Strukturwandel unausweichlich

Deutsche Autobauer im Krisenmodus: „Vielleicht gibt es Unternehmen, die es nicht schaffen“

  • schließen

Tausende Jobs in der Automobilindustrie sind gefährdet. Ein Strukturwandel sei dringend notwendig, um es aus der Krise zu schaffen, sagt ein Experte.

Stuttgart – Ob Schaeffler, Continental, Volkswagen oder Bosch: Alle sind von den Herausforderungen betroffen, die aktuell auf die deutsche Automobilindustrie zukommen. Die vier Unternehmen planen in den kommenden Jahren mehrere Tausend Stellen abzubauen. Sogar ganze Werke sollen geschlossen werden. Mühsam ist der Weg der Branche aus dieser Krise heraus: Während China in den vergangenen Jahren in der Entwicklung von E-Autos an Deutschland vorbeigeschossen ist, sinkt der Absatz an deutschen Autos in den USA.

Industrie-Experte Martin Gornig sagt: Nur von Veränderung profitiert die Automobilindustrie mittelfristig.

Klar ist, dass die Branche eine Lösung finden muss, mit der Krise umzugehen und sie zu überwinden. Am 26. November lädt deshalb die baden-württembergische Landesregierung zur Diskussionsrunde zum Thema Transformation der Automobilbranche in Stuttgart ein. Neben Vertreterinnen und Vertretern der Automobilbranche sollen auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und EU-Exekutiv-Vizepräsident und Industriekommissar Stéphane Séjourné teilnehmen.

Industriegipfel: „Wir verabreden uns nicht, um über Steuererleichterung oder Energiepreise zu diskutieren“

Martin Gornig, Forschungsdirektor für Industriepolitik am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin, sieht einen klaren Trend bei solchen Veranstaltungen: „Es besteht der Eindruck, dass diese Gipfel – egal ob für Stahl-, Chemie- oder Automobilindustrie –, dafür da sind, um Druck wegzunehmen. Dabei müssen die Konferenzen dafür da sein, Wandel zu organisieren“, sagt er gegenüber dem Münchner Merkur von Ippen.Media. Es müsse klar sein: „Wir verabreden uns, um euch zu verändern. Nicht, um über Steuererleichterungen, Energiepreise oder etwa das Aus vom Verbrenner-Aus zu diskutieren.“

Dass solche politischen Pflaster auf Dauer eine Krise nicht abwenden könnten, habe man in der Vergangenheit bereits gesehen: „Das Problem gab und gibt es ja in vielen Branchen. Ein Beispiel wäre etwa die Krise der Kaufhäuser. Da war die Politik auch bereit, Arbeitsplätze zu retten und die Geschäfte zu unterstützen. Aber ohne Erfolg. Dafür haben andere profitiert und sind aufgrund der Krise gewachsen.“

