Autoindustrie in der Krise

Merz empfängt Auto-Manager: Debatte um Verbrenner-Aus „brandgefährlich“

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Im Merz-Kabinett ist man sich uneinig, wenn es um das Verbrenner-Aus geht. Experten wünschen sich allen voran eine klare Linie. Einige warnen vor „fossiler Nostalgie“.

Berlin – Die deutsche Autoindustrie steckt in der Krise. Nicht zuletzt die Zolloffensive von US-Präsident Donald Trump etwa sorgt bei Volkswagen und Porsche für extreme Einbrüche in den Absatzzahlen, und Ford baut am Standort Köln nochmal 1000 Stellen ab. Bundeskanzler Friedrich Merz hat deshalb Vertreter der Branche auf einen Autogipfel im Kanzleramt eingeladen. Es soll um Elektromobilität und digitale Transformation gehen. Im Fokus steht zudem das Verbrenner-Aus: Denn Merz ist für eine Anpassung der EU-Frist, und will Verbrenner-Motoren unter bestimmen Umständen erlauben. Nicht nur zum Unmut der Opposition, auch vom Koalitionspartner gibt es Kritik.

Ab 2035 sollen keine neuen Verbrenner-Autos neu zugelassen werden: Merz will die EU Vorgabe lockern.

Ab 2035 sollen in der EU keine neuen Autos mit Benzin- oder Dieselmotor mehr zugelassen werden. So sollen in Europa etwa die CO₂-Emissionen gesenkt werden. Bundeskanzler Friedrich Merz sagte in einem Interview mit ntv, man halte mit dem Verbrenner-Aus am falschen Verbot fest. Lockern solle man das Gesetz etwa für Hybrid-Wagen.

Verbrenner-Aus-Debatte: „Verantwortungslos und verunsichert Beschäftigte“

Aus der Opposition wünscht man sich indes mehr Klarheit bei dem Thema. Jorrit Bosch, Linke-Sprecher für Straßenverkehr, sagt gegenüber dem Münchner Merkur von Ippen.Media: „Das Hin und Her um den Verbrenner ist brandgefährlich. Beschäftigte und Verbraucherinnen brauchen Planungssicherheit, keine fossile Nostalgie.“ Die Regierung solle keine neuen Hintertüren für alte Technologien suchen, sondern sich auf den sozial-ökologischen Umbau der Autoindustrie konzentrieren. „Der EU-Beschluss zum Verbrenner-Aus ist längst gefallen, wer hier noch Diskussionen anfacht, handelt verantwortungslos und verunsichert Beschäftigte wie Verbraucherinnen.“

Thomas Puls, Experte für Verkehr und Infrastruktur am Institut der deutschen Wirtschaft, sieht die Debatte aus einer anderen Perspektive, kommt aber zu einem ähnlichen Fazit. Im Gespräch mit dieser Redaktion sagt er: „Ich glaube nicht, dass es beim Verbrenner-Aus auf das ein oder andere Jahre mehr ankommt. Wichtiger wäre es vielmehr, jetzt die Versorgungsinfrastruktur für E-Autos nachzulegen.“ Seine Einschätzung: Bis 2035 werden E-Autos ohnehin den Markt dominieren. „Aber ob das in allen Aufwendungsbereichen funktioniert, zum Beispiel auch für diejenigen, die kein Haus mit Solaranlage auf dem Dach haben, das muss man sehen.“

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Das sieht Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie, ähnlich. Ihre Erwartung an das Treffen: „Beim Autodialog muss es unter anderem darum gehen, wie dem deutschen Markt für E-Mobilität Schwung verliehen werden kann, denn die Zulassungszahlen von E-Pkw sind aktuell nicht dort, wo die Automobilindustrie und die Politik sich dies gleichermaßen wünschen.“ Unzureichende Lademöglichkeiten, teurer Ladestrom, mangelnde Planungssicherheit für die Verbraucher mit Blick auf die Kfz-Steuer: Die Rahmenbedingungen seien aktuell nicht ideal.

Automobilverband für flexiblere Rahmenbedingungen bei Verbrenner-Aus bis 2035

Für die Präsidentin müsse deshalb unbedingt ein Thema geklärt werden: „Die Koalition muss schnellstmöglich die Verlängerung der Kfz-Steuerbefreiung für reine Elektrofahrzeuge bis 2035 sicherstellen, wie sie dies im Koalitionsvertrag auch zugesagt hat.“

Merz‘ Vorstoß, das Verbrenner-Aus neu zu definieren und etwa Hybridfahrzeuge auch nach 2035 zuzulassen, befürwortet Müller. Erneuerbarer Kraftstoffe, sogenannte E-Fuels, sowie Plug-in-Hybride und Range Extender würden auf dem Weg zur klimaneutralen Mobilität eine wichtige Rolle spielen: „Die Arbeitsplätze dafür sollten weiterhin auch in Deutschland angesiedelt werden können. Dafür muss sich die deutsche Bundesregierung in Brüssel starkmachen.“ 
  

Rubriklistenbild: ©  IMAGO / Wolfgang Maria Weber

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