Kauf weiterer F-35-Kampfjets? Dementi um Aufrüstung der Luftwaffe
VonPatrick Freiwah
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Die angebliche neue Bestellung deutscher Kampfjets bei Lockheed Martin hätte US-Präsident Trump gefreut. Doch Berlin bremst die Spekulationen um die F-35 aus.
Berlin/Frankfurt – Die Bundeswehr stand kurzzeitig im Zentrum eines milliardenschweren Rüstungsgerüchts: Nach Spiegel-Informationen plante Verteidigungsminister Boris Pistorius, 15 weitere F-35-Kampfjets vom US-Hersteller Lockheed Martin zu bestellen.
Doch wenig später folgt das Dementi aus dem Verteidigungsministerium. Was steckt hinter den widersprüchlichen Berichten – und welche Rolle spielt die F-35 für die deutsche Luftwaffe?
F-35 von Lockheed-Martin: Die Zukunft der deutschen Luftwaffe
Die F-35 von Lockheed Martin ist einer der modernsten Kampfjets weltweit. Bereits 35 Modelle wurden für die Bundeswehr geordert, die ersten sollen ab 2027 bei der Luftwaffe fliegen und die betagten Tornado-Jets ersetzen. Mit einer möglichen neuen Bestellung würde die deutsche F-35-Flotte auf stolze 50 Exemplare anwachsen.
Die F-35 ist dabei nicht nur ein Symbol für technische Innovation, sondern auch die strategische Ausrichtung der deutschen Verteidigungspolitik. Denn die Kampfjets sollen künftig die sogenannte „nukleare Teilhabe“ sicherstellen: Im Ernstfall könnten sie in Deutschland gelagerte US-Atomwaffen an Zielorte bringen.
Lockheed Martin und die Milliarden aus Deutschland
Dem Bericht zufolge habe der Auftrag einen Wert von rund 2,5 Milliarden Euro – eine Summe, die im deutschen Verteidigungshaushalt bislang als Wunschdenken galt. Doch dank einer Ausnahmeregel für sicherheitsrelevante Ausgaben hat Minister Boris Pistorius nun mehr Spielraum.
Eine weitere Bestellung der F-35 würde nicht nur Lockheed Martin freuen: US-Präsident Donald Trump betonte mehrfach, dass amerikanische Unternehmen von europäischen Investitionen in die Verteidigung profitieren sollen. Dabei befindet sich Deutschland mit dem Fünf-Prozent-Ziel der Nato inmitten einer historischen Wende.
Doch das Bundesverteidigungsministerium stellte klar: „Derzeit gibt es keine Überlegungen für eine Beschaffung weiterer F-35“, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters eine Sprecherin. Damit ist der angebliche Milliardenauftrag vorerst vom Tisch.
F-35 für die Bundeswehr: Neue Anforderungen, neue Kampfjets
Die Bundeswehr reagiert nicht nur mit der Anschaffung von F-35-Kampfjets auf die verschärften Nato-Anforderungen. Zusätzlich wurden 20 modernisierte Eurofighter bestellt, die aus europäischer Produktion stammen.
Die F-35 der fünften Generation sollen einen zentralen Baustein für die zukünftige Luftverteidigung der NATO bilden – insbesondere im Hinblick auf die politisch-militärische Auseinandersetzung mit Russland.
Aufrüstung der deutschen Luftwaffe: Standort, Kosten und Abhängigkeit
Mit der steigenden Zahl an F-35-Jets würde sich laut Spiegel zudem die Frage nach weiteren Standorten stellen. Die bisher geplanten Modelle werden am Fliegerhorst Büchel stationiert, wo auch amerikanische Atomwaffen lagern. Der Umbau des teils unterirdischen Stützpunktes ist komplex und teurer als geplant:
Die Kosten sind von ursprünglich 700 Millionen auf rund zwei Milliarden Euro gestiegen. Kritiker bemängeln nicht nur die hohen Ausgaben, sondern auch die Investitionen in Richtung USA: Stimmen aus der europäischen Rüstungsindustrie fordern mehr Autonomie und warnen vor einem Verlust wirtschaftspolitischer Unabhängigkeit.
Kampfjets für Deutschland: FCAS-Projekt droht das Scheitern
Ein Grund für die mögliche Aufstockung der F-35-Bestellung könnte das stockende FCAS-Projekt sein, das gemeinsam mit Frankreich und Spanien entwickelt werden sollte. Das Projekt droht in Anbetracht der derzeitigen Differenzen zu scheitern, die Bundeswehr müsste dann wohl anderweitig mit Kampfjets versorgt werden – und da käme auch Lockheed Martin infrage.
Von Taurus bis Leopard – die Waffensysteme der Bundeswehr im Überblick
Dies könnte die europäische Verteidigungsindustrie langfristig schwächen und die Abhängigkeit von den USA weiter erhöhen. So ist die geplante Ergänzungsbeschaffung von F-35-Kampfjets für die Bundeswehr mehr als ein gewöhnlicher Rüstungsdeal. Sie steht für technologische Modernisierung, geopolitische Weichenstellungen und wirtschaftliche Interessen. (PF)