Klimaneutralität kostet Billionen

„Energiewende nur mit leistungsfähiger Wirtschaft“: Steht die deutsche Industrie vor dem Aus?

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Die Energiewende wird Deutschland viele tausende Milliarden Euro kosten. Opfert Deutschland dafür seine Wettbewerbsfähigkeit? “Mit der aktuellen Politik ist die Energiewende nicht zu stemmen“

Berlin – Die hohen Kosten für Strom sind für deutsche Unternehmen eine große Belastung, vor allem in energieintensiven Sparten. Denn die Energiewende ist teuer und mit hohen Investitionskosten verbunden. Die Politik arbeitet zwar an Entlastungen, doch stromintensive Branchen wie die Stahlindustrie befürchten ein „Flickwerk“ statt echter Lösungen. Eine neue Studie schlägt zudem Alarm, was die immensen Kosten für Unternehmen betrifft. DIHK-Präsident Peter Adrian warnt: „Dabei funktioniert die Energiewende nur mit einer leistungsfähigen Wirtschaft.“ 

Deutschlands hoher Preis für die Energiewende: Die Kosten summieren sich auf 5.000.000.000.000 Euro 

Der Umbau des deutschen Energiesystems hin zur Klimaneutralität ist teuer – wie teuer, zeigt eine aktuelle Studie im Auftrag der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). Diese schätzt die Kosten der Energiewende bis 2049 auf über fünf Billionen Euro (5.000 Milliarden Euro). „Energieintensive Unternehmen verlagern ihre Produktion und damit Arbeitsplätze schon jetzt verstärkt ins Ausland“, meint DIHK-Präsident Peter Adrian. Dabei benötige man eine leistungsfähige Wirtschaft, um die Energiewende zu schaffen. 

Die DIHK befürchtet, dass der Wirtschaftsstandort Deutschlands auf dem Spiel steht. Denn der Weg hin zur Klimaneutralität in seiner aktuellen Ausgestaltung führe langfristig zu massiven Kostenbelastungen, die mit der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland nur schwer vereinbar seien.

Emergiewende: Die DIHK befürchtet, dass der Wirtschaftsstandort Deutschlands auf dem Spiel steht. (Symbolbild)

Insolvenz eines Stahlunternehmens erschüttert Hessen: Über 450 Mitarbeiter ohne Job

Aktuelles Negativbeispiel ist Buderus Edelstahl. Das Unternehmen muss sein Werk in Hessen schließen, über 450 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Das Edelstahlunternehmen ist nur eines von vielen Beispielen, die die Nachrichten täglich füllen. Auf dem Eingang in Wetzlar prangt laut Frankfurter Allgemeine immer noch der Slogan: „Unser Herz aus Stahl hat eine grüne Zukunft“. 

Es ist das einzige Stahlwerk des Bundeslands. Trotz modernster Ausstattung wird es im Oktober stillgelegt. So modern das Werk auch ist, der hoch entwickelte Elektro-Lichtbogenofen frisst enorme Mengen Strom – und genau der ist in Deutschland besonders teuer.

Rund 470 der aktuell etwa 1150 Arbeitsplätze fallen weg, wie die Belegschaft kürzlich in einer Betriebsversammlung erfuhr. Den Standort trifft das hart, kündigte doch bereits der Automobilzulieferer Continental erst vor wenigen Monaten an, sein Werk zu schließen. 

Politik ohne klare Linie: „Branche steht mit dem Rücken zur Wand”

Die Bundesregierung will 2026 die Netzentgelte mit einem Zuschuss zu den Übertragungsnetz-Kosten senken. Für die Stahlindustrie wäre das eine dringend benötigte Entlastung: Seit dem Wegfall der staatlichen Unterstützung 2023 haben sich die Netzentgelte um 130 Prozent verteuert – ein massiver Nachteil im internationalen Wettbewerb. Die Entlastung gilt jedoch nur für das kommende Jahr und kann unterjährig angepasst werden. Die Stahlbranche kritisiert die fehlende Planungssicherheit für stromintensive Unternehmen. 

„Wir brauchen eine verlässliche und langfristige Senkung der Netzentgelte. Hier muss dringend nachgesteuert werden“, meint Kerstin Maria Rippel, Haupt­geschäfts­führerin der Wirtschafts­vereinigung Stahl in einer Verbandsmitteilung. „Jährliche Einzelentscheidungen bedeuten auch jährliche Unsicherheiten, ob es eine weitere Verlängerung gibt und wie diese ausfällt. Das ist Gift für Wettbewerbsfähigkeit und Investitionen in einer Zeit, in der die Branche mit dem Rücken zur Wand steht und zugleich Milliarden in den Umbau zur Klimaneutralität investiert.“ 

Jährliche Einzelentscheidungen bedeuten jährliche Unsicherheiten, ob es eine weitere Verlängerung gibt und wie diese ausfällt. Das ist Gift für Wettbewerbsfähigkeit...

Kerstin Maria Rippel, Haupt­geschäfts­führerin der Wirtschafts­vereinigung Stahl

Die von der DIHK beauftragte Studie „Neue Wege für die Energiewende (‚Plan B‘)“ der Beratung Frontier Economics warnt vor vor den stark steigenden Kosten. Für den Zeitraum 2025 bis 2049 werden 4,8 bis 5,4 Billionen Euro veranschlagt – vor allem für Energieimporte, Netze und neue Kraftwerke. Bleibt die aktuelle Politik bestehen, müssten private Investitionen in Energie, Industrie, Gebäude und Verkehr deutlich steigen: von bislang durchschnittlich 82 Milliarden Euro (2020–2024) auf mindestens 113 bis 316 Milliarden Euro pro Jahr bis 2035.

DIHK-Präsident: „Die Zahlen zeigen: Mit der aktuellen Politik ist die Energiewende nicht zu stemmen“

Die DIHK warnt davor, dass Investitionen in die Energiewende oft keinen unmittelbaren Ertrag bringen. Das nötige Kapital müsse daher zunächst an anderer Stelle erwirtschaftet werden. „Die Belastung von Unternehmen und Bevölkerung erreicht jedoch ein Niveau, das unseren Wirtschaftsstandort, unseren Wohlstand und damit auch die Akzeptanz der Energiewende gefährdet.“ Die Konsequenzen seien bereits spürbar: „Energieintensive Unternehmen verlagern ihre Produktion und damit Arbeitsplätze schon jetzt verstärkt ins Ausland.“

Der DIHK-Präsident warnt daher: „Wenn wir den aktuellen Weg der Energiepolitik unter diesen Vorgaben weitergehen, gefährden wir nicht nur den Wirtschaftsstandort Deutschland, sondern erweisen auch dem notwendigen Ziel der Klimaneutralität einen Bärendienst.“ Ohne Kurswechsel in der Energiepolitik drohen die Kosten der Energiewende Deutschland zu erdrücken

Rubriklistenbild: © IMAGO / Panama Pictures

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