Gibt es Aussicht auf Rettung?

Krise bei Papphersteller: Traditionsbetrieb nach 150 Jahren insolvent

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Die Köhlerpappen GmbH hoffen auf ein erfolgreiches Sanierungsverfahren und neue Investoren.
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Ein Traditionsunternehmen mit 90 Mitarbeitern schlittert in die Insolvenz. Doch die Verantwortlichen sind optimistisch – Gespräche mit Investoren laufen bereits.

Gengenbach – Seit über 150 Jahren produziert die Köhlerpappen GmbH in Gengenbach (Baden-Württemberg) hochwertige Pappen für die Verpackungs- und Spieleindustrie. Ob dieses Kapitel weitergeschrieben wird, bleibt aufgrund der finanziellen Schieflage ungewiss: Am 1. Juni 2025 eröffnete das Amtsgericht Offenburg offiziell das Insolvenzverfahren, nachdem das Traditionsunternehmen bereits im März einen Insolvenzantrag gestellt hatte.

Insolvenz bei Köhlerpappen GmbH: Hohe Energiepreise und Auftragsflaute setzen Betrieb zu

Die Köhlerpappen GmbH kämpft seit geraumer Zeit mit hohen Energiepreisen und einem deutlichen Auftragsrückgang, da sich der Kundenstamm – sowohl national als auch international – zuletzt verkleinert hat. Die auf Unternehmenssanierungen spezialisierte Wirtschaftskanzlei BSK Berbuer Speier Kuhn, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. André Berbuer, wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt und hat seit März erste Sanierungsmaßnahmen eingeleitet.

So sicherte das Team über eine Insolvenzgeldvorfinanzierung die Fortzahlung der Löhne der rund 90 Beschäftigten und leitete einen Investorenprozess ein, um die langfristige Zukunft des Traditionsbetriebs zu sichern.

Umweltziele trotz Krise: Köhlerpappen setzt auf CO₂-Neutralität und Biomasseheizanlage

Sanierungsanwalt Basil Speier von der Kanzlei BSK zeigt sich optimistisch: „Wir stehen in vielversprechenden Gesprächen mit möglichen künftigen Partnern.“ Auch, weil sich die Marktlage von Köhlerpappen etwas erholt hat und der Betrieb wieder mehr Aufträge verzeichnet. Speier betonte, dass die „Kunden und Lieferanten“ derzeit treu an der Seite des Pappherstellers stehen. Auch deswegen seien vorerst keine Entlassungen geplant. Insolvenzverwalter Dr. André Berbuer hebt hervor, dass Belegschaft, Betriebsrat und Gewerkschaftsvertreter die Sanierungsbemühungen konstruktiv begleiten: „Ich bin zuversichtlich, für die Köhlerpappen GmbH eine gute Lösung für die Zukunft schaffen zu können.“

Für diese hat sich das Unternehmen aus Gengenbach ehrgeizige Umweltziele gesetzt: Bis 2030 strebt der Betrieb eine 80-prozentige CO₂-Neutralität an, was Einsparungen von 33.000 Tonnen CO₂ pro Jahr erfordert. Dafür nahm das Unternehmen 2023 eine eigene Biomasseheizanlage in Betrieb, die jährlich 19.000 Tonnen CO₂ einspart.

Ursprünge bis ins Mittelalter: Erste Erwähnung 1490 – Familie Köhler leitet die Geschicke

Die Ursprünge der Köhlerpappen GmbH reichen sogar bis ins Mittelalter zurück. Erste Einträge datieren unter dem Namen „papiermühlin beym gutleuthaus“ auf das Jahr 1490. Ab 1889 übernahmen Albert Köhler und Jakob Marz die Geschicke des Betriebes. Nachdem Ausscheiden von Marz modernisierte Köhler das Unternehmen und spezialisierte sich auf Hand- und Strohpappen. Zum damaligen Inventar von Köhlerpappen zählten zwei Fabriken. Nach dem Tod ihres Vaters führten ab den 1920er Jahren die Söhne Julius und Franz Köhler das Unternehmen weiter und trieben nach dem Zweiten Weltkrieg einen weiteren Modernisierungsprozess voran.

Seit 2018 leiteten Nicola Turri und Hans-Henning Junk als Geschäftsführer das Unternehmen, ehe er Christian Geiger ab 2021 Junks Posten übernahm.

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