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Mercedes-Benz ist auf Sparkurs und hat eine Liste an Maßnahmen vorgestellt. Der Betriebsrat am Stammsitz versteht die Notwendigkeit, kritisiert aber das Vorgehen.
Stuttgart - Die wirtschaftliche Krise geht auch an Mercedes-Benz nicht vorbei. Während Insider inzwischen von bis zu 20.000 Arbeitsplätzen sprechen, die beim Autokonzern wegfallen sollen, hat Mercedes selbst jüngst im Intranet eine Liste an Maßnahmen zur Kostenreduktion vorgestellt. In der aktuellen Ausgabe der IG-Metall-Mitarbeiterzeitung „Scheibenwischer“ für den Mercedes-Stammsitz Stuttgart-Untertürkheim kritisieren die Betriebsratschefs die Liste deutlich, wenngleich sie die Notwendigkeit von Sparmaßnahmen beim schwäbischen Weltkonzern unterstreichen.
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Die im Rahmen eines gemeinsamen Videos von Personalvorständin Sabine Kohleisen und Gesamtbetriebsratschef Ergun Lümali vorgestellte Liste ist Teil des Sparprogramms „Next Level Performance“, mit dem Mercedes-Benz bis 2027 rund fünf Milliarden Euro an Kosten einsparen will. „Auch wir wollen ein wettbewerbsfähiges Unternehmen und sehen die Notwendigkeit umsichtiger Maßnahmen“, schreiben der Untertürkheimer Betriebsratschef Michael Häberle und sein Stellvertreter Michael Clauss. Aber: „Diese Liste an Forderungen werden wir nicht akzeptieren!“
Mercedes-Betriebsräte stellen Gegenforderungen zur Sparliste des Konzerns
In der Ausgabe von „Scheibenwischer“ betonen die Betriebsräte, dass eine Kostenreduktion allein nicht reichen werde und man stattdessen eine klare Wachstumsstrategie benötige. „Die Automobilindustrie in Deutschland steht vor erheblichen Herausforderungen, und auch bei uns im Unternehmen ist die Lage angespannt“, heißt es im Editorial der Ausgabe. „Die Unternehmensleitung hat darauf nur eine Antwort: Sparen!“ Der Liste an Sparmaßnahmen stellt die IG Metall selbst eine Liste an Forderungen gegenüber:
- Vereinbarung zur Zukunftssicherung 2035*
- Zielbilder für die deutschen Standorte für die nächsten 5 bis 10 Jahre
- Echte Verantwortung des Managements für die Belegschaft
- Ausschluss von Maßnahmen, die keine Akzeptanz in der Belegschaft finden, wie Eingriffe in den Tarifvertrag und sockelwirksame Maßnahmen
(Quelle: Mercedes-Benz Betriebsrat Standort Untertürkheim/Scheibenwischer Ausgabe 2/2025)
*Die Zukunftssicherung (ZuSi) für die deutschen Mercedes-Standorte gilt aktuell bis Ende 2029 und schließt betriebsbedingte Kündigungen aus. Gesamtbetriebsratschef Ergun Lümali hatte bereits 2023 eine Verlängerung bis 2035 gefordert.
Mercedes-Betriebsräte drohen mit Protesten, wenn Verhandlungen nicht in richtige Richtung laufen
In dem Beitrag an die Mitarbeiter des Autokonzerns betonen die Betriebsräte, dass die Sorgen der Belegschaft ernst genommen werden und dass man am Verhandlungstisch eine akzeptable Lösung finden wolle. „Mercedes-Benz hat immer Kompromisse gefunden, auch in schwierigen Zeiten!“. Allerdings wird an der Stelle betont, dass Proteste drohen, sollten die Verhandlungen nicht in die gewünschte Richtung laufen. Am 15. März ist auf dem Stuttgarter Schlossplatz von 5 vor 12 bis 14 Uhr eine Protestaktion gegen den angekündigten Stellenabbau bei Mercedes-Benz geplant.
Beim Schwesterunternehmen Daimler Truck steht ebenfalls ein Stellenabbau in Deutschland bevor, wie Konzernchefin Karin Rådström jüngst bestätigte.
Rubriklistenbild: © Christoph Soeder/dpa

