Exklusiv-Interview

Europa-Chef von China-Hersteller: „Wir sind trainiert in Technologie und Kosten“

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Der Europa-Chef von NIO schildert, wie der China-Hersteller dank neuer Technologien und starker deutscher Zulieferer die Märkte erschließen will.

München – Als NIO im Jahr 2015 sein Designzentrum in der bayerischen Landeshauptstadt eröffnete, ahnte kaum jemand, wie sich das chinesische Start-up entwickeln würde. Damals stand noch nicht einmal fest, welches Logo die Fahrzeuge zieren sollte. Heute, zehn Jahre später, ist aus der einstigen Vision ein Herausforderer der deutschen Autoelite geworden.

Autobauer NIO als Innovationstreiber in China – in Europa ein Exot

Mit eigenständigen Designs und einem klaren Fokus auf Digitalisierung und Elektromobilität setzt NIO internationale Trends und die Ambitionen sind groß: Schließlich gehört der China-Hersteller mit den Submarken Onvo und Firefly mittlerweile zu den Innovationstreibern der Branche. Im ersten Halbjahr 2025 rollten in der Volksrepublik knapp 115.000 Fahrzeuge vom Band – ein beachtlicher Wert, jedoch rechnete die Chefetage für diesen Zeitraum mit nahezu dem doppelten Absatz.

In Europa ist NIO nach wie vor ein Geheimtipp. Mit bald sechs verfügbaren Modellen ist das Angebot auf dem hiesigen Kontinent bald größer denn je, im ersten Halbjahr brachte man jedoch gerade mal 368 Neuwagen an den Mann bzw. die Frau. 

NIO bezieht für Millionengelder Komponenten deutscher Zulieferer

Und dennoch ist der Einfluss des Unternehmens spürbar, das gilt auch für die deutsche Autoindustrie: Viele wichtige Komponenten des neuen Flaggschiffs NIO ET9 stammen von hiesigen Zulieferern. 

Namen wie Continental, Schaeffler oder Infineon stehen für „Made in Germany“ – und eine enge Verflechtung zwischen deutscher und chinesischer Wertschöpfung. NIO bezieht Komponenten im Wert von mehreren hundert Millionen Euro aus Europa, verriet Europachef Hui Zhang der Automobilwoche.

Bei einer Jubiläumsfeier bei München blicken NIO-Europa-Chef Hui Zhang und Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger unter die Fronthaube eines Elektroautos.

China-Hersteller NIO: Zwischen Euphorie und Existenzkampf

Doch der Weg an die Spitze im hart umkämpften Autosektor ist steinig: Trotz aller Innovationen und Partnerschaften sieht sich NIO aktuell mit massiven Herausforderungen konfrontiert. Jüngste Aussagen von CEO William Li lassen aufhorchen: Das Unternehmen kämpfe ums Überleben, die Sicherung der Zukunft hat aktuell höchste Priorität.

Europachef Zhang sprach mit IPPEN.MEDIA über die innovative Batteriewechsel-Technologie, Ambitionen auf dem europäischen Markt, handelspolitische Hürden und die Bedeutung deutscher Zulieferer.

NIO ermöglicht in allen Fahrzeugen die Batteriewechsel-Technologie: Bleibt dies ein Alleinstellungsmerkmal oder könnten andere Hersteller nachziehen?
Hui Zhang: Die „Batteryswap“-Technologie ist tatsächlich nicht von NIO erfunden. Stattdessen haben wir sie weiterentwickelt und in großem Maß umgesetzt. Wir haben bis heute über 3500 „Swap Stations“ in China und 60 in Europa. Über 80 Millionen Batteriewechsel wurden schon getätigt und aktuell passiert alle 0,7 Sekunden ein Batteriewechselvorgang. Seit Ende 2023 arbeiten wir auch mit anderen chinesischen Herstellern in einer Allianz zusammen. Hier sind viele größere Hersteller wie Chery, Changan oder auch Lotus an Bord.
Dürfen wir mit einem herstellerübergreifenden System für Batteriewechsel rechnen?
Zhang: Die chinesische Regierung arbeitet seit über zwei Jahren an einem nationalen Standard. Auch in Europa ist das ein Thema: Hersteller sehen, dass es sich um eine fortschrittliche Technologie handelt und damit viele Themen beim Übergang zur E-Mobilität gelöst werden können. Selbst bei Stellantis und Audi liegen entsprechende Pläne in der Schublade.

