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Der Tesla Semi nimmt den Sektor für Nutzfahrzeuge ins Visier und soll weit verbreitet eingesetzt werden. Ein Großunternehmen hat den Elektro-Lkw bereits ausgiebig getestet. Die Resultate sind unmissverständlich.
Austin/Hannover - Im Bereich Elektroauto hat Tesla eine Revolution vorangetrieben und gehört mittlerweile zu den erfolgreichsten Autokonzernen der Welt. Die Chancen stehen gut, dass dem Transportsektor eine ähnliche Entwicklung bevorsteht: 2026 soll der elektrisch angetriebene Sattelschlepper Tesla Semi in Europa auf den Markt kommen, einen Vorgeschmack bekamen Besucher der IAA Transportation: In Hannover stellte Tesla zwei dieser Schwergewichte aus und machte Werbung für den geplanten Europa-Start.
Tesla Semi schon länger im Einsatz – Manager berichtet Erfahrungen mit Elektro-Lkw
Dabei sind mehrere Exemplare des Elektro-Lkw von Tesla bereits ausgeliefert worden und befinden sich im Einsatz: PepsiCo ist weltweit der einzige Konzern, der Teslas elektrische Semi-Trucks im Einsatz hat. Zuschauer wurden auf der IAA Zeugen eines interessanten Gesprächs zum Thema Antriebswende im Lkw-Sektor.
Teslas Senior Manager Dan Priestley und Pepsis Electrification Manager Dejan Antunović tauschten sich laut Efahrer.com über die bisherigen Erfahrungen aus - und der Manager des Getränkelabels zog ein durchweg positives Fazit: Der Tesla Semi sei nicht nur eine gute Alternative zu Diesel-Trucks, sondern wesentlich besser als diese.
Tesla will Fernverkehr revolutionieren – Pepsi-Manager begeistert vom Elektro-Lastwagen
Das Angebot an elektrischen Lkw ist bislang überschaubar, wie bei den E-Autos will Tesla jedoch auch hier als Vorreiter mitmischen: 2017 kündigte Elon Musk den Semi-Truck an, die Auslieferungen begannen Ende 2022. Zu diesem Zeitpunkt erhielt PepsiCo 36 der Trucks, im Frühjahr 2024 folgten 50 weitere. Doch auch die deutsche Konkurrenz schläft nicht, wie Mercedes-Benz auf der IAA zeigte.
Die Elektro-Lkw von Tesla sind auf drei Depots in Kalifornien verteilt, wobei Fresno mit 50 Fahrzeugen das größte ist. Besonders anspruchsvoll ist der Transport der Getränkeflotte, bei dem die Trucks mit 35 Tonnen Fracht bis zu 800 Kilometer ohne Ladestopp zurücklegen. Nach einem Arbeitstag dauert der Ladeprozess 45 Minuten. In einem auf YouTube veröffentlichten Clip gibt es einen Mitschnitt des Gesprächs.
Umstellung von Diesel auf Elektro: Tesla Semi verbraucht 1 kWh pro Kilometer
Darin berichtet der Pepsi-Offizielle von einem konstanten Verbrauch von 1 kWh pro Kilometer bei voller Ladung, während sich der Wert mit leichter Fracht sogar auf 0,8 kWh/km verringert. Interessanterweise ist der von Tesla kommunizierte Verbrauch 1,25 kWh/km.
Antunović lobt nicht nur die Effizienz und niedrige Unterhaltskosten des Tesla Semi, sondern auch die überraschend leichte Umstellung von Diesel auf Elektro. Ihm zufolge möchten selbst langjährige Trucker, die in Sachen E-Mobilität eher skeptisch waren, nicht mehr zu den alten Verbrenner-Lkw zurückkehren. Für Pepsi steht demnach fest, dass sich die Investition in Teslas Semi Trucks gelohnt hat.
Studie: Elektro-Lkw können Diesel-Trucks bis 2040 nahezu verdrängen
Klingt, als stehen die Chancen gut, dass Tesla auch beim Fernverkehr an der Marktführerschaft rüttelt. Laut einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC könnten elektrische Lastwagen schon in wenigen Jahren Standard auf deutschen Straßen werden und Diesel-Laster bis 2040 nahezu verdrängen.
Bereits 2030 werde mehr als jeder fünfte Lkw und Bus weltweit batterieelektrisch fahren, erwartet die für die Analyse zuständige PwC-Strategieberatung Strategy. 2040 könnten es dann bereits 90 Prozent sein. 2030 rechnen die Experten mit einem weltweiten Absatz von 600.000 E-Lastern, zehn Jahren später dann mit 2,7 Millionen pro Jahr.
Tesla Semi verunglückt: Brand erfordert riesige Wassermassen zum Löschen
Allerdings zeigt ein Unfall in den USA, dass es auch Probleme gibt: Laut Agence France-Press (AFP) haben in Kalifornien Feuerwehrleute mehr als 190.000 Liter Wasser benötigt, um einen brennenden E-Sattelschlepper zu löschen. Neben den großen Mengen Wasser zum Löschen der Flammen und Kühlen der Fahrzeugbatterien setzten die Feuerwehrleute ein Flugzeug ein, das zur Verhinderung eines Waldbrandes „Brandschutzmittel in der unmittelbaren Umgebung anbrachte“, so die nationale Verkehrsbehörde NTSB.
Der Unfall des Tesla Semi ereignete sich am 19. August nahe einem Pass im Gebirge der Sierra Nevada. Am Steuer saß ein Tesla-Angestellter, der den Angaben zufolge zu einer Anlage im US-Bundesstaat Nevada unterwegs war. Der Elektro-Lkw kam in einer Kurve von der Fahrbahn ab, prallte gegen einen Baum und rollte eine Böschung hinab. Das Lithium-Batteriesystem entzündete sich offenbar und löste einen Brand aus. Der Fahrer wurde nicht verletzt. (PF)
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