Tarifstreit mit der GDL

Streik bei der Bahn beendet – weitere Streiks möglich

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Die Bahn wurde ab Mittwochabend von der Lokführergewerkschaft GDL bestreikt. Es kam zu massiven Ausfällen im Zugverkehr.

Update vom 14. November, 21:10 Uhr: Inzwischen wurden die ersten Bahn-Ausfälle in NRW während des Streiks bekannt gegeben. 24RHEIN zeigt im Überblick, welche RE-, RB- und S-Bahn-Linien ausfallen und welche trotzdem fahren sollen.

Update vom 14. November, 18:45 Uhr: Jetzt ist klar: Der Streik der GDL soll am Mittwoch, 15. November, um 22 Uhr beginnen und bis Donnerstag, 16. November, 18 Uhr dauern.

Update vom 14. November, 16:45 Uhr: Nach der ersten Verhandlung hat die GDL jetzt Streiks bei der Bahn angekündigt. Noch ist nicht bekannt, wann genau die GDL streiken will.

Erstmeldung vom 13. November 2023: Bahn bereitet sich auf Streiks rund um Weihnachten vor – mit XXL-ICE

Köln – Nach der ersten Verhandlungsrunde zeichnet sich bereits jetzt ein längerer Tarifstreit zwischen der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) und der Deutschen Bahn ab. Das erste DB-Angebot lehnte die GDL ab, vor allem weil eine Kernforderung nicht adressiert wurde. Sollten die Fronten verhärtet bleiben, müssen sich Reisende in ganz Deutschland auf Bahnstreiks einstellen. Womöglich sogar vor oder während der Weihnachtstage. Denn den sogenannten „Weihnachtsfrieden“, also Streikverzicht über die Feiertage, lehnte GDL-Chef Claus Weselsky klar ab. Für den Fall der Fälle hat die Deutsche Bahn bereits einen Notfallfahrplan erarbeitet, der ein drastisch reduziertes Zug-Angebot zur Folge hätte.

Bei Bahnstreik über Weihnachten: So sieht der Notfallfahrplan der Deutschen Bahn aus

  • ICE-, IC- und EC-Fernverkehr würde weniger als 20 Prozent des Regelangebots umfassen
  • Einsatz von möglichst langen Züge, wie zum Beispiel ein „XXL“-ICE mit 918 Sitzplätzen
  • Einige Auslandsverbindungen würden durch Einsatz ausländisches Zugfahrer angeboten

Die Erarbeitung des Notfallfahrplans zeigt, dass die Deutsche Bahn die Gefahr eines Streiks über die Weihnachtstage durchaus ernst nimmt. „Wie auch bei früheren Streiks der GDL hat die DB einen Notfahrplan mit einem stark reduzierten Angebot an Fahrten erarbeitet“, sagte eine DB-Sprecherin der Deutschen Bahn am Sonntag (12. November) der Deutschen-Presse-Agentur. Nichtmal jeder fünfte Fernverkehrszug würde in der Folge fahren, weshalb Reisende mit etlichen Ausfällen rechnen müssten.

Bei einem Bahnstreik über Weihnachten läge der Fokus der Bahn vor allem auf den besonders stark nachgefragten Verbindungen, wie etwa von Hamburg über Köln, Frankfurt und Stuttgart nach München. Auf diesen Strecken würden dann auch Mega-ICEs mit einer Länge von 376 Metern und 918 Sitzplätzen zum Einsatz kommen. Seit 2021 gibt es einen solchen „XXL“-ICE bereits im Regulärbetrieb der Deutschen Bahn. Er wurde auf den Namen „Bundesrepublik Deutschland“ getauft und trägt eine von vielen ICE-Sonderlackierungen.

Die Deutsche Bahn betreibt im Regelbetrieb bereits einen XXL-ICE unter dem Namen „Bundesrepublik Deutschland“. (IDZRW-Montage)

Bahn plant bei GDL-Streik über Weihnachten auch Auslandsverbindungen – aber keine Ersatzbusse

Neben der wichtigen innerdeutschen Bahnverbindung würden bei einem Streik über Weihnachten auch weiterhin Züge ins Ausland fahren. Für den einige grenzüberschreitende Verbindungen sollen laut der Deutschen Bahn ausländische Triebfahrzeugführer eingesetzt werden.

Einen zumindest im Nahverkehr sonst üblichen Ersatzverkehr mit Bussen plant der DB-Konzern derweil nicht. Demnach gebe es weder ausreichend Busse noch Fahrpersonal, um im Falle eines Streiks spontan und flächendeckend Zugkapazitäten ersetzen zu können.