NIO-Manager: China-Hersteller sind „trainiert in Technologie und Kosten“

Kommen wir zur Handelspolitik: Wie bewerten Sie, dass auf EU-Ebene chinesischen Herstellern irreguläre Subventionen vorgeworfen werden, während beispielsweise Deutschland ebenfalls E-Mobilität fördert?
Zhang: Subvention ist ein hochpolitisches Thema, in Europa gibt es sie auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene. In China ist der Markt sehr wettbewerbsintensiv, ich darf an dieser Stelle Dr. Holger Klein (Anm. d. Red.: CEO von ZF Friedrichshafen) zitieren: Der chinesische Markt ist ein „Fitnessstudio für globale Automärkte“. Der Markt ist groß und intensiv, die Konkurrenz stark, das treibt Innovationen und die Effizienz. So wurden zuletzt 27,8 Millionen PKW in einem Jahr verkauft, während es in Deutschland 2024 glaube ich 2,9 Mio. waren. Wir sind einfach trainiert durch den starken Wettbewerb, sowohl in der Technologie als auch den Kosten. Was Deutschland betrifft: Ich befürworte, dass die Regierung die E-Mobilität fördert. Damit sie sich durchsetzt, braucht es Anreize wie eine bessere Infrastruktur und niedrige Energiekosten.
Hui Zhang (r.) leitet die Geschicke von China-Hersteller NIO in Europa. Beim 10-jährigen Jubiläum war Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger zu Gast.
Die sind in der Volksrepublik deutlich niedriger als hierzulande...
Zhang: Zum Vergleich: In China kostet Strom pro Kilowattstunde nur etwa 8 bis 10 Cent, in Europa manchmal rund 80 Cent. Man muss den Leuten ein paar Vorteile aufzeigen, damit sie auf ein Elektroauto umsteigen. Dazu gehört neben einer passenden Infrastruktur, dass die Energiekosten gesenkt werden müssen. Warum? Wenn ich in China unser Elektro-SUV NIO EL8 fahre, spare ich im Vergleich zu einem BMW X5 durch die niedrigen Stromkosten monatlich bestimmt zwischen 50 bis 80 Euro.

NIO-Marketingchef Christian Wiegand wirft ein: „Dabei muss man gar nicht immer mit China vergleichen. In Norwegen wurden die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen, dort haben wir über 90 Prozent Zulassungszahlen bei Elektromobilität.“

Hui Zhang (NIO) hält es mit Aiwanger: „Keine Zölle sind die besten Zölle“

Länder wie Frankreich wehren sich mit protektionistischen Maßnahmen gegen den Import chinesischer E-Autos. Was halten Sie von diesem Vorgehen?
Zhang: Die EU hat 27 Mitglieder und jedes Land darf für sich entscheiden. Allgemein glaube ich, Nachhaltigkeit und Energiewirtschaft ist ein gesamtes Ziel für alle EU-Länder und dazu bekennt sich auch die chinesische Regierung sehr stark. Ich konzentriere mich darauf, dass NIO in unterschiedlichen Segmenten marktgerechte Produkte anbietet. Wie Staatsminister Hubert Aiwanger bin ich für freien Handel und sehe keine Zölle als die besten Zölle an. So profitiert die Wirtschaft, es entstehen Arbeitsplätze und der Wohlstand steigt.
Wo sehen Sie NIO in fünf Jahren in Deutschland und Europa?
Zhang: Wir bauen unser Team weiter aus, aktuell über 800 Mitarbeitende in sieben Ländern, der größte Standort im Hinblick auf die Mitarbeit ist München. Wir stärken unsere Entwicklungskompetenz in Europa, wollen den hiesigen Kundenwünschen besser nachkommen, mehr Autos verkaufen und als Marke für europäische Kunden wahrgenommen werden.

