Neuer Zug

Premiere: Hier fährt der erste komplette ICE L durch Deutschland

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Der erste vollständige ICE L der Deutschen Bahn ist in Deutschland angekommen. Doch noch darf der Zug nicht selbstständig über die Gleise rauschen.

Köln – Ein Schnellzug, der nicht selbst fährt, sondern von einem Güterzug über die Gleise gezogen wird: Aktuell darf der neue ICE L der Deutschen Bahn noch nicht selbst aus eigenem Antrieb durch Deutschland touren. Der Grund: Der Fernverkehrszug hat noch keine Zulassung für das deutsche Schienennetz. Doch das soll sich ändern. Der neue ICE unterzieht sich nun einem „Medizincheck“, wie es die Bahn selbst nennt.

ICE L
HerstellerTalgo
Aufbau1 Lokomotive, 16 Waggons, 1 Zugbegleitwagen
Länge256 Meter
Höhe3,6 bis 3,8 Meter
Leergewicht406 Tonnen
Höchstgeschwindigkeit230 km/h
Quelle: Talgo

Deutsche Bahn: Neuer ICE L erstmals vollständig auf deutschen Gleisen unterwegs – aber mit Hilfe

Der neue ICE L der Deutschen Bahn feierte seine Premiere auf deutschen Gleisen, hier zwischen Fulda und Hünfeld.

Zahlreiche betriebliche Tests erwarten den neuen ICE L, wie die Deutsche Bahn auf Twitter schreibt. So wird zum einen der Zug selbst überprüft, zum anderen werden auch erste Fahrten auf einer Teststrecke durchgeführt, um den „Neuankömmling“ auf Herz und Nieren zu prüfen. Am Ende soll der Schnellzug seine Zulassung bekommen, und ab Oktober 2024 nach und nach auf verschiedenen Fernverkehrsstrecken verkehren. Perspektivisch soll der Zug auch auf mehreren Strecken in NRW unterwegs sein:

  • Berlin – Hannover – Amsterdam (ab Oktober 2024)
  • Köln – Oberstdorf
  • Köln – Westerland (Sylt)
  • Berlin – Westerland (Sylt) 
  • Karlsruhe – Westerland (Sylt)
  • Hamburg – Lübeck – Kopenhagen
  • Nürnberg – Passau – Wien

Neue ICE L der Deutschen Bahn: Mehr Barrierefreiheit und schnellere Auslandsverbindungen

Der neue ICE L hat dabei gleich mehrere Vorteile gegenüber seinen Vorgängern. Unter anderem sorgt der Zug für mehr Barrierefreiheit im Zugverkehr: Auf den üblichen Bahnsteigen ist an jeder Zug ein stufenloser Einstieg möglich. Laut dem spanischen Hersteller Talgo ist das weltweit einzigartig. Daher hat der ICE auch seinen Namen bekommen, denn: Das „L“ in „ICE L“ steht für „Low Floor“ („niedriger Boden“). Im Vergleich zum ebenfalls noch recht neuen ICE 3neo verfügt der ICE L mit insgesamt 562 Sitzplätzen über deutlich mehr Kapazität für Fahrgäste.

Die Höchstgeschwindigkeit des neuen ICE L liegt bei 230 Kilometern pro Stunde. Das ist ein wenig langsamer als das aktuelle ICE 4-Modell, das mit 250 km/h unterwegs ist. Im Vergleich mit dem Vorgänger, dem ICE 3, ist der Unterschied noch einmal deutlich größer – dieser rauscht mit bis zu 320 km/h über die Gleise. Das liegt vor allem daran, dass der ICE L eine „Mehrsystemlok“ ist. Dadurch ist der Bahn-Verkehr auch über Auslandsgrenzen und ohne Lokwechsel möglich. So spart man laut der Deutschen Bahn rund 30 Minuten bei „grenzüberschreitenden Verbindungen“.

