Nach Zuversicht folgt das Aus

Deutscher Weltmarktführer schließt nach 120 Jahren – mehr als 200 Mitarbeiter ohne Job

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Die Firmenpleiten in Deutschland steigen 2025 auf ein Zehn-Jahres-Hoch. (Symbolbild)
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Kurz vor Weihnachten muss eine große Papierfabrik den Betrieb endgültig schließen. Mehrere hundert Beschäftigte verlieren den Job – das Ergebnis politischer Rahmenbedingungen in Deutschland?

Uetersen – In Deutschland geraten immer mehr Unternehmen in wirtschaftliche Schieflage, eine Insolvenzanmeldung folgt der nächsten. Während es einigen Betrieben gelingt, sich nach einer Sanierung neu aufzustellen, gibt es für eine große Papierfabrik keine guten Nachrichten mehr: Kurz vor Weihnachten muss die Papierfabrik Feldmühle endgültig schließen. „Wir waren sicher, den Turnaround zu schaffen“, heißt es in einer Pressemitteilung des weltweiten Marktführers für nassfeste Etikettenpapiere. Was ist passiert?

Große Papierfabrik muss schließen: Hohe Energiekosten und bürokratische Hürden verantwortlich

Das endgültige Aus kommt nicht ganz unerwartet, denn die Papierfabrik Feldmuehle GmbH aus Uetersen musste bereits drei Mal innerhalb von sieben Jahren Insolvenz anmelden. Als Gründe nannte das Unternehmen vor allem auch stark gestiegene Energiekosten. „Leider mussten wir aufgrund ungeplanter Marktereignisse, der ergebnislos ausgehenden Industriestrompreis-Diskussion und immer weiterer, neuer bürokratischer Hürden zusammenfassend feststellen, dass wir auf Dauer nicht mehr in der Lage sind, ausreichend wettbewerbsfähig die Produktion an unserem Standort in Uetersen fortzuführen - eine wirtschaftlich sinnvolle Aufrechterhaltung des Betriebes ist nicht möglich“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.

Für 218 Beschäftigte und ihre Familien bedeutet dies nun, dass sie kurz vor Weihnachten ohne Arbeitsplatz dastehen. Dabei blickt die Papierfabrik Feldmühle auf eine mehr als 100-jährige Geschichte zurück. Seit Generationen wurde am Standort in Uetersen bei Hamburg Papier produziert, zuletzt vor allem für Etiketten und flexible Verpackungen. Im Werk wurden jährlich etwa 80.000 Tonnen Spezialpapier hergestellt. In der Pressemitteilung übte das Unternehmen auch Kritik an der Politik: „Es scheint nicht gewollt, dass die energieintensive Industrie in Deutschland bestehen bleibt.

Noch im September zeigte sich die Feldmühle zuversichtlich. Geplante Restrukturierungsmaßnahmen wurden umgesetzt, das Vertriebsteam verstärkt und Produktionskapazitäten sowie Schichtsysteme angepasst. Bereits seit dem 1. August 2025 lief das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Damals hieß es: „Von Kundenseite erfahren wir aktuell viel Unterstützung, sei es durch Aufträge – hier sehen wir aktuell einen positiven Trend - Flexibilität oder ermutigendes Feedback“.

Weltweiter Marktführer für nassfeste Etikettenpapiere muss Werk für immer schließen

Am Ende reichte die Neuausrichtung jedoch nicht aus, um den Betrieb dauerhaft wirtschaftlich zu sichern. Für die Belegschaft endet damit die Geschichte des Traditionsunternehmens ohne Perspektive. Gekämpft wurde bis zum Schluss: „Wir haben in den letzten Jahren in unserem Unternehmen hochwertig und kapitalintensiv in Nachhaltigkeit und Energieeffizienz investiert. Wir haben Prozesse optimiert und modernisiert, uns für unseren Nachwuchs engagiert, neue Produkte entwickelt und latent unsere Kosten gesenkt - all dieses in einem sehr wettbewerbsintensiven Umfeld“.

Nach über einem Jahrhundert endet mit der Schließung der Papierfabrik eine lange Tradition der Papierproduktion in Uetersen. Der Standort wurde bereits 1904 gegründet und gehörte 1928 zu den Gründungsmitgliedern der großen Feldmühle AG, berichtet das Hamburger Abendblatt. Später übernahm mit Stora ein internationaler Konzern die Geschäfte. Ab 2015 gingen die Uetersener eigenständig auf dem Papiermarkt an den Start und griffen dabei auf den traditionsreichen Namen Feldmühle zurück, der einst zu den zehn größten Unternehmen Deutschlands gehörte. Für 2026 war noch ein Jubiläum geplant: 60 Jahre Etikettenproduktion in Uetersen – daraus wird nun nichts mehr, denn die Papiermaschine steht ab sofort still.

Immer mehr Unternehmen in Deutschland rutschen in die Insolvenz, von langjährigen Traditionsbetrieben bis hin zu mittelständischen Betrieben. Die aktuelle Entwicklung zeigt, wie stark die anhaltend angespannte Wirtschaftslage zahlreiche Branchen unter Druck setzt. Im August kamen auf 10.000 Unternehmen durchschnittlich 5,7 Insolvenzen. „Die wirtschaftliche Lage bleibt äußerst angespannt – und sie kostet immer mehr Unternehmen die Existenz“, warnte Volker Treier, der Chefanalyst der deutschen Industrie- und Handelskammer, noch im November.

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