Zeitlinie: So hat Trump den Zoll-Krieg vom Zaun gebrochen

Am 20. Januar legt Donald Trump den Amtseid ab und wird als US-Präsident vereidigt.
Am 20. Januar legt Donald Trump den Amtseid ab und wird als US-Präsident vereidigt. In seiner Rede spricht er davon, andere Länder mit Zöllen zu belegen, um die US-Bürger zu bereichern. Noch am ersten Tag als Präsident verkündet Trump, die US-Nachbarländer Kanada und Mexiko mit Zöllen in Höhe von 25 Prozent zu belegen. Diese sollen ab dem 1. Februar in Kraft treten. © IMAGO/CNP/AdMedia
ines der ersten Länder, das am eigenen Leib erfahren musste, dass Trump nicht nur leere Drohungen ausspricht, war Kolumbien.
Eines der ersten Länder, das am eigenen Leib erfahren musste, dass Trump nicht nur leere Drohungen ausspricht, war Kolumbien. Am 26. Januar schickte Trump zwei US-Militärflugzeuge mit Migranten in das Land und forderte von Präsident Gustavo Petro, diese wieder aufzunehmen. Petro widersetzte sich zunächst, da die Passagiere seiner Ansicht nach nicht würdevoll behandelt worden seien. Daraufhin kündigte Trump Zölle in Höhe von 25 Prozent gegen Kolumbien an. Auch Petro drohte mit Gegenzöllen auf US-Importe – ruderte später jedoch zurück und erlaubte die Landung der Maschinen. © IMAGO/Sebastian Barros
US Trump Tariffs
Schon früh nahm Trump die beiden Nachbarländer Kanada und Mexiko, sowie China ins Visier. Am 1. Februar kündigte er offiziell Zölle in Höhe von 25 Prozent auf Importe aus beiden Ländern an, in China sind es erstmal nur 10 Prozent. Ziel sei es, den Handel mit dem Opioid Fentanyl sowie die illegale Einwanderung in die USA einzudämmen – Probleme, die Trump zufolge von den Nachbarn zu sehr vernachlässigt würden. Kanadische Energieexporte sollten dabei lediglich mit zehn Prozent besteuert werden. Nur zwei Tage später, am 3. Februar, verschob Trump die geplanten Maßnahmen für Kanada und Mexiko jedoch um einen Monat. Die Zölle auf China bleiben in Kraft. © IMAGO/Stringer
2025 Liberal Leadership Election Results Announcement In Ottawa
Nach dem Aufschub im Februar setzt Trump die 25-prozentigen Zölle gegen Kanada schließlich am 4. März in Kraft. Kanada reagiert zunächst unter Premierminister Justin Trudeau mit Gegenzöllen in gleicher Höhe auf US-Waren im Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar – darunter Produkte wie Orangensaft und Kaffee. Zudem bereitet Kanada weitere Zölle auf US-Exporte wie Autos und Stahl im Wert von rund 90 Milliarden Dollar vor. Trump reagiert erneut: Am 5. März werden die Zölle auf kanadische Autoimporte ausgesetzt, am 6. März folgen weitere Sektoren. Kanada zeigt sich daraufhin vorerst zurückhaltend. Am 10. März übernimmt Mark Carney das Amt des Premierministers und kündigt an, sich Trumps Handelspolitik entschieden entgegenzustellen. Nach einem weiteren Schlagabtausch – Kanada droht mit einem Stromlieferstopp, Trump kontert mit der Verdopplung der Zölle – beruhigt sich die Lage vorübergehend. Doch am 9. April führt Kanada schließlich Gegenzölle in Höhe von 25 Prozent auf Autoimporte ein, sofern diese nicht den USMCA-Richtlinien entsprechen. © IMAGO/Artur Widak
Auch Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum nimmt die US-Zölle nicht einfach hin.
Auch Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum nimmt die US-Zölle nicht einfach hin. Nach Trumps Ankündigung, ab Februar Strafzölle gegen Mexiko zu erheben, reagiert ihre Regierung mit der Androhung von Gegenzöllen. Noch bevor konkrete Maßnahmen folgen können, setzt Trump – wie bereits im Fall Kanadas – die Zölle zunächst aus. Später werden sie nur selektiv in wenigen Sektoren umgesetzt. © IMAGO/Gerardo Vieyra
Die 10-prozentigen Zölle auf China sind nur der Anfang eines eskalierenden Handelsstreits zwischen China und den USA.
Die 10-prozentigen Zölle auf China sind nur der Anfang eines eskalierenden Handelsstreits zwischen den beiden Ländern. Nachdem die Zölle am 4. Februar in Kraft treten, reagiert China mit ersten Gegenmaßnahmen. Das Land leitet eine Kartelluntersuchung gegen Google ein und erhebt 15-prozentige Zölle auf Kohle und Flüssigerdgasprodukte sowie 10 Prozent auf Rohöl und Maschinen. Anfang März erhöht Trump die US-Zölle auf chinesische Einfuhren auf 20 Prozent. Daraufhin kündigt China 15-prozentige Zölle auf US-Agrarprodukte wie Hühnerfleisch, Weizen und Baumwolle an. Etwas reduzierte Zölle von zehn Prozent gelten für Produkte wie Schweinefleisch, Hirse und Sojabohnen. © Mikhail Klimentyev/Kremlin Pool via www.imago-images.de
