Autogipfel im Kanzleramt

Verbrenner-Aus unter Merz-Beschuss: Diese Optionen gibt es

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Bundeskanzler Merz will das EU-Verbrenner-Aus 2035 kippen. Die SPD leistet Widerstand. Welche Optionen gibt es für eine Aufweichung der Regelung?

Berlin – CDU-Bundeskanzler Friedrich Merz macht ernst und fordert einen Kurswechsel beim Verbrenner-Verbot der EU ab 2035. „Meine klare Vorstellung ist, dass wir dieses sogenannte Verbrennerverbot in der Form nicht aufrechterhalten“, sagte Merz im n-tv-Talk „Pinar Atalay“. Der Regierungschef bezeichnete das beschlossene Verbrennerverbot als „falsch“ und betonte: „Ich möchte nicht, dass Deutschland zu den Ländern gehört, die an diesem falschen Verbot festhalten.“

Beim Autogipfel im Kanzleramt am Donnerstag, dem 9. Oktober, bekräftigte Merz seine Position. „Einen harten Schnitt 2035 darf es nicht geben“, erklärte er in einer Pressekonferenz. Die EU-Regelung sieht vor, dass der CO2-Ausstoß neu zugelassener Pkw bis 2035 innerhalb der EU auf null sinken soll.

Merz fordert Kurswechsel beim EU-Verbrenner-Verbot: SPD leistet Widerstand

Innerhalb der schwarz-roten Koalition herrscht Uneinigkeit über das weitere Vorgehen. SPD-Umweltminister Carsten Schneider bekräftigte sein Festhalten an den Plänen. Dem RBB sagte er: „In zehn Jahren sieht die Welt noch mal ganz anders aus, was Technologie betrifft.“ Schon jetzt seien Quantensprünge bei den Batterien erzielt worden [...] Sie sind in 20 Minuten aufgeladen, die Autofahrer kommen bis zu 700 Kilometer weit.“

SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf stellte sich ebenfalls gegen Merz‘ Pläne. Für ihn stehe das beschlossene Verbrenner-Aus 2035 nicht infrage, da es um Planungssicherheit gehe. Allerdings zeigten sich mehrere SPD-Abgeordnete offen für Lockerungen des Verbots.