Wie sich der ICE der Deutschen Bahn über die Jahre verändert hat

Der InterCityExperimental am 26. November 1985 im Hauptbahnhof Bielefeld.
Obwohl der erste ICE im regulären Betrieb erst 1991 auf die Schiene kam, gab es zuvor bereits den sogenannten InterCityExperimental. © teutopress/Imago
Der InterCityExperimental am 26. November 1985 im Hauptbahnhof Bielefeld.
Der InterCityExperimental war der Vorläufer des späteren ICE. Der Zug sorgte im November 1985 für großes Aufsehen, als er auf der Bahnstrecke zwischen Gütersloh und Hamm mit 317 km/h eine Rekordgeschwindigkeit im deutschen Schienenverkehr erreichte. © teutopress/Imago
Das Bild zeigt den Führerstand eines InterCityExperimental.
Das Bild zeigt den Führerstand eines InterCityExperimental. Der Zug wurde zwischen 1983 und 1985 gebaut. © Sven Simon/Imago
Ein ICE 1 und ein Lokführer.
1991 war es dann so weit. Der erste ICE kam in Deutschland auf die Schiene. Der ICE 1 leitete damit das Hochgeschwindigkeitszeitalter im deutschen Bahnverkehr ein. Schon die ersten Modelle erreichten rund 280 km/h. © Jürgen Heinrich/Imago
Ein Blick in die 1. Klasse des ICE 1.
Ein Blick in die 1. Klasse des ICE 1. Insgesamt bestand der erste ICE aus zwölf Mittelwagen und zwei Triebköpfen. Es gab 703 Sitzplätze. (Bild von 1991) © Jürgen Heinrich/Imago
Ein ICE 1 fährt durch Deutschland.
Im Sommer 2005 begann die Bahn mit einer großen Modernisierung des ICE 1. Mit diesem Redesign wurde die Sitzplatzkapazität nochmal erweitert. Zudem veränderten sich die Züge innen und außen auch optisch. © STAR-MEDIA/Imago
Ein ICE 1 am Münster Hbf.
Und auch heute noch ist der ICE 1 wichtiger Bestandteil im deutschen Bahnverkehr. 2020 wurden die Züge nochmal modernisiert. 18 von ihnen sind immer noch im Einsatz. © Rüdiger Wölk/Imago
Ein ICE 2 fährt durch Deutschland.
1996 kam mit dem ICE 2 die zweite ICE-Generation in Deutschland auf die Schiene. Die Züge erreichten genau wie der ICE 1 eine Höchstgeschwindigkeit von 280 km/h. © Christian Kielmann/Imago
Ein ICE 2 in Berlin.
Der ICE 2 wird von der Bahn als „der Flexible“ bezeichnet. Der Grund: Mit sechs Mittelwagen und einem Steuerwagen ist der ICE 2 kürzer als sein Vorgänger, kann bei Bedarf aber auch zu einem Doppelzug gekoppelt werden. © Christian Kielmann/Imago
Innenaufnahme eines ICE 2.
Innenaufnahme eines ICE 2: 2011 wurden die Züge der zweiten ICE-Generation von der Bahn umfassend modernisiert. © Christian Kielmann/Imago
Ein ICE 2 der Deutsche Bahn DB in Gemünden am Main.
Bis heute zählt der ICE 2 zu den wichtigsten Fernverkehrszügen der Bahn. 44 der Züge sind weiterhin in Deutschland unterwegs. © Aviation-Stock/Imago
Ein ICE T in einer Kurve.
1999 wurde der ICE T in Betrieb genommen. Die Besonderheit dieses Zuges: Er verfügt über eine spezielle Neigetechnik, kann sich also ähnlich wie ein Motorradfahrer auf kurvenreichen Strecken zur Seite neigen. © STAR-MEDIA/Imago
Ein ICE T im Haunetal.
Das „T“ in ICE T steht eigentlich für „Triebzug“. Aufgrund der Neigetechnik wurde aber teilweise auch der englische Begriff „Tilt“ für „neigen“ als Abkürzung interpretiert. © Deutsche Bahn AG / Oliver Lang
Ein ICE T am Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe.
Vom ICE T gibt es mehrere Baureihen. Die Züge wurden 2013 umfangreich modernisiert. Für alle gilt aber: Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 230 km/h. Damit ist er der langsamste ICE. © Rüdiger Wölk/Imago
