Effizienzprogramm

Daimler-Chefin bestätigt Stellenabbau in Deutschland - „es geht nicht ohne“

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Lkw-Bauer Daimler Truck hat bereits ein Effizienzprogramm ausgerufen, mit dem Kosten eingespart werden sollen. Laut Konzernchefin Karin Rådström geht das nicht ohne einen Personalabbau.

Leinfelden-Echterdingen - Von der derzeitigen Krise der Industrie sind nicht nur die Automobil-, sondern auch die Nutzfahrzeugbauer massiv betroffen. Der US-Konzern Nikola hat beispielsweise jüngst Insolvenz angemeldet, was auch Auswirkungen auf deutsche Zulieferer haben dürfte. Beim nach eigenen Angaben weltweit größten Nutzfahrzeug-Hersteller Daimler Truck, mit Sitz in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart (Baden-Württemberg), löste ein Effizienzprogramm zur Kostenreduktion bereits die Sorge vor einem Stellenabbau und von möglichen Verlagerungen hervor.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Der Konzern, der aus der Aufspaltung der Daimler AG entstanden ist, will konkret bis 2026 mindestens eine Milliarde Euro an Kosten einsparen, was vor allem Deutschland treffen soll. In einem aktuellen Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (faz) bestätigte Konzernchefin Karin Rådström, die den Posten im vergangenen Jahr von Vorgänger Martin Daum übernommen hatte, dass diese Sparmaßnahmen nicht ohne einen Personalabbau umgesetzt werden könnten. Auch bei Mercedes-Benz steht ein umfassender Stellenabbau im Raum, Insider sprechen bereits von 20.000 Arbeitsplätzen, die auf dem Spiel stehen.

Daimler Truck: Chefin bestätigt Stellenabbau - schließt betriebsbedingte Kündigungen aber aus

In dem Gespräch betonte die schwedische Vorstandsvorsitzende, dass für die Kosteneinsparung von mindestens einer Milliarde Euro alle Kosten auf den Prüfstand gestellt werden. „Materialkosten, variable Kosten, aber auch Personal­kosten“, präzisierte Rådström. Wie hoch der Anteil sein wird, der auf die Personalkosten entfällt, konnte sie zum aktuellen Zeitpunkt nicht sagen, da die Gespräche mit dem Betriebsrat erst jetzt anlaufen. Allerdings machte die Daimler-Chefin auch kein Geheimnis daraus, dass es einen Personalabbau geben wird. „Wenn man eine Milliarde Euro an Kosten einsparen will, dann geht das nicht ohne Arbeitsplatzabbau“, machte sie deutlich.

Name Daimler Truck Holding AG
Gründung 12. April 2021 (aus der Aufspaltung der Daimler AG)
Sitz Leinfelden-Echterdingen, Baden-Württemberg
Branche Nutzfahrzeuge, Busse
Mitarbeiter 104.416 (Ende 2023)
Umsatz 55,9 Milliarden Euro (2023)

Obwohl die Gespräche über konkrete Maßnahmen mit den Arbeitnehmervertretern demnach erst angelaufen sind, schließt Rådström im Interview mit der faz betriebsbedingte Kündigungen aus. Das hat wohl auch den Hintergrund, dass im Jahr 2020 sowohl für die deutschen Standorte von Mercedes-Benz als auch von Daimler Truck eine Zukunftssicherung (ZuSi) beschlossen wurde, die betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2030 ausschließt. Der Stellenabbau, dessen Umfang die Konzernchefin noch nicht einschätzen kann oder will, wird demnach sozial verträglich erfolgen müssen. Mercedes-Betriebsratschef Ergun Lümali fordert seit einiger Zeit, die Zukunftssicherung über 2030 hinaus zu verlängern.

Daimler Truck-Chefin Karin Rådström (links) bestätigt einen Personalabbau, schließt direkte Kündigungen aber aus.

Daimler-Truck-Chefin schließt auch Werkschließungen nicht aus - „müssen jeden Standort für sich anschauen“

In der aktuellen Wirtschaftslage stellen viele Unternehmen nicht nur die genannten Kosten, sondern sogar ganze Standorte auf den Prüfstand. In einer Mitteilung vom 20. Februar erklärte Autokonzern Mercedes-Benz, dass im Rahmen des Effizienzprogramms „Next Level Performance“ keine Schließung von deutschen Werken geplant sei. Beim Nutzfahrzeughersteller mit Stern ist das aber nicht so eindeutig ausgeschlossen. Auf die Frage der faz, ob Daimler Truck Fabrikschließungen ausschließen könne, antwortete Karin Rådström: „Wir müssen uns jeden Standort für sich anschauen.“ Zuletzt hatte ein Autozulieferer aus Baden-Württemberg das Ende eines deutschen Standorts besiegelt.

Rubriklistenbild: © Uli Deck/dpa & Daimler Truck AG

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