VonLars-Eric Nievelsteinschließen
Rheinmetall verdient an der westlichen Aufrüstung Milliarden. Nun möchte der Konzern die Kriegsführung revolutionieren. Das steckt hinter Battlesuite.
Düsseldorf – Für Rheinmetall gibt es derzeit keinen Weg als nach oben. Jüngst macht das Unternehmen einen wichtigen Raketendeal fest, knüpft engere Bande in Indien, rüstet die spanische Armee auf und sieht sich schon als globaler Champion der Rüstungsindustrie. Jetzt will das Unternehmen die Kriegsführung digitalisieren.
Vernetzung auf dem Schlachtfeld – Rheinmetall Battlesuite bringt Waffensysteme zusammen
Im Vorfeld der AFCEA-Fachausstellung 2025 kündigte der Rüstungskonzern Rheinmetall an, ein System für die Vernetzung von Akteuren und Kampfsystemen im Kriegseinsatz vorstellen zu wollen. Konkret geht es um die sogenannte Rheinmetall Battlesuite – eine digitale Plattform für vernetzte militärische Systeme, die Streitkräften eine überlegene Operationsführung ermöglichen soll.
Rheinmetall schwebt eine digitalisierte Gefechtsführung der Zukunft vor. „Die Fähigkeit, konventionelle Waffensysteme mit unbemannten Systemen zu vernetzen, schafft eine synergistische Wirkung, bei der die Vorteile beider Welten – die Präzision und Flexibilität unbemannter Systeme und die Robustheit und Vielseitigkeit konventioneller Systeme – zur Geltung kommen“, erklärte der Konzern in einer Unternehmensmeldung.
KI und App-Technik für Rüstungsplattform – das soll Rheinmetall Battlesuite können
Hierbei soll die Battlesuite als eine Art „Knotenpunkt“ für Datenfluss und Entscheidungsfindung fungieren. Rheinmetall schwebt vor, diese Plattform mit „hochmoderner“ KI, einer „leistungsstarken“ Netzwerkarchitektur und Cybersicherheitsprotokollen zu auszustatten. Laut Konzernmeldung soll es mittel- bis langfristig möglich sein, die Battlesuite durch eine „prinzipiell unendliche“ Anzahl von Applikationen zu erweitern – ganz ähnlich, wie es seit vielen Jahren beim Smartphone möglich ist.
Was kann Battlesuite? Hier liefert Rheinmetall eine umfangreiche Liste zu einzelnen Funktionen. Einige davon im Überblick:
- Interoperabilität zwischen heterogenen Systemen, egal ob älter oder neu
- Echtzeitkommunikation in komplexen Szenarien
- Moderne Mechanismen zur Cybersicherheit
- Modulare Architektur
- KI-gestützte Entscheidungsunterstützung
- Kostenersparnis durch die gemeinsame Nutzung der Plattform – es muss nicht mehr jedes System einzeln angepasst werden, stattdessen können neue Funktionen und Technologien in die Plattform integriert werden.
Von der Plattform erhofft sich Rheinmetall einen möglichst ressourceneffizienten Einsatz vorhandener Systeme. Damit ließen sich Entscheidungen schneller und präziser treffen. Darüber hinaus nutze man so sein Material und Personen „optimal“, während man gleichzeitig Einsätze effektiver mache.
Rheinmetall als Kriegsgewinner – „Rekordwerte“ für Wachstum
Rheinmetall gehört mit zu den größten Profiteuren des Ukraine-Kriegs und der globalen Unsicherheit. Westliche Nationen rüsten massiv auf, entsprechend viele Aufträge erhält der Rüstungs-Riese aus Düsseldorf. Der jüngste Quartalsbericht zeigt für das erste Quartal 2025 erneute „Rekordwerte“, teilte das Unternehmen jüngst mit. Gerade im militärischen Geschäft gebe es eine unverändert hohe Nachfrage; die Marktsituation gewinne weiter an Dynamik. Im Gegensatz dazu soll der zivile Bereich des Konzerns „aufgrund des weiterhin schwachen Marktumfelds“ hinter dem Vorjahr zurückbleiben.
Nach Konzernmeldung wuchs der Umsatz Rheinmetalls in den ersten drei Monaten 2025 um 46 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Das militärische Geschäft wuchs um 73 Prozent. Beim operativen Ergebnis steht eine Steigerung um 49 Prozent auf dem Papier – auf 199 Millionen Euro. Im militärischen Geschäft hat sich das Ergebnis nahezu verdoppelt, teilte Rheinmetall mit.
Globaler Champion im Rüstungssektor – „Rheinmetall wird gebraucht“
Dieses Wachstum hat bei Rheinmetall für genug Selbstvertrauen gesorgt, um mittlerweile von einer Entwicklung zum „globalen Defence-Champion“ zu sprechen. „Rheinmetall wird gebraucht“, sagte Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender der Rheinmetall AG, dazu. „Kunden kaufen heute ganze Fabriken bei uns. Europa muss sich für eine neue Ära wappnen, in der wir uns mit aller Kraft der Bedrohung unserer freiheitlichen Werte entgegenstellen müssen. In diesem Epochenbruch steht Rheinmetall fest zu seiner Verantwortung.“
Rubriklistenbild: © IMAGO / Chris Emil Janßen