So lange ist das her? Diese 15 Autos feiern 2025 ein rundes Jubiläum

Die vierte Generation des BMW 5er
30 Jahre BMW 5er (E39): Mit einer Neuauflage des BMW 5ers (vierte Generation) konterte der Münchner Autobauer ab 1995 die gleichzeitig erneuerte Mercedes E-Klasse (W210). Die Touring-Version folgte im März 1997, das Sportmodell M5 im Herbst 1998. © BMW
Ein Toyota RAV4
30 Jahre Toyota RAV4: Mit dem Japaner feiert ein früher Vertreter des Kompakt-SUV Jubiläum. Zunächst wurde der RAV4 nur als Dreitürer angeboten – die fünftürige Version mit deutlich besserem Platzangebot wurde jedoch bald nachgeschoben. © Heritage Images/Imago
Ein Toyota MR2
40 Jahre Toyota MR2: Noch ein Japaner feiert Geburtstag. Der keilförmige Mittelmotorsportwagen mit Klappscheinwerfern wurde in Frankreich nur als MR bezeichnet. Weil sich „MR2“ dort ausgesprochen nach einem Fäkalwort anhört. © Toyota
Ein VW Polo der ersten Generation
50 Jahre Volkswagen Polo: Noch vor Ford Fiesta und Opel Corsa brachte der erste Polo den modernen deutschen Kleinwagen in Fahrt – dies allerdings als Parallelmodell zum Audi 50. © VW
Fahraufnahme eines Porsche 924
50 Jahre Porsche 924: Nachfolger des VW-Porsche 914 und Auftakt zu einer Serie erfolgreicher Sportwagen in Transaxle-Bauweise. Wegen seiner vom Volkswagen-Konzern stammenden Teile wurde er oftmals nicht als vollwertiger Porsche angesehen. Spötter bezeichneten das Modell auch als „Hausfrauenporsche“. © Porsche
Ein AMC Pacer
50 Jahre AMC Pacer: Das Design des kompakten Dreitürers darf vorsichtig wohl als „eigenwillig“ bezeichnet werden. Wegen der großen Glasflächen bekam er auch den Spitznamen „rollendes Aquarium“. Ein filmisches Denkmal wurde dem Wagen durch seine Rolle in der Komödie „Wayne‘s World“ (1992) gesetzt. © Dreamstime/Imago
Ein Mercedes W123
50 Jahre Mercedes 200 D bis 280 E (W123): Ein Bestseller mit dem Ruf fast unzerstörbarer Robustheit. Bis zum Januar 1986 liefen fast 2,7 Millionen Fahrzeuge der Baureihe vom Band. © Mercedes
EIn Opel Manta B
50 Jahre Opel Manta B: Nach nur fünf Jahren Bauzeit des Opel Manta A kam 1975 der Opel Manta B auf den Markt. Der hatte einen längeren Radstand und große Rechteck-Scheinwerfer. Das Foto zeigt ein Exemplar aus dem Jahr 1985. Kult-Status erlangte der Opel Manta B durch den Film „Manta, Manta“ (1991) mit Til Schweiger und Tina Ruland in den Hauptrollen. © Sebastian Geisler/Imago
Ein Rallye-Opel-Ascona-B
50 Jahre Opel Ascona B: Und noch ein Opel feiert 2025 einen runden Geburtstag. Rallyechampion Walter Röhrl gewann mit der Mittelklasse-Limousine Opel Ascona B 1982 sogar die Fahrer-Weltmeisterschaft. © Opel
Ein BMW 3er der ersten Generation
50 Jahre BMW 3er (E21): Die kompakte Sportlimousine ersetzte ab 1975 die BMW 02-Typen und avancierte zur bis heute erfolgreichsten Modellreihe des Münchner Autobauers. Das Sportmodell M3 kommt aber erst 1986 mit der nächsten 3er-Generation (E30) auf den Markt. © BMW
Toyota Corolla der 3. Generation
50 Jahre Toyota Corolla (3. Generation): Im März 1975 kam die dritte Corolla-Generation in Deutschland auf den Markt. Mit dem 1,2-Liter-Motor (55 PS) kostete der Corolla damals ab 8.490 D-Mark. © Depositphotos/Imago
Ein Peugeot 403
70 Jahre Peugeot 403: Im Jahr 1955 wurde der Peugeot 403 erstmals in Paris der Öffentlichkeit vorgestellt. Es war das erste Modell der Franzosen, dass sich mehr als eine Million mal verkaufte. Bekannt wurde die Cabrio-Version des 403 vor allem durch die 1970er-Jahre-Serie Columbo, in der der Hauptdarsteller (Peter Falk) einen solchen Wagen fuhr.  © Pond5 Images/Imago
Ein Fiat 600
70 Jahre Fiat 600: Auf dem Genfer Autosalon 1955 feiert der Fiat „Seicento“ Premiere – noch im selben Jahr startete die Prodktion. Die ersten Modelle – im Gegensatz zum Fahrzeug auf dem Foto – hatten noch sogenannte Selbstmördertüren, die hinten angeschlagen waren. © Depositphotos/Imago
Eine BMW Isetta
70 Jahre BMW Isetta: Im Jahr 1955 startete das Rollermobil BMW Isetta. Das ungewöhnliche Konzept mit der Fronttür ist heute Kult – und findet mit dem elektrischen Microlino sogar eine Art Neuauflage.  © Imagebroker/Imago
Ein Citroën DS
70 Jahre Citroën DS: Auf dem Pariser Salon 1955 feierte die futuristische Limousine ihre Weltpremiere – mit gigantischem Erfolg. Angeblich wurden am ersten Abend nach der Präsentation 12.000 Bestellungen aufgenommen, bis Messeende 80.000 Kaufverträge abgeschlossen. Der Spitzname des damals technisch herausragenden und außergewöhnlich designten Fahrzeugs lautete in Deutschland „die Göttin“. © DS

Konkrete Optionen für eine Lockerung des Verbrenner-Aus – Plug-in-Hybride als Übergangslösung

Eine zentrale Diskussion dreht sich um die Zukunft von Hybridfahrzeugen. Laut Handelsblatt soll nach Informationen aus Teilnehmerkreisen diskutiert worden sein, „Plug-in-Hybride, die mit einem Elektro- und einem Benzinmotor angetrieben werden, auch noch nach 2035 neu zuzulassen“. Auch sogenannte Range-Extender, Elektroautos mit einem kleinen Verbrennungsmotor als Generator, könnten erlaubt bleiben. Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) zeigte sich offen für diese Lösung. Dies betreffe „die Frage von Plug-in-Hybriden, sogenannten Range-Extendern, also Kombinationen von Elektro- und Verbrennungsmotoren über 2035 hinaus“, so Klingbeil.