Ein ICE 3 der Deutsche Bahn AG auf der Schnellstrecke Köln-Frankfurt neben der Autobahn A3.
2000 folgte die Inbetriebnahme des ICE 3. Der Turbo-ICE erreicht Geschwindigkeiten bis 330 km/h (hier auf der Schnellfahrstrecke zwischen Frankfurt und Köln). © Rainer Unkel/Imago
DEU Deutschland Frankfurt am Main 14 02 2019 Hauptbahnhof Frankfurt ICE Baureihe 403 ICE 3
Vom ICE 3 gibt es inzwischen drei unterschiedliche Baureihen. Die Züge der Baureihe 403 sind nur in Deutschland unterwegs. ICE 3 der Reihe 406 werden auch grenzübergreifend in Belgien und den Niederlanden eingesetzt. © Arnulf Hettrich/Imago
Ein Lokführer bei der Bahn in einem ICE 3.
Ein Blick ins Cockpit eines ICE 3 (Archivbild von 2020). © Arne Dedert/dpa
Ein ICE 3 und ein ICE 4.
2017 kam dann der ICE 4 (rechts) auf die Schiene. Hier im direkten Vergleich zu einem ICE 3 (links) am Kölner Hauptbahnhof. © Deutsche Bahn AG / Axel Hartmann
ICE 4 auf der Bahnstrecke Münster - Osnabrück.
Vom ICE 4 gibt es drei unterschiedliche Modelle mit sieben, zwölf oder 13 Wagen. Der größte verfügt über 918 Sitzplätze. © Rüdiger Wölk/Imago
Ein ICE 4 bei Stadthagen.
Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h ist der ICE 4 der langsamer als sein direkter Vorgänger und auch nicht so flott unterwegs wie die Modelle 1 und 2. © Deutsche Bahn AG / Wolfgang Klee
ICE 4 mit Fahrrad-Abteil.
Eine Besonderheit des ICE 4: Er hat als erster ICE gesonderte Fahrradstellplätze. © Deutsche Bahn AG / Tobias Gromatzki
Ein ICE 3neo der Baureihe 408.
Im Dezember 2022 folgte der ICE 3neo, der, wie der Name bereits verrät, auf dem ICE 3 basiert und weiterentwickelt wurde. Der Hochgeschwindigkeitszug erreicht bis zu 320 km/h. © Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben
Taufe des ersten ICE 3neo auf den Namen Rheinland im Kölner Hauptbahnhof.
Im Februar 2023 wurde ein ICE 3neo in Köln in Karnevalsoptik präsentiert und auf den Namen „Rheinland“ getauft. © R. Schmiegelt/Future Image/Imago
Ein ICE Führerstand bei der Taufe des ersten ICE 3neo auf den Namen Rheinland im Kölner Hauptbahnhof.
Der Führerstand des ICE 3neo. Die Flotte der Bahn soll bis 2029 um insgesamt 73 neue ICE 3neo erweitert werden. © R. Schmiegelt/Future Image/Imago
Der 1. ICE L auf dem Weg nach Deutschland.
Im Oktober 2024 folgt mit dem ICE L ein weiterer neuer Schnellzug der Bahn. Dabei ist der ICE L eigentlich kein richtiger ICE, wie sie bislang bekannt sind. Anders als die bisherigen ICEs ist er nämlich kein Triebzug, sondern wird von einer Lok gezogen. © Deutsche Bahn AG / Dirk Wittmann

GDL plant noch keine Bahnstreiks – so geht es jetzt weiter

Auch wenn GDL und Deutsche Bahn am ersten Verhandlungstermin bei ihren Vorstellungen für einen neuen Tarifvertrag noch weit auseinander lagen, wurden vorerst keine Warnstreiks angekündigt. Beide Seiten einigten sich darauf, sich am 16./17. November erneut zu Gesprächen in Berlin zu treffen. Weiter Termine sind bereits für 23./24. November (Berlin), 5./6. Dezember (Potsdam) und 14./15. Dezember (Berlin) geplant. Der DB-Konzern hofft spätestens dann, also noch vor Weihnachten, eine Einigung mit der Lokführergewerkschaft erzielt zu haben. Falls nicht, könnte es tatsächlich zu den Bahnstreiks über die Feiertage kommen. (os mit dpa) Fair und unabhängig informiert, was in Köln, Düsseldorf und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Rubriklistenbild: © Arnulf Hettrich/Imago & Ralph Peters/Imago

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