Am 26. März folgt schließlich die Ankündigung von Zöllen auf Autoimporte in die USA: Fertigfahrzeuge sollen ab dem 3. April mit 25 Prozent besteuert werden, Autoteile ab dem 3. Mai.
Doch nicht nur einzelne Länder trifft Trump mit seinen Zöllen. Am 10. Februar kündigt er erstmals an, Zölle auf Aluminium und Stahl zu erheben – die am 12. März global in Kraft traten. Weitere Durchführungsverordnungen des Republikaners befassen sich mit möglichen Importzöllen auf Kupfer und Holz, da diese für Verteidigung, Infrastruktur und Technologie als essenziell gelten und somit die nationale Sicherheit betreffen. Konkrete Maßnahmen dazu stehen noch aus. Am 26. März folgt schließlich die Ankündigung von Zöllen auf Autoimporte in die USA: Fertigfahrzeuge sollen ab dem 3. April mit 25 Prozent besteuert werden, Autoteile ab dem 3. Mai. © IMAGO/Dwi Anoraganingrum
Mit der Zollerhebung auf importierten Stahl und Aluminium wird auch die Europäische Union aktiv.
Mit der Zollerhebung auf importierten Stahl und Aluminium wird auch die Europäische Union aktiv. Am 12. März kündigt die EU Vergeltungsmaßnahmen auf US-Waren im Wert von rund 26 Milliarden Euro an, die gestaffelt in Kraft treten sollen – darunter Textilien, Agrarprodukte, Motorräder sowie ebenfalls Stahl und Aluminium. Trump reagiert empört und droht mit Strafzöllen von 200 Prozent auf europäischen Wein, Champagner und Spirituosen, sollte die EU an einem 50-prozentigen Zoll auf amerikanischen Whiskey festhalten. Die EU verschiebt ihre Maßnahmen daraufhin zunächst auf Mitte April. © IMAGO/Bert Van Den Broucke
Am 24. März gerät auch Venezuela ins Visier von Trump.
Am 24. März gerät auch Venezuela ins Visier von Trump. Er verkündet, ab dem 2. April alle Länder mit einem 25-prozentigen Zoll zu bestrafen, die Öl oder Gas aus Venezuela kaufen. Er begründet diese Entscheidung damit, dass das Land Kriminelle in die USA schicke und sich feindselig gegenüber den USA verhalte. Den gleichen Zoll werde er auch über Venezuela selbst verhängen, verkündete er. © IMAGO/Markus Matzel
Trump Annouinces New Tariffs at a Make America Wealthy Again Event
Nachdem Trump Konzepte für reziproke bzw. „gegenseitige“ Zölle mit seinem Amtseintritt in Auftrag gibt, wird er am 13. Februar zum ersten Mal konkreter. Er warnt davor, bald US-Zölle zu erheben, die „aus Gründen der Fairness“ auf das Niveau der Einfuhrzölle anderer Länder angepasst werden. Konkret wird Trump am 2. April, den von ihm deklarierten „Tag der Befreiung“.  © IMAGO/CNP/AdMedia
Trump nennt die genauen Details seiner „gegenseitigen“ Zölle
Am 2. April ist es dann tatsächlich so weit, und Trump nennt die genauen Details seiner „gegenseitigen“ Zölle. Zunächst erfolgt am 5. April ein allgemeiner Importzoll auf alle Waren von 10 Prozent, und am 9. April treten dann die länderspezifischen Gegenzölle in Kraft. Für China bedeutet das nochmals 34 Prozent, und die EU trifft es mit 20 Prozent. Außerdem spricht sich Trump dafür aus, Waren aus Kanada und Mexiko, die dem USMCA-Handelsabkommen entsprechen, zollfrei zu halten. Alle anderen Importzölle sollen auf 12 Prozent sinken, sollten die beiden Nachbarländer Trumps Forderungen nachkommen. Am Ende werden die zehnprozentigen Zölle umgesetzt, doch die reziproken Zölle werden kurz nach Mitternacht am 9. April um 90 Tage ausgesetzt. Ausgeblieben von der Regelung bleibt ein Land: China. © IMAGO/Stringer
Hauptsächlich beladen mit Containern aus China fährt ein Containerschiff elbaufwärts in den Hamburger Hafen.
