Haushalt unter Druck

Putin kämpft gegen Billionenproblem: Russlands Wirtschaft geht das Geld aus

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Putins Finanzproblem verschärft sich. Der Kreml muss nun Maßnahmen ergreifen, um die Haushaltslöcher zu stopfen. Dafür ließ Putin notgedrungen Verkäufe durchführen.

Moskau – Russlands Wirtschaft ist knapp bei Kasse. Um das Haushaltsdefizit auszugleichen, hat Kremlchef Wladimir Putin Anleihen im Wert von knapp zwei Billionen Rubel verkaufen lassen. Das russische Finanzministerium hat an einem Tag drei Auktionen durchgeführt, wodurch 1,75 Billionen Rubel für den Etat aufgenommen werden konnten.

Russlands Wirtschaft in der Krise – Ministerium verkauft Aktien, um Lücken zu schließen

Der Großteil der Einnahmen stammte laut Informationen der Moscow Times aus der Platzierung der OFZ-Anleihen. Bei der Aktienplatzierung werden Wertpapiere öffentlich oder privat verkauft. Unter OFZ versteht man staatliche Anleihen, die von der russischen Regierung ausgegeben werden und für das russische Finanzsystem von wesentlicher Bedeutung sind. Das russische Finanzministerium hat OFZ-Anleihen im Wert von 876 Milliarden Rubel mit Fälligkeit 2039 und Anleihen im Wert von 815 Milliarden Rubel mit Fälligkeit 2041 verkauft.

Putins Finanzproblem verschärft sich. Der Kreml muss nun Maßnahmen ergreifen, um die Haushaltslöcher zu stopfen.

Das russische Finanzministerium erwägt laut Bloomberg offenbar auch den Verkauf von Yuan-Staatsanleihen, also Anleihen chinesischer Währung. Im Dezember wolle der Kreml seine ersten Yuan-Anleihen auf dem Markt anbieten. Laut Moscow Times und Bloomberg sind diese Maßnahmen ein Zeichen dafür, dass Putin die Einnahmen erhöhen will, um die gestiegenen Militärausgaben zu finanzieren und Einbrüche bei den Öleinnahmen zu kompensieren.

Finanzen der russischen Wirtschaft unter Druck: Russlands Haushalt kämpft mit Defiziten

2025 verabschiedete der Kreml den Haushalt mit einem Defizit von 5,7 Billionen Rubel und auch in den Jahren danach klafft höchstwahrscheinlich ein größeres Loch. Laut dem Entwurf des Bundeshaushalts für 2026–2028 wird das Defizit im Jahr 2026 3,786 Billionen Rubel (1,6 Prozent des BIP) betragen und damit deutlich höher sein als die zuvor prognostizierten 2,181 Billionen Rubel (0,9 Prozent des BIP). Für 2027 wird es voraussichtlich 3,186 Billionen Rubel (1,2 Prozent des BIP) und für 2028 3,514 Billionen Rubel (1,3 Prozent des BIP) betragen. Das berichtete die Moscow Times.

Putin könnte wegen Problemen in der russischen Wirtschaft zurückrudern

Seit geraumer Zeit vergrößert sich die Lücke zwischen den Ein- und Ausnahmen des russischen Haushalts. Grund für die sinkenden Einnahmen sind besonders die westlichen Sanktionen. Jüngst hat US-Präsident Donald Trump die russischen Raffinerien Lukoil und Rosneft auf die schwarze Liste gesetzt und westlichen Firmen jeglichen Handel mit beiden Raffinerien untersagt.

Indien und China haben als Reaktion auf die Sanktionen einen Importstopp angekündigt. Indien soll sogar Gespräche mit anderen Ländern aufgenommen haben, um russisches Öl zu ersetzen. Auch die regelmäßigen Attacken der Ukraine auf die russischen Raffinerien könnten langfristig den Ölhandel erschweren und Putins Kriegskasse schmälern.

Zugleich pumpt Putin noch immer das meiste Geld in die Rüstungsindustrie. Für 2025 plant der Kreml 6,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für die Verteidigung ein. Doch aufgrund der schwierigen Finanzlage, die auch heimische Firmen in Mitleidenschaft zieht, will der Kremlchef etwas zurückrudern. Im Juni 2025 bezeichnete er vor Journalisten die hohen Investitionen in die Verteidigung und Rüstung als „eines der Probleme, auch für den Haushalt, die wir lösen müssen.“ Er erwäge sogar, diese Ausgaben im Jahr 2026 zu reduzieren, ohne ins Detail zu gehen. (Quellen: Bloomberg, Moscow Times) (bohy)

Rubriklistenbild: © Maxim Shipenkov/EPA

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