Verhandlungen um Sparmaßnahmen

Geplante Verlagerungen beunruhigen tausende Audi-Mitarbeiter in Ingolstadt und Neckarsulm

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Auch bei Autobauer Audi sind Sparmaßnahmen angesagt, die Verhandlungen laufen bereits. Das führt in der Belegschaft an den beiden großen Produktionsstandorten zu Spannungen.

Ingolstadt/Neckarsulm - Beim VW-Konzern stehen bereits seit vergangenem Jahr massive Sparmaßnahmen im Raum, die neben dem Abbau von Arbeitsplätzen auch die Schließung ganzer Werke umfassen. Durch die großen Herausforderungen sind zudem auch die Konzerntöchter Porsche, beim Sportwagenbauer soll eine vierstellige Zahl an Stellen vor dem Aus stehen, und Audi in eine Schieflage geraten. Beim letztgenannten Autobauer sind die Verhandlungen über konkrete Sparmaßnahmen bereits angebrochen, was dementsprechend auch die Sorge an den beiden großen deutschen Produktionsstandorten schürt.

Die besten Arbeitgeber in Deutschland: Zu diesen Unternehmen wollen Fachkräfte 2025 gehen

Siemens AG - Hauptversammlung
Siemens hat es an die Spitze geschafft: In Deutschland würden viele Ingenieure am liebsten zu diesem Arbeitgeber gehen. Dort erhoffen sie sich neben guter Bezahlung und flexiblen Arbeitszeiten eine Firma, die für Innovation steht.  © Sven Hoppe/dpa
Die Vorstände des Technologie-Konzerns Bosch Christian Fischer (l-r), Markus Forschner, Stefan Grosch, Stefan Hartung (Vorsitzender), Tanja Rückert, Markus Heyn und Frank Meyer stehen bei der Bilanz-Pressekonferenz des Konzerns an einem Bosch Logo.
Bosch ist auf Platz 2 der führenden Arbeitgeber für junge Fachkräfte im Ingenieurswesen in Deutschland. Damit ist erstmals kein Automobilunternehmen ganz oben mit dabei - dafür aber ihre Zulieferer.  © Bernd Weißbrod/dpa
Porsche 911 Turbo 50 Jahre
Im Ranking der Beratungsfirma Universum hat es Porsche auf den dritten Platz geschafft. Beim letzten Ranking stand der Autokonzern noch an der Spitze, büßt bei Ingenieuren also zwei Plätze ein.  © Porsche AG
BMW-Stammwerk in München
Auch die BMW Group gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern der deutschen Ingenieure. Wie viele Autokonzerne kämpft auch BMW mit harten Zeiten - doch beim Thema E-Mobilität hat dieses Unternehmen die Nase vorn.  © Sven Hoppe/dpa
Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen, l-r), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Markus Schäfer, Vorstandsmitglied der Mercedes-Benz Group, Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz Group, und Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, stehen während der Eröffnungsfeier des Mercedes-Benz-Campus ´zusammen
Bei Mercedes-Benz erhoffen sich Ingenieure ebenfalls eine gute Zukunft mit guter Bezahlung und fairen Arbeitsbedingungen. Noch dazu scheint das Unternehmen sich als besonders innovativ herausstellen zu können.  © Sebastian Gollnow/dpa
Ein Airbus von Qatar Airways landet auf dem Hamburger Flughafen
Einen Platz nach oben gerutscht ist im Universum-Ranking für Ingenieure auch Airbus. Der Flugzeughersteller konnte sich in den vergangenen Monaten gegenüber dem Konkurrenten Boeing positiv positionieren - letzterer ist geplagt von Skandalen und Negativschlagzeilen.  © Georg Wendt/dpa
Gernot Döllner, Vorstandsvorsitzender der Audi AG, bei der Vorstellung der Jahreszahlen 2023.
Auch Audi bleibt bei Ingenieuren als Arbeitgeber beliebt - muss aber zwei Plätze im Vergleich zum Vorjahr einbüßen. Die Ingolstädter leiden ebenfalls unter der Autokrise - gerade wird über die Schließung eines Werks in Brüssel intensiv diskutiert.  © Sven Hoppe/dpa
Google eröffnet Cloud-Rechenzentrum in Hanau
Google ist für Ingenieure ein beliebter Arbeitgeber in Deutschland, der Tech-Riese steigt sogar auf im Ranking. Bei der letzten Untersuchung konnte Google nur den 10. Platz für Ingenieure belegen. Dafür ist der Gigant aus den USA im Fachkräfte-Ranking bei der IT an der Spitze der beliebtesten Arbeitgeber.  © Arne Dedert/dpa
Deutsche Bahn fährt in Dresden
Kaum zu glauben, aber wahr: Die Deutsche Bahn gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern für Ingenieure in Deutschland. Trotz seines schlechten Rufs als Verkehrsmittel scheint die Firma insbesondere Fachkräfte gut zu erreichen. Bei den Lokführern und Kontrolleuren hingegen hörte man zuletzt eigentlich nur Frust.  © Robert Michael/dpa
Björn Bernhard, Geschäftsführer der Rheinmetall Landsysteme GmbH, spricht bei der Übergabe vom Radpanzer für die Bundeswehr vom Typ Boxer als Schwerer Waffenträger Infanterie. Der Rüstungskonzern Rheinmetall ist mit der Lieferung der 123 Boxer-Fahrzeuge beauftragt worden.
Auf Platz 10 hat es zum ersten Mal ein Rüstungsunternehmen geschafft: Rheinmetall steigt im Ranking der Ingenieure um drei Plätze auf. Damit profitiert das Unternehmen von einer neuen Stellung und Wahrnehmung im Land.  © Philipp Schulze/dpa