So lange ist das her? Diese 15 Autos feiern 2025 ein rundes Jubiläum

Die vierte Generation des BMW 5er
30 Jahre BMW 5er (E39): Mit einer Neuauflage des BMW 5ers (vierte Generation) konterte der Münchner Autobauer ab 1995 die gleichzeitig erneuerte Mercedes E-Klasse (W210). Die Touring-Version folgte im März 1997, das Sportmodell M5 im Herbst 1998. © BMW
Ein Toyota RAV4
30 Jahre Toyota RAV4: Mit dem Japaner feiert ein früher Vertreter des Kompakt-SUV Jubiläum. Zunächst wurde der RAV4 nur als Dreitürer angeboten – die fünftürige Version mit deutlich besserem Platzangebot wurde jedoch bald nachgeschoben. © Heritage Images/Imago
Ein Toyota MR2
40 Jahre Toyota MR2: Noch ein Japaner feiert Geburtstag. Der keilförmige Mittelmotorsportwagen mit Klappscheinwerfern wurde in Frankreich nur als MR bezeichnet. Weil sich „MR2“ dort ausgesprochen nach einem Fäkalwort anhört. © Toyota
Ein VW Polo der ersten Generation
50 Jahre Volkswagen Polo: Noch vor Ford Fiesta und Opel Corsa brachte der erste Polo den modernen deutschen Kleinwagen in Fahrt – dies allerdings als Parallelmodell zum Audi 50. © VW
Fahraufnahme eines Porsche 924
50 Jahre Porsche 924: Nachfolger des VW-Porsche 914 und Auftakt zu einer Serie erfolgreicher Sportwagen in Transaxle-Bauweise. Wegen seiner vom Volkswagen-Konzern stammenden Teile wurde er oftmals nicht als vollwertiger Porsche angesehen. Spötter bezeichneten das Modell auch als „Hausfrauenporsche“. © Porsche
Ein AMC Pacer
50 Jahre AMC Pacer: Das Design des kompakten Dreitürers darf vorsichtig wohl als „eigenwillig“ bezeichnet werden. Wegen der großen Glasflächen bekam er auch den Spitznamen „rollendes Aquarium“. Ein filmisches Denkmal wurde dem Wagen durch seine Rolle in der Komödie „Wayne‘s World“ (1992) gesetzt. © Dreamstime/Imago
Ein Mercedes W123
50 Jahre Mercedes 200 D bis 280 E (W123): Ein Bestseller mit dem Ruf fast unzerstörbarer Robustheit. Bis zum Januar 1986 liefen fast 2,7 Millionen Fahrzeuge der Baureihe vom Band. © Mercedes
EIn Opel Manta B
50 Jahre Opel Manta B: Nach nur fünf Jahren Bauzeit des Opel Manta A kam 1975 der Opel Manta B auf den Markt. Der hatte einen längeren Radstand und große Rechteck-Scheinwerfer. Das Foto zeigt ein Exemplar aus dem Jahr 1985. Kult-Status erlangte der Opel Manta B durch den Film „Manta, Manta“ (1991) mit Til Schweiger und Tina Ruland in den Hauptrollen. © Sebastian Geisler/Imago
Ein Rallye-Opel-Ascona-B
50 Jahre Opel Ascona B: Und noch ein Opel feiert 2025 einen runden Geburtstag. Rallyechampion Walter Röhrl gewann mit der Mittelklasse-Limousine Opel Ascona B 1982 sogar die Fahrer-Weltmeisterschaft. © Opel
Ein BMW 3er der ersten Generation
50 Jahre BMW 3er (E21): Die kompakte Sportlimousine ersetzte ab 1975 die BMW 02-Typen und avancierte zur bis heute erfolgreichsten Modellreihe des Münchner Autobauers. Das Sportmodell M3 kommt aber erst 1986 mit der nächsten 3er-Generation (E30) auf den Markt. © BMW
Toyota Corolla der 3. Generation
50 Jahre Toyota Corolla (3. Generation): Im März 1975 kam die dritte Corolla-Generation in Deutschland auf den Markt. Mit dem 1,2-Liter-Motor (55 PS) kostete der Corolla damals ab 8.490 D-Mark. © Depositphotos/Imago
Ein Peugeot 403
70 Jahre Peugeot 403: Im Jahr 1955 wurde der Peugeot 403 erstmals in Paris der Öffentlichkeit vorgestellt. Es war das erste Modell der Franzosen, dass sich mehr als eine Million mal verkaufte. Bekannt wurde die Cabrio-Version des 403 vor allem durch die 1970er-Jahre-Serie Columbo, in der der Hauptdarsteller (Peter Falk) einen solchen Wagen fuhr.  © Pond5 Images/Imago
Ein Fiat 600
70 Jahre Fiat 600: Auf dem Genfer Autosalon 1955 feiert der Fiat „Seicento“ Premiere – noch im selben Jahr startete die Prodktion. Die ersten Modelle – im Gegensatz zum Fahrzeug auf dem Foto – hatten noch sogenannte Selbstmördertüren, die hinten angeschlagen waren. © Depositphotos/Imago
Eine BMW Isetta
70 Jahre BMW Isetta: Im Jahr 1955 startete das Rollermobil BMW Isetta. Das ungewöhnliche Konzept mit der Fronttür ist heute Kult – und findet mit dem elektrischen Microlino sogar eine Art Neuauflage.  © Imagebroker/Imago
Ein Citroën DS
70 Jahre Citroën DS: Auf dem Pariser Salon 1955 feierte die futuristische Limousine ihre Weltpremiere – mit gigantischem Erfolg. Angeblich wurden am ersten Abend nach der Präsentation 12.000 Bestellungen aufgenommen, bis Messeende 80.000 Kaufverträge abgeschlossen. Der Spitzname des damals technisch herausragenden und außergewöhnlich designten Fahrzeugs lautete in Deutschland „die Göttin“. © DS

Dabei könne und solle die Politik helfen, sagt Gornig. Aber nur durch Anpassung schaffe man es: „Einfach die Kosten zu senken – wie beim Energiepreis – damit man erstmal so weiter machen kann wie vorher, das ist kurzsichtig. Besser wäre etwa in das Netz, die Skalierung und in den Speicher von Erneuerbaren Energien zu investieren und dadurch langfristig Strom günstiger zu machen.“

Die Politik sei wiederum nicht verpflichtet zu sagen: „Wir sorgen jetzt dafür, dass die Chinesen euch nichts mehr anhaben können.“ Aber es sei auch nicht so, dass die Automobilindustrie das gleiche wie China leisten müsste, sagt der Industrieexperte. „Billige Elektroautos, das sollten vielleicht andere machen. Aber Unternehmen können schauen: wo sind meine Stärken und wo sind Nischen, die ich nutzen kann. Etwa Produktionsprozesse weniger Rohstoff intensiv zu gestalten.“ Die Chancen seien da.

Teil der Realität: „Werden alle Automobilbauer die Transformation überleben? Vielleicht gibt es Unternehmen, die es nicht schaffen“, sagt Gornig. „Das ändert aber nichts daran, dass der Strukturwandel unbedingt notwendig ist.“ (Quellen: Eigene Recherche, Gespräch Martin Gornig, Destatis, Bundesregierung) (ligi)

Rubriklistenbild: ©  IMAGO / Chris Emil Janßen/ Rüdiger Wölk

Kommentare