Frankfurter-Rundschau-Kommentar

Donny und ich: Wie der Trump-Tornado 2025 auch durch meine Welt fegte

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US-Präsident Donald Trump hat die Welt 2025 in einen andauernden Strudel gerissen. Und unsere Redakteurin Lisa Gilz gleich mit. Ein Kommentar.

Es war ein Schrottwichtelgeschenk. Das Papier halb abgerissen, starrte er mir bereits entgegen: Donald Trump. Ein weiterer Riss im Papier offenbarte den Titel: „The Art of the Deal“. Ein Buch von 1987, als Trump sich noch um seine Immobilien in New York und Atlantic City statt um Staatsangelegenheiten gekümmert hat. „Ich mache gerne Deals – vorzugsweise große Deals. So hole ich mir meinen Kick“, schreibt er. Eine Vorliebe, die er 2025 auf der größtmöglichen Bühne ausgelebt hat. Und im Publikum, da saßen wir. Machtlos, eigentlich konnten wir nur zusehen.

Donald Trump fegte durch 2025 wie ein Tornado. Er machte Deals links und rechts.

Wie ein Tornado ist Trump in seiner zweiten Amtszeit auf die USA und den Rest der Welt geprallt. Schier unmöglich schien es, ihm zu entkommen. Dem Namen. Dem Gesicht. Den Auswirkungen seiner Entscheidungen. Mit der Liste an neuen Zöllen, die er am „Liberation Day“ veröffentlichte, sorgte Trump selbst für ein Szenario, in dem er jeden von seinen Deals abhängig machte und dazu zwang, nach seinen Spielregeln zu spielen. „Ich ziele sehr hoch und dann dränge ich weiter und weiter und weiter, um das zu bekommen, was ich will“, schreibt Trump im Kapitel „Elemente eines Deals“. Das passt. Auch vierzig Jahre später ist er nur selten bereit, auf Kompromisse einzugehen, und auch heute hält er sich viele seiner Karten offen, anstatt Zugeständnisse zu machen.

Kein Ende der Trump-Ära in Sicht

Über Donny – er mag den Namen laut eigener Aussage im Buch nicht sonderlich – habe ich dieses Jahr immer wieder geschrieben. Schreiben müssen. Denn auch, wenn ich lieber über Handelsbeziehungen auf Augenhöhe geschrieben hätte und es mir manchmal schon unangenehm war, wie ich als Dauergast auf Trumps Truth-Social-Account herumlungerte, hilft es nicht, ihn einfach zu ignorieren.

Oft war er Thema von Interviews. Kam er in einer Frage nicht vor, wurde er doch häufig als Antwort genannt – meist in einem Kontext, in dem es um aktuelle Probleme und Sorgen ging. Jüngst sagte mir eine Expertin, dass es kein Aussitzen der Trump-Methodik gebe. Während ich mit seinem Buch noch ein bisschen besser zu verstehen lerne, wie Trump tickt, lernen seine Gefolgsleute, was politisch möglich ist, wenn man am längeren Hebel sitzt. Und auch aus Deutschland, aus den Reihen der AfD, schielt man ins MAGA-Land, sucht Schulterschluss zu Trumps Umfeld und kopiert seine Methoden.

Aktuell liegt „The Art of the Deal“ auf meinem Schreibtisch. Ich bin noch nicht ganz durch und wundere mich trotzdem, wem ich es wohl wichteln würde: Friedrich Merz? Wolodymyr Selenskyj? Xi Jinping? Und vielleicht würden sie das Gleiche denken, wie ich, als ich das Papier aufriss: nicht er schon wieder.

Rubriklistenbild: © IMAGO/ ZUMA Press Wire /montage

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