Bereits vor einigen Tagen hatte der Betriebsrat an den Audi-Standorten Ingolstadt (Bayern) und Neckarsulm (Baden-Württemberg) Flugblätter verteilt, die über die Sparmaßnahmen informieren sollten. Wie die Heilbronner Stimme aktuell berichtet, laufen die Verhandlungen zwischen dem Autobauer und den Arbeitnehmervertretern seit Anfang der Woche. Betriebsbedingte Kündigungen sind bei Audi an den deutschen Standorten vorerst ausgeschlossen, in der Belegschaft gibt aber die Sorge vor der Verlagerung von bestimmten Bereichen. Auch bei Mercedes-Benz werden die Sparmaßnahmen konkreter.

Audi will laut dem Betriebsratschef drei bestimmte Bereiche verlagern

Der schwächelnde Absatz von Elektroautos, die steigende Konkurrenz aus China und die hohen Kosten für die notwendige Transformation stellen die gesamte europäische Autoindustrie vor große Probleme. 15 deutsche Autostädte haben sich deshalb bereits an die EU gewandt und stellen Forderungen. Dass auch Audi Kosten einsparen muss, steht demnach außer Frage. Dabei sollen neben möglichen Maßnahmen wie einem Stellenabbau oder Gehaltskürzungen auch bestimmte Bereiche ausgelagert werden, was sowohl am Audi-Stammsitz Ingolstadt als auch am großen Produktionsstandort Neckarsulm bei Heilbronn starke Unsicherheiten in der Belegschaft auslöst.

Name Audi AG
Gründung 1949 in Ingolstadt (Neugründung)/1969 in Neckarsulm (Fusion)
SitzIngolstadt, Bayern
Branche Automobilindustrie
Mutterkonzern Volkswagen AG
Mitarbeiter 90.640 (2022)
Umsatz 53,068 Milliarden Euro (2021)

Wie Audi-Gesamtbetriebsratschef Jörg Schlagbauer laut der Stimme ausführte, sind von den Outsourcing-Plänen konkret drei Bereiche betroffen. Zum einen geht es um den Vertrieb in Deutschland, dann um den gesamten Bereich Werkservice und schließlich auch um die Gastronomie in den Werken. „Da reden wir über rund 1.600 Kolleginnen und Kollegen“, so Schlagbauer. Verlagerungen, oftmals ins günstigere Ausland, sind in der deutschen Wirtschaft seit langem Thema. Autozulieferer ZF Friedrichshafen entschied sich beispielsweise jüngst gegen einen deutschen Standort und will im Ausland investieren.  

Autobauer Audi will bestimmte Bereiche verlagern. Das schürt am Stammsitz Ingolstadt und auch in Neckarsulm (Bild) Sorgen.

Sparmaßnahmen bei Audi: Gehaltseinbußen sind offenbar bereits beschlossen

Obwohl es bei Audi, wie übrigens auch bei Mercedes-Benz und Porsche, eine Beschäftigungsgarantie an den deutschen Produktionsstandorten gibt, ist ein Stellenabbau nicht vom Tisch. Bei den Ingolstädtern gilt diese nämlich nur bis Ende 2029, weshalb die Arbeitnehmervertreter eine Verlängerung der Stimme zufolge bereits zur Voraussetzung für die Verhandlungen erklärt haben. Fest stehen dem Bericht zufolge allerdings bereits die Gehaltseinbußen, die offenbar durch die Streichung von Zulagen und Erfolgsbeteiligungen entstehen sollen. Beschlossen ist zudem auch bereits die Schließung eines europäischen Audi-Werks.

Rubriklistenbild: © Bernd Weißbrod/dpa

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