Die 10-prozentigen Zölle auf China sind erst der Anfang eines eskalierenden Handelstreits zwischen den beiden Ländern. Nach dem die Zölle gegen CHina am 4. Februar in Kraft treten, verhängt CHina erste Gegenmaßnahmen. Das Land zettelt eine Karteluntersuchung gegen Google and, erhebt 15-prozentige Zölle auf Kohle und Flüssigerdgasprdoukte, sowie 10 Prozent auf Rohöl und Maschinen. Anfang März erhöht Trump den US-Zoll auf chinesische Einfuhren auf 20 Prozent. Daraufhin kündigt China 15 Prozent auf US_Agrarprodukte an, darunter Hühnergleisch, Weizen und Baumwolle. Etwas reduziertere Zölle von zehn Prozent givt es auf Produkte wie Schweinefleisch Hirse der Sojabohnen.  © Imago/Winfried Rothermel
Apple produziert seine IPhones hauptsächlich in China. Sie sind von dem Zoll ausgenommen.
Im Zollstreit mit China rudert Trump wieder etwas zurück. Am 13. April verkündete er, dass rückwirkend zum 5. April alle Smartphones, Computer und andere Elektronikprodukte aus China von den Zöllen befreit seien. Auch die 10-prozentigen Basiszölle seien davon ausgenommen. Kurz darauf korrigierte er seine Aussage auf der Social-Media-Plattform Truth Social teilweise. Es handle sich dabei gar nicht um eine „Ausnahme“, sondern die Produkte würden in einem anderen „Zolleimer“ landen. Sie unterlägen zudem den 20-prozentigen Anfangszöllen. Weiterhin wolle Trump im Laufe der neuen Woche, ab dem 14. April, die Höhe der Zölle für importierte Halbleiter bekannt geben. © IMAGO/CFOTO
Vehicles Export in Nanjing Port
Weitere Ausnahmen macht Trump bei importierten Autoteilen aus China: Sie sollen den allgemeinen Autozöllen unterliegen, die Anfang Mai in Kraft treten, jedoch nicht von den hohen allgemeinen China-Zöllen betroffen sein. Zu weiteren Kompromissen gegenüber China zeigt sich Trump momentan nicht bereit. In einer Pressekonferenz an Bord der Air Force One erklärte Trump, er werde die hohen Zölle nicht fallen lassen, „es sei denn, sie geben uns etwas [...], das substanziell ist.“ Zudem ergänzte er: „Es wird alles klappen. Diese Dinge funktionieren immer.“ © IMAGO/CFOTO
U.S.-China trade talks
Nach den eskalierenden Zollstreitigkeiten zwischen den USA und China haben sich beide Länder bei Verhandlungen in Genf auf eine 90-tägige Zollpause geeinigt. Sowohl die USA als auch China senken ihre Zölle um 115 Prozentpunkte und erheben in diesem Zeitraum nur noch 30 bzw. 10 Prozent auf die Einfuhr von Waren. Spezielle Sonderzölle sind von der Pause ausgenommen. Weitere Verhandlungen finden in der Zwischenzeit statt, wie das Handelsministerium in Peking mitteilt. Hier im Bild: US-Finanzminister Scott Bessent (rechts) und US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer bei der Pressekonferenz in Genf am 12. Mai. © IMAGO/ Kyodo News
Kananaskis, Alberta, Kanada, 16.06.2025: Mountain Lodge: G7-Gipfel 2025: US-Präsident Donald Trump und der deutsche Bund
Ende Mai kündigte Trump erneut Zölle gegen die EU an. Er drohte mit einem Zollsatz von 50 Prozent, der ab dem 1. Juni gelten sollte. Als Grund nannte er das Handelsdefizit. „Unsere Gespräche mit ihnen führen zu nichts“, sagte er im Zusammenhang mit den Verhandlungen. Wenige Tage nach der Ankündigung gewährte Trump auf Bitte der EU jedoch eine Verschiebung auf den 9. Juli, um mehr Zeit für Verhandlungen zu schaffen. CDU-Bundeskanzler Friedrich Merz kritisierte in diesem Zusammenhang das Vorgehen der EU und bezeichnete es am Tag der Industrie in Berlin am Montag, 23. Juni, als „viel zu kompliziert“. Er forderte, die Verhandlungen auf vier bis fünf große Branchen zu konzentrieren, darunter die Automobilindustrie, Chemie, Pharma und Maschinenbau. Hier im Bild: Donald Trump und Friedrich Merz beim G7-Treffen in Kanada Mitte Juni.  © IMAGO/Bergmann, Guido/BPA/dts Nachrichtenagentur
NATO Summit In The Hague
Am 29. Mai entschied das Gericht für internationalen Handel, dass Trumps Zölle nicht rechtswidrig sind. Denn laut dem Richter darf Trump sich nicht auf das Notstandsgesetz berufen. Eine mehrtägige Frist wurde verhängt, um die Zölle auszusetzen. Daraufhin legte die amerikanische Regierung jedoch Berufung ein, wodurch das Urteil vorerst ausgesetzt wurde. Das Berufungsgericht will den Fall nun eingehender prüfen. Am Ende steht der Supreme Court, der überwiegend mit Republikanern besetzt ist. Weitere Verfahren laufen derzeit vor dem Bezirksgericht in Washington und im Bundesstaat Kalifornien. Ein kurzfristiges Urteil ist vorerst jedoch nicht zu erwarten. © IMAGO/Jakub Porzycki
