Bürgergeld-Aus für Ukrainer verschärft Problem: Behörde braucht Milliarden vom Bund
VonMax Schäfer
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Die Bundesagentur für Arbeit braucht weitere Bundesmilliarden. Das von der Merz-Regierung geplante Bürgergeld-Aus für Ukraine-Geflüchtete ist Teil des Problems.
Nürnberg – Die Bundesagentur für Arbeit (BA) gerät finanziell unter Druck: Wegen der höheren Arbeitslosigkeit und der schwachen Konjunktur muss die BA zusätzliche Kredite beim Bund aufnehmen. Bis 2026 werden sich diese voraussichtlich auf 6,22 Milliarden Euro summieren, so die Erwartung von deren Chefin Andrea Nahles. „Das ist eine der unkomfortabelsten Situationen, die wir seit Langem hatten“, erklärte sie.
Für viele Erwerbslose ist die Arbeitsuche beim aktuellen Arbeitsmarkt schwierig – für die Bundesagentur für Arbeit unter Führung von Andrea Nahles steigt deshalb die finanzielle Belastung. (Montage)
Im laufenden Jahr erwartet die Arbeitsagentur ein Defizit von 5,2 Milliarden Euro. Außerdem müsse sie alle noch vorhandenen Rücklagen auflösen. Dazu brauche sie ein Darlehen des Bundes von über 2,2 Milliarden Euro. 2026 rechnet die BA mit einem Defizit von knapp vier Milliarden Euro. Wegen fehlenden Rücklagen muss der Bund dann in voller Höhe einspringen.
Arbeitsagentur ächzt unter Milliarden-Last: Verwaltungsrätin mit klarer Forderung an Merz-Regierung
Grundlage der Berechnung ist die Herbstprognose der Bundesregierung. Diese rechnet mit einem Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Zahl der Arbeitslosen werde im Jahresdurchschnitt mit 2,9 Millionen knapp unter der Marke von drei Millionen liegen. Das sei jedoch nach wie vor „spürbar über den Werten früherer Jahre“, wie es in einer BA-Mitteilung heißt.
Angesichts der steigenden Ausgaben und der benötigten Bundesmilliarden, forderte Christina Ramb, stellvertretende Vorsitzende des BA-Verwaltungsrats, der Arbeitsagentur keine weiteren versicherungsfremden Leistungen aufzubürden. Auch die bestehenden Aufgaben sollen „nicht länger aus dem Beitragshaushalt finanziert“ werden, stattdessen sollte der Bund „die Kosten dafür konsequent und transparent“ erstatten.
Bürgergeld-Aus für Ukraine-Geflüchtete führt zur „erheblichen Belastung“
Doch genau diesen Weg geht die Regierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) durch den Rechtskreiswechsel der Geflüchteten aus der Ukraine. Neu zugereiste Ukrainerinnen und Ukrainer sollen kein Bürgergeld mehr bekommen, sondern Leistungen für Asylsuchende. Dieser Wechsel werde für die BA zu einer „erheblichen Belastung“, erklärte Ramb laut Handelsblatt. Im steuerfinanzierten System des Bürgergelds waren die Jobcenter für die Arbeitsvermittlung zuständig. Bei einer Umstellung gebe es einen hohen zusätzlichen Verwaltungsaufwand, so die Kritik der BA, die sich vor allem durch Beiträge der Arbeitslosenversicherung finanziert. Dazu steige der Personalaufwand der Agenturen.
Engpässe belasten Wirtschaft: In diesen 15 Berufen ist der Fachkräftemangel am größten
Dazu muss die BA seit 2025 auch Weiterbildungs- und Rehabilitationsmaßnahmen von Bürgergeld-Beziehenden finanzieren, „die nie Beiträge gezahlt haben“, sagte Ramb laut Handelsblatt. „Auch das ist eine klassische versicherungsfremde Aufgabe, die aus meiner Sicht aus dem Bundeshaushalt erstattet werden müsste.“ Dazu rechnet die Verwaltungsrätin damit, dass künftig die Beratung für die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse hinzukomme. Bisher sei das „ein klassisches Geschäft von Kammern und Ländern“, sagte Ramb.
Bundesagentur für Arbeit will verstärkt in Förderung von Erwerbslosen investieren
Ein Großteil der für 2026 prognostizierten Gesamtausgaben der Arbeitsagentur von 52,6 Milliarden Euro macht mit 25,66 Milliarden Euro das Arbeitslosengeld aus. Die Behörde sieht die höhere Arbeitslosigkeit als eine „signifikante“ Ursache für das erwartete Ergebnis. „Auch deswegen investiert die BA bei einem aufnahmefähigeren Arbeitsmarkt ergänzend zu Qualifizierungen in schnell wirksame Eingliederungsinstrumente, um Arbeitslosigkeit zu verhindern oder zu verkürzen“, erklärte die BA.
„Wir verfolgen dabei eine Doppelstrategie“, erklärte BA-Chefin Nahles. „Mit schnell wirkender aktiver Arbeitsförderung wollen wir die üblichen Verzögerungseffekte zwischen wirtschaftlichem Umschwung und Wirkung am Arbeitsmarkt verkürzen. Gleichzeitig unterstützen wir Unternehmen weiterhin bei der Fachkräftesicherung und den Transformationsprozessen und investieren in Qualifizierungen.“
Arbeitsagentur investiert 4,45 Milliarden Euro in Förderinstrumente für Erwerbslose
Die Arbeitsagentur will deshalb 4,45 Milliarden Euro für kurzfristig wirkende, arbeitgebernahe Förderinstrumente wie den Eingliederungszuschuss für Unternehmen investieren. Zusätzlich soll das Qualifizierungsbudget steigen. Dabei gibt es etwa 35 „Arbeitsmarktdrehscheiben“, um auf die Transformation der Wirtschaft zu reagieren und Beschäftigte auf neue Aufgaben vorzubereiten. Das ist vor allem in den Branchen der Automobilindustrie, Elektro, Maschinenbau oder der Chemieindustrie der Fall.
Zusätzlich will die BA laut Handelsblatt Sachausgaben um vier Prozent senken. Die Beitragseinnahmen sollen um 1,4 Milliarden Euro steigen. Hauptgrund seien gestiegene Löhne. Die Einnahmen aus den Beiträgen der Arbeitslosenversicherung machen mit 41,12 Milliarden Euro den größten Block aus.