Wie sich der ICE der Deutschen Bahn über die Jahre verändert hat

Der InterCityExperimental am 26. November 1985 im Hauptbahnhof Bielefeld.
Obwohl der erste ICE im regulären Betrieb erst 1991 auf die Schiene kam, gab es zuvor bereits den sogenannten InterCityExperimental. © teutopress/Imago
Der InterCityExperimental am 26. November 1985 im Hauptbahnhof Bielefeld.
Der InterCityExperimental war der Vorläufer des späteren ICE. Der Zug sorgte im November 1985 für großes Aufsehen, als er auf der Bahnstrecke zwischen Gütersloh und Hamm mit 317 km/h eine Rekordgeschwindigkeit im deutschen Schienenverkehr erreichte. © teutopress/Imago
Das Bild zeigt den Führerstand eines InterCityExperimental.
Das Bild zeigt den Führerstand eines InterCityExperimental. Der Zug wurde zwischen 1983 und 1985 gebaut. © Sven Simon/Imago
Ein ICE 1 und ein Lokführer.
1991 war es dann so weit. Der erste ICE kam in Deutschland auf die Schiene. Der ICE 1 leitete damit das Hochgeschwindigkeitszeitalter im deutschen Bahnverkehr ein. Schon die ersten Modelle erreichten rund 280 km/h. © Jürgen Heinrich/Imago
Ein Blick in die 1. Klasse des ICE 1.
Ein Blick in die 1. Klasse des ICE 1. Insgesamt bestand der erste ICE aus zwölf Mittelwagen und zwei Triebköpfen. Es gab 703 Sitzplätze. (Bild von 1991) © Jürgen Heinrich/Imago
Ein ICE 1 fährt durch Deutschland.
Im Sommer 2005 begann die Bahn mit einer großen Modernisierung des ICE 1. Mit diesem Redesign wurde die Sitzplatzkapazität nochmal erweitert. Zudem veränderten sich die Züge innen und außen auch optisch. © STAR-MEDIA/Imago
Ein ICE 1 am Münster Hbf.
Und auch heute noch ist der ICE 1 wichtiger Bestandteil im deutschen Bahnverkehr. 2020 wurden die Züge nochmal modernisiert. 18 von ihnen sind immer noch im Einsatz. © Rüdiger Wölk/Imago
Ein ICE 2 fährt durch Deutschland.
1996 kam mit dem ICE 2 die zweite ICE-Generation in Deutschland auf die Schiene. Die Züge erreichten genau wie der ICE 1 eine Höchstgeschwindigkeit von 280 km/h. © Christian Kielmann/Imago
Ein ICE 2 in Berlin.
Der ICE 2 wird von der Bahn als „der Flexible“ bezeichnet. Der Grund: Mit sechs Mittelwagen und einem Steuerwagen ist der ICE 2 kürzer als sein Vorgänger, kann bei Bedarf aber auch zu einem Doppelzug gekoppelt werden. © Christian Kielmann/Imago
Innenaufnahme eines ICE 2.
Innenaufnahme eines ICE 2: 2011 wurden die Züge der zweiten ICE-Generation von der Bahn umfassend modernisiert. © Christian Kielmann/Imago
Ein ICE 2 der Deutsche Bahn DB in Gemünden am Main.
Bis heute zählt der ICE 2 zu den wichtigsten Fernverkehrszügen der Bahn. 44 der Züge sind weiterhin in Deutschland unterwegs. © Aviation-Stock/Imago
Ein ICE T in einer Kurve.
1999 wurde der ICE T in Betrieb genommen. Die Besonderheit dieses Zuges: Er verfügt über eine spezielle Neigetechnik, kann sich also ähnlich wie ein Motorradfahrer auf kurvenreichen Strecken zur Seite neigen. © STAR-MEDIA/Imago
Ein ICE T im Haunetal.
Das „T“ in ICE T steht eigentlich für „Triebzug“. Aufgrund der Neigetechnik wurde aber teilweise auch der englische Begriff „Tilt“ für „neigen“ als Abkürzung interpretiert. © Deutsche Bahn AG / Oliver Lang
Ein ICE T am Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe.
Vom ICE T gibt es mehrere Baureihen. Die Züge wurden 2013 umfangreich modernisiert. Für alle gilt aber: Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 230 km/h. Damit ist er der langsamste ICE. © Rüdiger Wölk/Imago
