VonPatrick Mayerschließen
Hohe Kosten und der demografische Wandel üben Druck auf die GKV aus. Jetzt könnten die Kosten steigen. Das zeigt eine neue Analyse.
Berlin – Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ist ein zentraler Pfeiler des deutschen Gesundheitssystems. Nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) sind über 70 Millionen Bürgerinnen und Bürger, also fast 90 Prozent der Bevölkerung, in der GKV versichert.
Höhere Ausgaben belasten die Kassen – hoher Druck auf GKV
Doch die Versicherten und die Eltern von gesetzlich versicherten Kindern müssen sich auf steigende Beiträge einstellen. Der Grund: Die GKV steht unter enormem finanziellen Druck. Bis Ende 2024 wird sie voraussichtlich ein riesiges Defizit und ein Milliardenloch aufweisen.
Diese Prognose stammt von dem Softwareentwickler „Bitmarck“, wie das Handelsblatt berichtet. Die Studie, die aus der Privatwirtschaft stammt und vom BMG nicht kommentiert wurde, prognostiziert für 2024 ein Defizit der GKV in Deutschland von erschreckenden 32 Milliarden Euro.
Deutsche Krankenkassen – Beitragserhöhungen stehen ins Haus
Laut Handelsblatt betrug das Defizit zwischen den Einnahmen aus Beiträgen und den Ausgaben der GKV 2022 noch sechs Milliarden Euro. 2023 stieg das Defizit bereits auf 20 Milliarden Euro. Ein wesentlicher Grund dafür sind die teilweise stark ansteigenden Preise für bestimmte Medikamente.
Eine Sprecherin des GKV-Spitzenverbandes wird mit den Worten zitiert, der Beitragsdruck sei „seit Jahren enorm“. Sie fügt hinzu: „Selbst ohne die geplanten teuren Reformen ließen sich erneute Beitragserhöhungen wohl kaum verhindern.“ Jede gesetzliche Krankenkasse entscheidet selbst über diese Beitragserhöhungen, genauer gesagt, der Verwaltungsrat, der die Finanzreserven der Kasse prüft.
Empfehlung auf Beitragserhöhung – Nicht alle gesetzlichen Kassen folgen
Ein Beispiel ist die Techniker Krankenkasse (TK). Im Jahr 2024 beträgt der allgemeine Beitragssatz für Arbeitnehmer 14,6 Prozent und der ermäßigte Beitragssatz 14,0 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen. Das BMG hatte den Krankenkassen für dieses Jahr einen Zusatzbeitragssatz von 1,7 Prozent empfohlen, aber nicht alle Krankenkassen sind dieser Empfehlung gefolgt.
Das BMG erklärt auf seiner Website zur Beitragsstruktur: „Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bzw. Rentnerinnen und Rentner sowie Arbeitgeber bzw. Rentenversicherungsträger tragen die Beiträge (für die gesetzliche Krankenversicherung, d. Red.) inklusive Zusatzbeiträge aus dem Arbeitsentgelt oder der Rente jeweils zur Hälfte.“
AOK warnt vor Beitragserhöhungen – Ampel-Gesetz ist schuld
Auch die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) rechnet mit wahrscheinlich höheren Beiträgen für gesetzlich Versicherte. Ein Grund dafür ist die Krankenhausreform der Ampel-Koalition. Der Bundesverband der elf rechtlich unabhängigen Krankenkassen, die sich zusammengeschlossen haben, erklärte in einer Pressemitteilung vom 15. Mai, dass das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) höhere Beiträge für die GKV-Beitragszahlenden mit sich bringen könnte.
In der Stellungnahme zum Vorhaben der Ampel-Koalition heißt es: „Wenn die Pläne zur Finanzierung der Krankenhausreform weiter durchsegeln, wie heute vom Kabinett beschlossen, wird das die Beitragszahlenden der GKV sehr teuer zu stehen kommen und zu höheren Beitragssätzen führen.“
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