profitieren laut Angaben der Bundesregierung etwa 600.000 Unternehmen. In Deutschland gibt es laut Statistischem Bundesamt etwa 3,5 Millionen Betriebe.
Alexander von Preen, Präsident des Deutschen Handelsverbands, kritisierte diese Entscheidung kürzlich in einer Pressemitteilung. „Statt für Entlastung zu sorgen, lässt die Politik große Teile der Wirtschaft und die privaten Haushalte links liegen.“ Für Händler seien die hohen Energiekosten eine enorme Herausforderung und gefährdeten ihre Wettbewerbsfähigkeit. „Wenn die Preise nicht sinken, gerät der Handel in Schieflage und mit ihm der gesamte Wirtschaftsstandort“, sagte von Preen.
Die Bundesregierung plant derzeit nicht, die Stromsteuer für alle zu senken. Stattdessen hat das Kabinett kürzlich beschlossen, ab 2026 6,5 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds an die Netzbetreiber zu zahlen. Das soll laut Bundesregierung die Stromkosten für private Haushalte um etwa 10 Milliarden Euro pro Jahr senken. Eine Prognose zu den Ersparnissen kleiner und mittlerer Unternehmen gibt es von der Regierung nicht.
Wirtschaftsministerin Reiche kündigt Industriestrompreis an
Neben diesen Beschlüssen hat Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) am Montag bekanntgegeben, dass sie davon ausgehe, dass es ab dem kommenden Jahr einen Industriestrompreis geben werde. Sie sei derzeit in den letzten Zügen bei den Verhandlungen mit der EU. Diese muss der Beihilfe für die deutsche Wirtschaft noch zustimmen. Wie der Industriestrompreis aussehen soll und ob auch kleine und mittlere Unternehmen profitieren werden, ist bislang unklar. Nach Informationen der Tagesschau war in einem früheren Papier des Wirtschaftsministeriums von einer Senkung von fünf Cent pro Kilowattstunde die Rede. (Quellen: Die Welt, Statistisches Bundesamt, Tagesschau, Deutscher Handelsverband, Bundesregierung) (Leon Kaiser)