Der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) forderte bereits eine Absenkung der CO2-Ziele auf minus 90 Prozent gegenüber 2021. Dies ist aber unwahrscheinlich, da im EU-Parlament die Mehrheit dafür fehlt. Wahrscheinlicher ist eine Streckung nach dem gleichen Muster wie bei den Flottengrenzwerten 2025: Wer die Vorgaben in einem Jahr verfehlt, kann dies in den Folgejahren ausgleichen.

Klimaneutrale Kraftstoffe und grüner Stahl: Deutsche Industrie begrüßt mehr Flexibilität

Deutschland hatte bereits im vergangenen Jahr eine Ausnahme für klimaneutrale synthetische Kraftstoffe – sogenannte E-Fuels – in Brüssel durchgesetzt. Ein neuer Ansatz zielt darauf ab, „Klimaschutz in der Produktion mit Spielräumen beim Verkauf von Autos zu verknüpfen“, berichtet das Handelsblatt. Wer grünen Stahl oder ausschließlich Ökostrom nutzt, soll CO2-Credits erhalten und im Gegenzug mehr Verbrenner verkaufen dürfen.

Die Automobilindustrie reagierte positiv auf die Signale aus Berlin. VDA-Chefin Hildegard Müller begrüßte „die Unterstützung der Bundesregierung für mehr Flexibilität bei den europäischen CO2-Klimavorgaben“. Volkswagen-Konzernchef Oliver Blume sagte: „Wir brauchen jetzt einen Realitätscheck der politischen Vorgaben, um flexibler beim Erreichen der CO2-Ziele zu werden.“

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) will das EU-Verbrenner-Aus ab 2035 kippen und setzt auf mehr Technologieoffenheit. Die SPD leistet noch Widerstand gegen eine Aufweichung der Klimaziele.

Deutschlands politisches Pingpong beim Verbrenner-Aus: Entscheidung fällt in Brüssel

Trotz der deutschen Diskussion fällt die eigentliche Entscheidung in Brüssel. Dort wird Anfang Dezember der sogenannte strategische Dialog für die Automobilindustrie fortgesetzt. Merz kündigte an, bereits in zwei Wochen in Brüssel für die neue Position der Bundesregierung zu werben. Dort wird er alles andere als mit offenen Armen empfangen werden, denn das Vorhaben des Bundeskanzlers stößt in der belgischen Hauptstadt auf Kritik.

Der EU-Abgeordnete Michael Bloss (Grüne) warnte laut Handelsblatt: „Wer jetzt die vereinbarten europäischen Regeln wieder aufschnüren will, öffnet die Büchse der Pandora – und gefährdet damit die Stabilität, die unsere Industrie so dringend braucht.“ Auch die Co-Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Katharina Dröge, kritisierte: „Merz und Klingbeil erteilen dem EU-Verbrenner-Aus 2035 de facto eine Absage.“ Dies sei eine fatale und kurzsichtige Entscheidung.

Auch unter Wirtschaftsweisen und Branchenexperten ist das Vorgehen umstritten. Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach, warnte im Handelsblatt, dass es der Industrie mehr schade als nütze, wenn das Verbrenner-Aus gelockert werde. „Die Verunsicherung bei den Kunden, die der Elektromobilität ohnehin skeptisch gegenüberstehen, wird dadurch noch größer“. Dabei müssten die Hersteller eigentlich mehr Elektroautos verkaufen, um Skaleneffekte bei den Kosten zu erzielen, betonte Bratzel. Zudem sorge „die Parallelentwicklung von Autos mit Elektro- und Verbrennerantrieb für einen milliardenschweren Mehraufwand“. (ls)

Rubriklistenbild: © Christian Spicker/ IMAGO

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