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Porsche kämpft mit schwindenden Märkten und steigenden Kosten. Vorstandschef Blume kündigt ein neues Sparpaket an – ein größerer Stellenabbau deutet sich an.
Stuttgart/München – Porsche gilt als Inbegriff für deutsche Ingenieurskunst und sportliche Träume. Doch mittlerweile ist die Stimmung in der Unternehmenszentrale ernüchternd statt glänzend. Der Sportwagenbauer kämpft mit sinkenden Gewinnen, unsicheren Märkten und schmerzhaften Einschnitten. Vorstandschef Oliver Blume schlug nun abermals Alarm und richtet einen eindringlichen Appell an seine Führungskräfte.
In einem offenen Brief, über den zunächst Reuters und die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichteten, macht der 57-Jährige deutlich: „Unser Geschäftsmodell, das uns über viele Jahrzehnte getragen hat, funktioniert heute nicht mehr in dieser Form.“
Porsche-Chef Blume mit Brief an Führungskräfte – Alarmstufe Rot im Management
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hätten sich in kurzer Zeit massiv verschlechtert, führt Blume aus. Ziel sei es, die Leistungsfähigkeit des Traditionsunternehmens langfristig abzusichern – auch wenn das schmerzhafte Einschnitte bedeutet. Bereits im März, bei der Vorlage der Geschäftszahlen für das vergangene Jahr, hatte der Porsche-Chef zusätzliche Einsparungen angekündigt.
Nun begründet er die neuen Sparanstrengungen ausführlicher. Die Unsicherheit bei Porsche scheint größer denn je – auch weil im Betriebsrat ein Wechsel ansteht: Ibrahim Aslan übernimmt das Amt von Harald Buck, wie die Stuttgarter Zeitung berichtet. Vorstandschef Blume betont, dass alle Entscheidungen im Einvernehmen mit dem Betriebsrat getroffen werden sollen.
Porsche in der Krise: Sparprogramm, Stellenabbau und Unsicherheit
Bereits im Frühjahr 2025 wurden bei der Volkswagen-Tochter 1900 Stellen gestrichen, zudem laufen die Verträge von 2000 Leiharbeitern aus. Nun kündigt sich also ein zweites Sparpaket an, das bis Ende 2025 verhandelt werden soll. Betriebsbedingte Kündigungen sind zwar bis 2029 ausgeschlossen, trotzdem droht ein weiterer Stellenabbau – der sozialverträglich vollzogen würde.
Eine Studie des Verbands der Automobilindustrie warnt, dass durch die Transformation bis 2035 rund 20 Prozent aller Jobs in der Branche wegfallen könnten. Bei Porsche (derzeit rund 23.600 Angestellte) wären das im Extremfall fast 5000 Stellen, rechnet die Automobilwoche vor. Inwieweit die verbliebenen Beschäftigten um ihren Job bangen müssen, dürfte sich noch in diesem Jahr klären.
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Drei große Baustellen für Porsche: China, USA und E-Mobilität
Erst beim Blick auf die Ursachen wird klar, wie tief die Krise sitzt. Drei Problembereiche belasten Porsche besonders, wie das Handelsblatt und die Automobilwoche übereinstimmend beleuchten:
- China war noch vor wenigen Jahren der gewinnträchtigste Markt für Porsche. Doch das Segment für teure Luxusprodukte ist förmlich zusammengebrochen. Der Preiskampf ist hart, und Porsche findet keine Antwort auf den Elektroauto-Boom unterhalb des Premium-Segments. Das Ergebnis: Der Absatz in China sackte im ersten Halbjahr 2025 um satte 28 Prozent ab. „Das Marktumfeld in China hat sich komplett gewandelt“, warnt Blume.
- Auch in den USA wird die Lage schwieriger. Seit April gelten dort Einfuhrzölle von 27,5 Prozent auf Fahrzeuge. Porsche hat dort keine eigene Produktion, sondern importiert Fahrzeuge aus Europa. Das macht die Autos für amerikanische Kunden teurer und schmälert die Gewinne. Hinzu kommt ein ungünstiger Wechselkurs, der das Geschäft zusätzlich belastet. Trotz eines Auslieferungsrekords im ersten Halbjahr stehe das Unternehmen finanziell unter Druck.
- Die dritte große Baustelle ist die Elektromobilität: Porsche muss parallel in E-Autos, Plug-in-Hybride und weiterhin in Verbrenner investieren. Das kostet viel Geld und sorgt für Unsicherheit. „Allein in diesem Jahr entstehen Mehrkosten von bis zu 1,3 Milliarden Euro“, heißt es aus dem Management. Das Unternehmen muss flexibel bleiben und in verschiedene Antriebstechnologien investieren.
Die Porsche-Probleme erhöhen die Kosten und drücken auf die Rendite. Die aktuelle Renditeerwartung liegt bei nur noch 6,5 bis 8,5 Prozent – weit entfernt vom Ziel von 15 bis 17 Prozent.
Zugpferd der deutschen Autoindustrie: Porsche auf dem Prüfstand
Die Probleme bei Porsche sind ein Spiegelbild der gesamten deutschen Autoindustrie. Die Transformation zur Elektromobilität, internationale Handelskonflikte und ein schwieriges Marktumfeld setzen die Unternehmen unter Druck. Erstaunlicherweise ist der Absatzschwund des Herstellers auch in der Heimat massiv: Hierzulande sanken die Verkaufszahlen in den ersten sechs Monaten 2025 um 23 Prozent.
| Region | Absatz (Stückzahlen) | Veränderung zum Vorjahr |
| Weltweit | 146.391 | -6 % |
| Deutschland | 15.973 | -23 % |
| China | 21.302 | -28 % |
| Nordamerika | 43.577 | +10 % |
| Europa ohne Deutschland | 35.381 | -8 % |
| Übersee- und Wachstumsmärkte | 30.158 | +10 % |
Trotzdem sieht Porsche- und Volkswagen-Chef Blume Chancen: „Wir müssen unser Unternehmen jetzt konsequent auf die Zukunft ausrichten.“ Wie genau das neue Sparpaket aussieht, bleibt vorerst offen – doch klar ist: Für Porsche und auch den Standort Deutschland stehen bewegte Zeiten bevor. Mit Audi ist eine weitere VW-Marke in die Krise geschlittert. Eine revolutionäre Modellneuheit soll bald Abhilfe schaffen. (PF)
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