Waschmaschine, Kuehlschrank Copyright: xZoonar.com/LutzxWallrothx 829120
Die US-Regierung unter Trump erhöhte ab dem 4. Juni die Einfuhrzölle auf Stahl und Aluminium von zuvor 25 Prozent auf 50 Prozent, um die heimische Industrie weiter zu schützen. Außerdem wurden ab dem 23. Juni die Zölle auf bestimmte Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen, Gefrierschränke, Geschirrspüler und Herde ausgeweitet, da diese oft stahlhaltige Komponenten enthalten. Von den erhöhten Zöllen sind britische Waren ausgenommen. © IMAGO/Zoonar.com/Lutz Wallroth
Brazil BRICS Summit
Als Reaktion auf ein Treffen der BRICS-Staaten in Rio de Janeiro verkündete Trump, jedes Land mit zusätzlichen Zöllen von 10 Prozent zu belegen, das erwäge, dem Verbund beizutreten. Diese Warnung veröffentlichte er am Sonntag, dem 6. Juli, in einem Beitrag auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social – kurz nachdem die Staatengruppe in einer Erklärung betont hatte, dass Trumps Zölle eine Bedrohung für den Welthandel darstellten. Hier im Bild: Russlands Außenminister Sergej Lawrow beim Treffen in Brasilien. © IMAGO/Kirill Zykov
U.S.-WASHINGTON, D.C.-WHITE HOUSE-PRESS BRIEFING-TARIFFS
Trumps aufgeschobene, sogenannte gegenseitige Zölle sollten eigentlich am 9. Juli in Kraft treten. Doch kurz vor Ablauf der Frist verkündete die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt (im Bild: mit Trumps Brief an Südkorea), eine erneute Verschiebung – nun auf den 1. August. Als Begründung nannte sie den Wunsch, zusätzlichen Raum für Verhandlungen zu schaffen. Eine wichtige Ausnahme bildet die Volksrepublik China: Trump bezieht das Land nicht in den Fristaufschub ein, doch beide Seiten hatten sich zuvor in Gesprächen auf ein Handelsabkommen verständigt. Gleichzeitig setzt Trump ein deutliches Signal an andere Staaten: Er verschickt insgesamt 14 Briefe an verschiedene Länder, in denen neue Zollsätze angekündigt werden – mit Wirkung zum 1. August. Die ersten beiden Schreiben gehen an Japan und Südkorea. Laut den Briefen soll für beide Länder ein Zollsatz von 25 Prozent gelten. Die Maßnahmen sind nicht sektorspezifisch und gelten daher unabhängig von bestehenden Zöllen etwa auf Stahl oder Aluminium. In dem Schreiben warnt Trump zudem vor möglichen Gegenreaktionen: Sollten betroffene Länder mit eigenen Maßnahmen antworten, behalte sich die US-Regierung vor, die Zölle weiter zu erhöhen. © IMAGO/Hu Yousong
Japan PM comments on trade deal with U.S.
Im Zuge der Handelsstreitigkeiten mit den USA einigen sich US-Präsident Trump und der japanische Premierminister Shigeru Ishiba auf ein Handelsabkommen. Das am 23. Juli verkündete Abkommen soll die Zolllast für Japan verringern, die in einem zuvor versandten Brief von Trump noch bei 25 Prozent liegen sollte. Nun haben sich beide Seiten auf einen Zollsatz von 15 Prozent geeinigt. Im Gegenzug verspricht Japan, verstärkt in die USA zu investieren. Laut japanischen Medienberichten soll die 50-prozentige Abgabe auf Stahl- und Aluminiumgüter jedoch unverändert bleiben. Trump selbst bezeichnete das Abkommen als das „vielleicht größte, das jemals geschlossen wurde“. © IMAGO
Ursula von der Leyen für Handelsgespräche mit den USA offen
Nachdem Trump bereits Anfang Juli 14 Briefe an verschiedene Länder verschickt hatte, in denen er sie über geplante Zollerhöhungen informierte, folgte Mitte des Monats ein weiterer Brief an die EU. Demnach drohen Zölle in Höhe von 30 Prozent, die ab dem 1. August in Kraft treten sollen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen reagierte umgehend und warnte vor den wirtschaftlichen Folgen solcher Maßnahmen. Die EU zeigt sich laut Diplomaten in einem Bericht der Financial Times weiterhin verhandlungsbereit und wäre demnach bereit, einem Zollsatz von 15 Prozent zuzustimmen. Auch Abgaben auf bestimmte Produkte, etwa medizinische Geräte oder Flugzeuge, könnten entfallen. Eine endgültige Einigung steht jedoch noch aus. Von der Leyen warnte zudem, dass bei einem Scheitern der Gespräche Gegenmaßnahmen folgen könnten. © IMAGO/Matrix Images

