Vor Autogipfel

Verbrenner-Aus auf der Kippe? Merz will „falsches Verbot“ korrigieren

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Die Union will das Verbrenner-Verbot kippen. Vor dem Autogipfel verschärft Kanzler Merz den Kurs. Damit sorgt er für Unmut und erntet Kritik.

Berlin – Die Debatte über das Verbrenner-Aus gewinnt vor dem Autogipfel nochmal an Fahrt: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) spricht sich erneut für eine Abschaffung des Verbots neuer Verbrenner-Autos in der EU ab 2035 aus. „Meine klare Vorstellung ist, dass wir dieses sogenannte Verbrennerverbot in der Form nicht aufrechterhalten“, sagte Merz im ntv-Talk Pinar Atalay. Es gehe um Technologieoffenheit. „Ich möchte nicht, dass Deutschland zu den Ländern gehört, die an diesem falschen Verbot festhalten.“ Das Thema sei aber in der Koalition noch nicht ausdiskutiert.

Merz schießt gegen Verbrenner-Verbot kurz vor Autogipfel

Merz sagte bei ntv, Verbrenner würden zum Beispiel bei Lastwagen weiter gebraucht. Es gehe auch um die Motorenforschung. „Auf der Welt wird weiter geforscht und entwickelt, auch an schweren Dieselmotoren. Ich möchte, dass die Bundesrepublik Deutschland, dass unsere Industrie daran weiter teilnimmt. Und deswegen ist das Verbot falsch“, so Merz.

Man werde möglicherweise in einigen Jahren synthetische Kraftstoffe sehen, mit denen man diese Verbrennermotoren umweltfreundlich weiter betreiben könne. „Wir sollten nicht verbieten, wir sollten Technologien ermöglichen, und das ist mein Ziel.“ Merz sagte weiter mit Blick auf die gesamte Industrie: „Wir haben es übertrieben mit den Arbeitskosten, wir haben es übertrieben mit zum Beispiel den Kosten auch der Transformation.“ Die Industrie sei nicht an der Belastungsgrenze angekommen – sie sei darüber hinaus.

Kanzler Friedrich Merz kritisiert das Verbrenner-Aus.

Diskussion um Verbrenner-Verbot: Merz könnte nächsten Streit mit SPD heraufbeschwören

SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf sagte, für ihn stehe das Verbrenner-Aus 2035 nicht infrage. Es gehe um Planungssicherheit. Ähnlich äußerte sich Umweltminister Carsten Schneider (SPD). Auch Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge kritisierte den Kurs von Merz und hält an dem Verbrenner-Verbot fest. Merz bremse mit seinem rückwärtsgewandten Kurs die deutsche Autoindustrie aus, sagte Dröge der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Während weltweit der E-Antrieb Fahrt aufnimmt, treten deutsche Hersteller auf der Stelle.“ Die ständigen Debatten über den richtigen Zeitpunkt für den Umstieg auf E-Mobilität schadeten der Industrie. 

„In China rollen längst millionenfach die E-Autos vom Band – hierzulande drohen die Hersteller den Anschluss zu verlieren. Dabei steigt auch bei uns die Nachfrage nach Elektroautos stetig. Jetzt braucht es klare Leitplanken, Programme wie Social Leasing, die E-Autos auch für Menschen mit kleinerem Geldbeutel zugänglich machen, und einen entschlossenen Ausbau der Ladeinfrastruktur, besonders im ländlichen Raum“, so Dröge.

Merz nimmt am Autogipfel teil – Autobauer hoffen auf Klarheit

An einem Treffen am Donnerstag (9. Oktober 2025) im Kanzleramt zur Lage der Autobranche nehmen neben mehreren Bundesministern Vertreter von Bundesländern, der Autoindustrie sowie von Gewerkschaften teil. Die Autobranche hat mit einer Absatzflaute, Konkurrenz aus China und dem Wandel zur E-Mobilität zu kämpfen. Dazu kommt der Zollstreit mit den USA. Viele Unternehmen fahren einen Sparkurs und bauen Stellen ab. (bohy mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © Bihlmayerfotografie/imago

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