Ein ICE 3 der Deutsche Bahn AG auf der Schnellstrecke Köln-Frankfurt neben der Autobahn A3.
2000 folgte die Inbetriebnahme des ICE 3. Der Turbo-ICE erreicht Geschwindigkeiten bis 330 km/h (hier auf der Schnellfahrstrecke zwischen Frankfurt und Köln). © Rainer Unkel/Imago
DEU Deutschland Frankfurt am Main 14 02 2019 Hauptbahnhof Frankfurt ICE Baureihe 403 ICE 3
Vom ICE 3 gibt es inzwischen drei unterschiedliche Baureihen. Die Züge der Baureihe 403 sind nur in Deutschland unterwegs. ICE 3 der Reihe 406 werden auch grenzübergreifend in Belgien und den Niederlanden eingesetzt. © Arnulf Hettrich/Imago
Ein Lokführer bei der Bahn in einem ICE 3.
Ein Blick ins Cockpit eines ICE 3 (Archivbild von 2020). © Arne Dedert/dpa
Ein ICE 3 und ein ICE 4.
2017 kam dann der ICE 4 (rechts) auf die Schiene. Hier im direkten Vergleich zu einem ICE 3 (links) am Kölner Hauptbahnhof. © Deutsche Bahn AG / Axel Hartmann
ICE 4 auf der Bahnstrecke Münster - Osnabrück.
Vom ICE 4 gibt es drei unterschiedliche Modelle mit sieben, zwölf oder 13 Wagen. Der größte verfügt über 918 Sitzplätze. © Rüdiger Wölk/Imago
Ein ICE 4 bei Stadthagen.
Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h ist der ICE 4 der langsamer als sein direkter Vorgänger und auch nicht so flott unterwegs wie die Modelle 1 und 2. © Deutsche Bahn AG / Wolfgang Klee
ICE 4 mit Fahrrad-Abteil.
Eine Besonderheit des ICE 4: Er hat als erster ICE gesonderte Fahrradstellplätze. © Deutsche Bahn AG / Tobias Gromatzki
Ein ICE 3neo der Baureihe 408.
Im Dezember 2022 folgte der ICE 3neo, der, wie der Name bereits verrät, auf dem ICE 3 basiert und weiterentwickelt wurde. Der Hochgeschwindigkeitszug erreicht bis zu 320 km/h. © Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben
Taufe des ersten ICE 3neo auf den Namen Rheinland im Kölner Hauptbahnhof.
Im Februar 2023 wurde ein ICE 3neo in Köln in Karnevalsoptik präsentiert und auf den Namen „Rheinland“ getauft. © R. Schmiegelt/Future Image/Imago
Ein ICE Führerstand bei der Taufe des ersten ICE 3neo auf den Namen Rheinland im Kölner Hauptbahnhof.
Der Führerstand des ICE 3neo. Die Flotte der Bahn soll bis 2029 um insgesamt 73 neue ICE 3neo erweitert werden. © R. Schmiegelt/Future Image/Imago
Der 1. ICE L auf dem Weg nach Deutschland.
Im Oktober 2024 folgt mit dem ICE L ein weiterer neuer Schnellzug der Bahn. Dabei ist der ICE L eigentlich kein richtiger ICE, wie sie bislang bekannt sind. Anders als die bisherigen ICEs ist er nämlich kein Triebzug, sondern wird von einer Lok gezogen. © Deutsche Bahn AG / Dirk Wittmann

Deutsche Bahn bestellt 56 neue ICE L nach – für rund 1,4 Milliarden Euro

So sieht es in der zukünftigen ersten Klasse des ICE L der Deutschen Bahn aus.

Bereits im Februar 2019 hatte die Deutsche Bahn sich mit dem spanischen Hersteller Talgo auf zunächst 23 Züge des neuen ICE L verständigt. Im Mai 2023 stockte die Bahn noch einmal auf: 56 weitere Züge wurden bestellt, sodass insgesamt 79 ICE L bald für die Bahn im Betrieb sein sollen. Und das lässt sich das Verkehrsunternehmen einiges kosten: Allein die 56 Nachbestellungen kosten rund 1,4 Milliarden Euro, wie Talgo mitteilte. Das ist der größte Auftrag, den das Bahntechnikunternehmen jemals bekommen hat. (mg) Fair und unabhängig informiert, was in NRW und Deutschland passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Rubriklistenbild: © Deutsche Bahn AG / Oliver Lang

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