Deutscher Absatzschwund in China: NIO-Chef sieht „positive Entwicklungen“

Die deutsche Premiumkonkurrenz leidet in China unter einem Absatzschwund. Besteht eine reelle Chance, dass sie zu alter Stärke zurückkehren?
Zhang: Ich sehe positive Entwicklungen: passendere Modelle für den chinesischen Markt, mehr Elektrifizierung und – ganz wichtig – tiefere Partnerschaften, etwa Joint Ventures mit lokal ansässigen Firmen. Die Zusammenarbeit ist auf ein neues Level gekommen, das geht über Beteiligungen bis hin zu chinesischen Technologien für deutsche Autos. Deutsche Autobauer sind seit Jahrzehnten Weltmarktführer und werden auch künftig Chancen haben.
Sie sprachen bei der Jubiläumsfeier von NIO von 250 Zulieferern aus ganz Europa. Wie viele davon kommen aus Deutschland?
Zhang: Wenn ich es richtig im Kopf habe, befinden sich alleine in Bayern 16 Partner. Deutschlandweit gehören Firmen wie Continental, Schaeffler, Webasto, BASF, Rosenberger, Chiphersteller Infineon, ZF und das Fraunhofer-Institut zu unseren Partnern. Wir haben unterschiedlich große Lieferanten, von kleineren Unternehmen bis hin zu großen Konzernen.

Das Interview führte Patrick Freiwah

Rubriklistenbild: © Freiwah

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