Autopapst kritisiert IG-Metall-Idee für ZF Friedrichshafen: „Kommt einer Kapitulation gleich“
VonJulian Baumann
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Könnten Staatshilfen dem stark verschuldeten Technologiekonzern ZF Friedrichshafen aus der Misere helfen? Autoexperte Dudenhöffer hat eine klare Ansicht.
Friedrichshafen – Der Technologiekonzern ZF mit Hauptsitz in Friedrichshafen (Bodenseekreis, Baden-Württemberg) hatte im vergangenen Jahr einen massiven Umsatzeinbruch zu verkraften, und auch im ersten Halbjahr 2025 sehen die Zahlen nur geringfügig besser aus. Der durch Milliardenübernahmen stark verschuldete Autozulieferer hat als Reaktion bereits ein Sparprogramm ausgerufen, bei dem bis 2028 in Deutschland zwischen 11.000 und 14.000 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen. Zudem ist die Zukunft der zentralen Antriebssparte, die laut Konzernchef Holger Klein ausgelagert, aber nicht verkauft werden soll, nach wie vor offen.
Können Staatshilfen oder gar ein temporärer Einstieg die ZF Friedrichshafen aus der Misere führen? Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hat dazu eine klare Meinung. (Fotomontage)
Diese Entwicklungen beim zweitgrößten deutschen Automobilzulieferer haben in der Belegschaft massive Sorgen geschürt, die sich immer wieder in Protestaktionen und Demonstrationen manifestieren. Ende Juli hatte die IG Metall Baden-Württemberg zur Abmilderung der Krise Staatshilfen oder sogar einen temporären Einstieg des Staates bei der ZF Friedrichshafen ins Spiel gebracht. „Es braucht politische Antworten auf die sich zuspitzende Lage“, erklärte Bezirksleiterin Barbara Resch. Der als „Autopapst“ bekannte Branchenkenner Ferdinand Dudenhöffer hat dazu eine klare Meinung.
Staatshilfen für die ZF Friedrichshafen? Experte: „Dann kann man die Zukunft begraben“
Nachdem bekannt wurde, dass die ZF Friedrichshafen eine Abspaltung oder sogar einen Verkauf der zentralen Antriebssparte, der sogenannten Division E, in Erwägung zieht, erklärte Ferdinand Dudenhöffer, dass dies „durchaus die richtige Entscheidung“ wäre. In Bezug auf Staatshilfen für den 1915 gegründeten Stiftungskonzern vom Bodensee ist er aber ganz anderer Meinung. „Nach Staatshilfen zu rufen, kommt einer Kapitulation gleich“, machte der gebürtige Karlsruher laut der Schwäbischen Zeitung deutlich. „Das wird Berlin – und das kann Berlin – nicht machen. Und Staatshilfen ohne Brüssel – unvorstellbar.“
Name
ZF Friedrichshafen AG
Gründungsjahr
1915
Hauptsitz
Friedrichshafen, Baden-Württemberg
Branche
Automobilzulieferer, Mobilitätssysteme
Mitarbeiterzahl
161.600 (Stand: Ende 2024)
Produktionsstandorte
168 in 32 Staaten
Hauptentwicklungsstandorte\t
19 in neun Ländern
Umsatz
41,4 Milliarden Euro (2024)
Geschäftsführung\t
Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender)
Anteilseigner
93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung
Die ZF Friedrichshafen AG, die aus dem Zeppelin-Konzern hervorging, ist ein Stiftungsunternehmen im mehrheitlichen Besitz der Zeppelin-Stiftung, die wiederum von der Stadt Friedrichshafen verwaltet wird. Bei einem – wenngleich nur temporären – Einstieg des Staates würde fortan die Politik die Geschicke eines der größten Industrieunternehmen des Landes steuern. „Dann entscheiden Politiker, ob etwa in China eine Fabrik gebaut wird“, führte Dudenhöffer aus. „Damit kann man die Zukunft begraben.“
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Große Baustellen bei der ZF Friedrichshafen: Dudenhöffer sieht aber gewisse Chancen
Die ZF Friedrichshafen hat derzeit nicht nur mit einem hohen Schuldenberg durch die Übernahme der US-Konkurrenten TRW und Wabco zu kämpfen, sondern auch mit der schwierigen und langsamen Transformation zur Elektromobilität. Da der Konzern im ersten Halbjahr 2025 nicht aus den roten Zahlen herauskam, werden inzwischen sogar Kündigungen nicht ausgeschlossen. ZF hat bereits bestätigt, weitere deutsche Standorte schließen zu wollen. Das Werk in Eitorf (Nordrhein-Westfalen) soll beispielsweise spätestens Ende 2027 geschlossen werden.
Der ZF-Vorstand um CEO Holger Klein hat demnach noch eine Menge zu tun, um den Industriegiganten zurück in die Spur zu bekommen. „Natürlich ist hier keiner begeistert“, hatte der Vorstandsvorsitzende bereits bei der Bilanzpressekonferenz vor rund einem Jahr betont. „Wir würden alle lieber wachsen.“ Dudenhöffer sieht trotz der immensen Herausforderungen zumindest eine gewisse Chance. Statt Staatshilfen könnte eine Partnerschaft, wie sie ZF mit dem Apple-Zulieferer Foxconn aus Taiwan für die Achsmontage-Sparte geschlossen hat, Abhilfe schaffen.